Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Jazz mit Nicole Johänntgen

Spielt in Waldsee: Nicole Johänntgen.
Spielt in Waldsee: Nicole Johänntgen.

Die Saxofonistin Nicole Johänntgen spielt mit ihrer Band „Henry“ am Freitag in der Kulturhalle in Waldsee. Mit derJazz-Musikerin sprach unsere Mitarbeiterin Andrea Dölle.

Nicole, was erwartet die Waldseer Konzertbesucher am Freitag?
Eine geballte Ladung Energie, wie sie nur ein Live-Konzert vermitteln kann, jede Menge positive Vibes. Was diese Musik vermitteln kann, das ist pure Magie, ich weiß kein anderes Wort dafür. Die Leute sollen wirklich was mitnehmen, sollen fröhlich und mit guter Laune nach Hause gehen.

Deine Band „Henry“ besteht vor allem aus Bläsern?
Ja, dazu gehören neben mir, meistens mit dem Altsaxophon, Mark Roos, Posaune, Victor Hege, Sousaphon, und Lukas Mantel mit dem Schlagzeug.

Das klingt nach New-Orleans-Jazz.
Ja, ich habe eine Liebe dafür, aber wir lassen uns nicht gerne in eine Schublade stecken. Da ist soviel mehr an Einflüssen drin, Swing, Pop, osteuropäische Musik, Folklore, auch Trance – jeder kann darin was finden, was ihn anspricht. Henry, das ist eigentlich ein Spiegelbild dessen, womit ich aufgewachsen bin. Mit dem New-Orleans-Jazz war das so: Als ich in New York lebte, wollte ich unbedingt auch nach New Orleans, und ich schaffte es 2016. Diese Stadt ist unglaublich, so voller Musik. Das fing schon bei meiner Ankunft am Flughafen an und war so bis zur letzten Minute. Ich habe dort dann auch eine CD aufgenommen, das ist meine Art von Erinnerung. Ich wollte kein gekauftes Souvenir mit nach Hause nehmen,sondern etwas, was mich mit dieser Musik verband.. Die Stücke hatte ich vorher schon komponiert, alle Melodien sind vom mir, aber der Groove ist New Orleans. Es war, als hätte das auf mich gewartet.

Henry, woher kommt der Name?
Mein Vater heißt Heinrich, wurde aber von jedem Henry genannt. Er war Schlossermeister, und er war begeisterter Musiker, spielte vor allem Posaune. Morgens, ehe er zur Arbeit aufbrach, holte er sein Saxofon raus und spielte ein wenig. Diesen Klang seines Saxophons habe ich immer im Ohr. Auch meinem Bruder geht es so, auch er ist Musiker geworden, er spielt Keyboard. Unsere Mutter spielt zwar kein Instrument, aber sie sang oft dazu. Sie ist ebenfalls sehr musikalisch. So kam der Bandname zustande, als Reminiszenz an meinen Vater und Erinnerung daran, wie ich aufgewachsen bin. Die allerersten Auftritte, noch als halbes Kind, hatte ich mit der Tanzkapelle meines Vaters. Später gründete ich mit meinem Bruder und ein paar anderen meine eigene Band. Den Namen haben wir ein paarmal geändert, nachdem wir uns immer mehr so vielen verschiedenen Einflüssen geöffnet haben. Jazz, da haben viele Leute erstmal eine Abneigung, weil sie an diese sehr komplizierte Musik des Free Jazz denken. Es geht aber auch ganz anders, viel eingängiger und beseelter. Ich wünsche mir, dass Leute rausgehen und sagen: Wenn das jetzt Jazz war, gehe ich öfter zu solchen Konzerten.

Und weshalb ausgerechnet in Waldsee, das bisher nicht gerade als Jazz-Hotspot aufgefallen ist?
Das war die Idee von Georg Spindler, den ich als Kulturredakteur des „Mannheimer Morgen“ seit meiner Zeit in Mannheim kenne.

Du hast noch eine andere Leidenschaft: Du willst gerade Frauen im Jazz helfen.
Ja, wenn man sich auf Festivals und in der Konzert-Szene umschaut, trifft man kaum Frauen als Leader von Bands an. Ich selber hatte damals viel Unterstützung von der Hochschule, das will ich an andere Musikerinnen weitergeben. Im Jahr 2003 kam ich nach Amerika als einzige europäische Musikerin. Da gab es Workshops nicht nur für Musik, sondern auch für die so wichtigen praktischen Sachen, für Vermarktung etwa, das ganze Musik-Business. Das weiß man ja als Musikerin nicht unbedingt.Das Ganze hieß „Sisters in Jazz“, und konnte später wegen finanzieller Probleme nicht fortgeführt werden. Aber ich wollte unbedingt etwas für Musikerinnen machen. So habe ich das Projekt S.O.F.I.A (Support of female improvising Artists), ein internationales Pionierprojekt gestartet. Es gibt auch eine Platform zur Vernetzung von Musikerinnen mit anderen, mit Plattenlabels, Agenturen und mehr.

Du machst alles selber?
Ja. Die Fotos macht aber mein Mann.

Du hast einen zweijährigen Sohn.
Wie schaffst du das alles?Ich habe nicht nur die Unterstützung meines sehr „emanzipierten“ Mannes, sondern auch ein Netzwerk von Familie und Freunden. Auch das, die Schaffung dieses Netzwerks, gehört zum Unterstützungsprogramm. Außerdem: Wir Jazzmusikerinnen sind Improvisation gewöhnt, das gehört zur Musik und ist übertragbar aufs Leben. Kein Tag ist wie der andere, das Meiste nicht vorhersehbar.

Zur Person

Nicole Johänntgen wurde 1981 im Saarland geboren, und studierte in Mannheim und New York. Ihr Instrument ist das Sopran- und Altsaxophon, außerdem komponiert sie. Sie lebt mit ihrer Familie in Zürich. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, hat inzwischen 25 CDs aufgenommen, von denen eine, aufgenommen auf dem St. Gotthard in der Kapelle, derzeit in Japan zur prime time im Radio rauf und runter gespielt wird. „Ich bin ganz baff“, meinte sie im Interview. Mit ihrer Band „Henry“ wird sie am Freitag, 21. Oktober, in der Kulturhalle Waldsee spielen. Karten zu 18 Euro gibt es im Rathaus Waldsee unter Telefon 06236 4182103 oder E-Mail Brigitte.Domke@vg-rheinauen.de.

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