Speyer
Jetzt doch: Kloster St. Magdalena und Schule sollen erhalten bleiben
Im Sommer 2025 war ein tiefer Einschnitt angekündigt worden: St. Magdalena, ältestes Kloster im Bistum Speyer, werde sein Mutterhaus 2026 auf- und seine angrenzende Klosterschule in andere Hände geben. Im November hörte sich das dann schon wieder anders an: Die Mitteilung sei „voreilig“ gewesen, ein Verbleib doch möglich. Jetzt hat in Speyer zum ersten Mal seit vier Jahren das Generalkapitel als höchstes Gremium des Ordens getagt, das allein solche Entscheidungen treffen kann. Sein Votum lautet: Mutterhaus und Schule in der Hasenpfuhlstraße bleiben in Trägerschaft des Ordens erhalten.
Keine der Schwestern habe ihre Heimat aufgeben wollen, betonen die Schwestern Judite, Bruna und Elisabeth im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Die zu hohen Kosten, die 2025 angeführt worden waren, wolle man mit Gottvertrauen in den Griff bekommen. „Es gibt keinen Anlass, die Flinte ins Korn zu werfen“, sagt die der Speyerer Hausleitung angehörende Schwester Elisabeth. Der fünfköpfige Generalrat der Dominikanerinnen zur Heiligen Maria Magdalena, wie der Orden mit komplettem Namen heißt, wolle in den nächsten Monaten ein tragfähiges Zukunftskonzept für das Kloster und seine Schule in Speyer sowie die Standorte in Südamerika erarbeiten.
Neue Leiterin
In der Hauptverantwortung dafür ist seit dem vor einer Woche abgeschlossenen Generalkapitel Schwester Judite Santana. Sie wurde als neue Generalpriorin gewählt und damit zur Nachfolgerin von Schwester Roberta Santos da Rocha, die zwischenzeitlich über die mögliche Aufgabe des Mutterhauses berichtet hatte. Roberta werde zur Mission zurück in ihr Heimatland Brasilien gehen, berichten die neuen Verantwortlichen. Auch Judite stammt aus Brasilien und ist vor vier Jahren nach Speyer gekommen, nachdem sie in den Generalrat gewählt worden war. Von 2018 bis 2022 hat sie zudem Leitungserfahrung als Regionalpriorin des Ordens für Brasilien gesammelt.
Auf sie kämen nun viele neue Aufgaben zu, berichtet die 59-Jährige. Sie werde etwa alle zwei Jahre die Visitationen mit Besuchen an allen Standorten auch in Peru und Brasilien leiten. Sie werde Verantwortung für die Gremienarbeit tragen und auch Repräsentantin des Ordens sein. Als 17-Jährige war sie einst bei einer Veranstaltung für Jugendliche in Kontakt mit dem Orden gekommen: „Eine ganze Nacht lang gab es verschiedene Angebote, darunter Theater und Musik, aber auch Gebete“, erinnert sie sich. Dieses Erlebnis habe sie nachhaltig geprägt. Sie wurde Magdalenenschwester und arbeitete lange als Grundschullehrerin für den Orden. Ihre Fächer: Religion, Portugiesisch, Naturwissenschaften.
Lange Geschichte
„Es ist wichtig für uns, dass das Kloster und die Schule in Speyer bleiben“, betont Judite. Schwester Elisabeth drückt es bildreicher aus: Es handele sich um die „Wurzeln“ des Ordens – „und man kann den Baum doch nicht zwei Jahre vor unserem Jubiläum abhacken“. Die Vorbereitung des 800-jährigen Bestehens werde eine weitere Aufgabe für die neue Generalpriorin und ihre Mitschwestern sein. Die Gründung des Speyerer Klosters datiert im Jahr 1228, der Beginn der Mädchenerziehung durch Speyerer Dominikanerinnen im Jahr 1304. Von 1923 bis 1931 unterrichtete die inzwischen heiliggesprochene Edith Stein an den Schulen von St. Magdalena.
Den Betrieb ihrer beiden Edith-Stein-Schulen in Speyer haben die Schwestern 2010 abgegeben. 2013 gründeten sie eine Grundschule mit musikalischem Schwerpunkt auf ihrem Gelände, die nun erhalten werden soll. Es werden schon Anmeldungen für das Schuljahr 2027/28 angenommen. „Die Eltern sollen wissen, dass es weitergeht“, betont Schwester Elisabeth. Zusammen mit Elternvertretern und dem Förderverein sei beschlossen worden, dass künftig freiwillige Elternbeiträge erbeten werden. Wenn diese wie gewünscht eingehen, sehe es mit der dauerhaften Finanzierung der Sach- und Personalkosten gut aus. Es gebe eine empfohlene Summe, Eltern könnten aber auch darüber- oder daruntergehen. „Wir waren die einzige katholische Privatschule im Bistum, die noch kein freiwilliges Elterngeld erhoben hat“, so die Schwester.
Neue Nutzung denkbar
15 Schwestern zählt der Orden heute in Speyer, 58 in Südamerika. Vom Mutterhaus werden nur noch kleine Teile bewohnt. Einige Gebäudeteile, unter anderem denkmalgeschützt und aus dem 19. Jahrhundert, stehen schon länger leer. Der Unterhalt ist schwierig, Renovierungen stehen an. Auch damit waren 2025 Pläne für einen Umzug nach Südamerika und ins Institut St. Dominikus in Speyer begründet worden. Jetzt spricht Schwester Elisabeth hingegen von „vielen Ideen“, wie den Immobilien wieder Leben eingehaucht werden könnte. Sie kündigt Gespräche mit der Stadt und deren Bauamt darüber an, welche Nutzungen zulässig wären. Beispiele dafür könne sie noch nicht nennen, weil man keine Spekulationen wolle. Sie erinnert aber an die historische Nutzung als Schülerinnenwohnheim.
