Speyer
Japan in all seinen Facetten
Die erste große Convention – neudeutsch für Zusammenkunft – für Japan-Freunde in der Stadt steht unter dem Motto „Tradition trifft Moderne“, wie Tomoko Moser sagt. Die Vorsitzende von „Kopf hoch, Japan!“ stammt aus der japanischen Millionenstadt Sendai, die etwas über 50 Kilometer von Fukushima entfernt liegt, dem Ort des schweren Erdbebens, der Flutwelle und des Atomreaktorunglücks von 2011. „Japan ist das Land der Gegensätze“, sagt sie, was sich auch bei der „NonkiCon“ widerspiegeln soll.
Liebhaber traditioneller Künste wie Kalligraphie (Schönschrift), Ikebana (Blumenstecken) und Budo (Kampfkünste) sowie Fans moderner kultureller Strömungen wie Manga (Comics), Anime (Zeichentrickfilme) und Video-Spielen sollen sich bei der „NonkiCon“ nicht nur tolerieren, betont Martin Moser, stellvertretender Vereinsvorsitzender und Ehemann von Tomoko. Die Japanophilen sollen bei der Convention auch die Reize der jeweils anderen Welt kennenlernen und sich für sie begeistern können, erklärt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
In allen Räumen Programm
Außer der Stadthalle hat der Verein die angrenzende Außenstelle der Volkshochschule angemietet. In den Räumen dort werden Workshops angeboten. Kalligraphie, Onigiri (Reiskloß-Zubereitung), Ikebana und Aikido – auf diesen Gebieten kann man sich in Theorie und Praxis ausprobieren, und weitere sollen hinzukommen, sagt Tomoko Moser. In der Stadthalle finden Stände von Händlern Platz und dort gibt es auch ein Bühnenprogramm, wie Marie Walburg vom achtköpfigen Organisationsteam für die „NonkiCon“ mitteilt.
Brezel im Haar
Den Schweizer Comedian Shinji Schneider kündigt Walburg als Stargast auf der Bühne im großen Saal der Stadthalle an. Der Spaßmacher ist auch schon bei der Düsseldorfer Japan-Convention DoKomi aufgetreten. Es ist eines der größten Festivals seiner Art in Deutschland und Vorbild für die Speyerer „NonkiCon“, wie Martin Moser informiert. Er gehört ebenso zum Organisationsteam wie seine Frau und Marie Walburg, Bianca Müller, Lena Kölsch, Vera Sturm, Patrick Hoffmann sowie Martin Krause. „Die Zusammenarbeit macht richtig Spaß, alle sind sehr professionell“, sagt er.
Vorverkauf läuft
Bianca Müller ist für die Finanzen zuständig; dazu zählt der Ticketverkauf. „Für den Vorverkauf nutzen wir das Pretix-System“, informiert sie. Auf der Webseite zum Festival können die Karten zum Preis von 15 Euro für den Samstag (10 bis 20 Uhr), 13 Euro für den Sonntag (10 bis 18 Uhr) und 22 Euro fürs Wochenende erworben werden, teilt Martin Moser mit. Kinder bis zwölf Jahre zahlen in Begleitung eines Erwachsenen keinen Eintritt. Karten gibt es auch an der Tageskasse.
Den Webauftritt des Vereins hat Patrick Hoffmann gestaltet und er betreut ihn auch. Für den Bereich Kunst ist Lena Kölsch zuständig. Sie hat für die „NonkiCon“ quasi als Symbol ein Mädchen im Manga-Stil gezeichnet: mit Brezeln im Haar und auf einem Fächer, mit Videospiel-Controller in einer Hand und halb in einen Kimono gewandet, halb mit einem Shirt bekleidet. Vera Sturm ist Ansprechpartnerin für Händler. Martin Krause, Leiter Non-Food bei einem Speyerer Einzelhandels-Vollsortimenter, kümmert sich ums Kaufmännische.
Erfolgreicher Probelauf 2019
Der Erfolg einer „Mini J-Con“ im März 2019 in der Villa Ecarius hat die Vereinsmitglieder laut Tomoko Moser dazu ermutigt, den nächsten Schritt mit einer großen Convention zu gehen. Eine kaufmännische Machbarkeitsstudie durch Martin Krause ergab laut Martin Moser gute Erfolgsaussichten für eine solche Veranstaltung bei vergleichsweise geringen Eintrittspreisen. Der Münchner Verein Animexx unterstützt „Kopf hoch, Japan!“ bei der Organisation mit seiner langjährigen Erfahrung.
Zu den Kooperationspartnern des „NonkiCon“-Veranstalters zählen laut Tomoko Moser die Stadt Speyer, die Volkshochschule, das Judomaxx, Animexx und der Verband Deutsch-Japanischer Gesellschaften. Sponsoren sind unter anderen das Theaterhaus Speyer, das zum Festival mehrere Animes zeigen will, BMW Cuntz und das Edeka-Center Speyer. Schirmherrin ist Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Voraussichtlich Ende März soll es eine Veranstaltungsbroschüre geben. Nonki heißt auf Deutsch übrigens so viel wie sorgenfrei oder unbekümmert.
Im Netz
RHEINPFALZ-Kommentar von Christian Berger
Bei der „NonkiCon“ Ende Juni ist nicht allein das traditionelle Japan mit seiner vielfältigen Kultur zu erleben. In der Stadthalle werden weitere fremde Welten zu Gast sein: Figuren aus modernen Comics (Mangas) oder Zeichentrickfilmen (Animes) mit meist großen runden Augen, von irdischer oder außerirdischer Herkunft. Die friedliche Koexistenz oder leben und leben lassen der ganz unterschiedlichen Wesen und Persönlichkeiten zeichnen solche Conventions aus. Die Offenheit gegenüber Fremdem, Andersartigem bereichert auch unsere Kultur. Vorurteile und Abschottung haben sich in der Geschichte früher oder später noch immer als Sackgasse erwiesen. Speyer kennt das Problem nicht: Im vorigen Jahr führte erstmals eine Bürgerreise nach Japan. In China und vielen anderen Ländern gibt es schon Partnerstädte.