Speyer „Jedes Mal etwas Anderes“
Im Stadtgebiet begibt sich die RHEINPFALZ in den Sommerferien auf die Suche nach Gesprächspartnern. Person: bis dato unbekannt. Thema: mal sehen. Gestern Vormittag hat Christian Berger am Parkplatz bei der Rheinhäuser Fähre Lili Steiger („55plus“) aus Dudenhofen getroffen.
Mindestens einmal in der Woche fahre ich mit dem Auto her, im Winter weniger. Seit 14 Tagen begleitet mich Pflegehündin Briska. Meinen Fotoapparat habe ich immer dabei. Was gefällt Ihnen am Auwald und nach welchen Foto-Motiven halten Sie Ausschau? Es ist jedes Mal etwas Anderes. Einmal entdecke ich eine Ringelnatter, ein anderes Mal einen Schillerfalter, wie heute Morgen. Auch den Silberreiher, die blauflügelige Ödlandschrecke und die grüne Strandschrecke – die steht auf der Roten Liste für gefährdete Tierarten – habe ich schon vor die Linse bekommen. Ich habe im Auwald aber auch ein Auge für besondere Pflanzen. Sie sind also mit dem Wald am Rhein rundum zufrieden? Nicht ganz. Die Waldwege werden so breit gemulcht, dass sie zweispurig sind. Dadurch verschwinden am Wegesrand wachsende Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen wie Brennnesseln und Knoblauchsrauke. Deshalb gibt es weniger Schmetterlinge. Mein Vorschlag ist, in einem Jahr den linken, im anderen den rechten Rand zu mulchen. Woher kommt Ihre Faszination für seltene Tier- und Pflanzenarten? Ich bin schon seit meiner Schulzeit sehr an Biologie interessiert. Seit dem Tod meines Mannes vor acht Jahren habe ich mehr Zeit für die kleinen Sachen, die mich beschäftigen. Dadurch begann ich auch mit dem Fotografieren. Ich habe sogar einmal an einem Wettbewerb in der RHEINPFALZ unter dem Motto „Was flattert da?“ teilgenommen. Dadurch bin ich vor etwa drei Jahren Artenfinderin geworden. Oliver Röller, der Geschäftsführer des Naturschutzverbands Pollichia, hat mir die dafür nötigen Computertechniken beigebracht. Seitdem melde ich meine Entdeckungen. Nutzen Sie die Rheinfähre? Ich brauche sie nicht, da ich immer zu Fuß unterwegs bin. Um etwas zu entdecken, muss ich langsam sein. Haben Sie vom Naturwald-Beschluss des Stadtrates gehört? Nein, bisher noch nicht. Was ist geplant? Für die nächsten zehn Jahre wurde der städtische Auwald aus der forstlichen Nutzung genommen. Wo darf ich überall nicht mehr hin? Die Hauptwege sollen erhalten bleiben, wenige Nebenwege verschwinden. Auch ein Lehrpfad soll eingerichtet werden. Welche Wege wegfallen und wo der Lehrpfad genau hinkommen soll, muss der Stadtrat noch entscheiden. Spaziergänger sollen aber nach wie vor in den Wald hinein dürfen. Ich finde es gut, dass die Natur in bestimmten Bereichen ihre Ruhe bekommen soll. Aber ausgesperrt werden will ich nicht.