Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Jacques Stotzem beim Gitarrensommer

In Speyer: Jacques Stotzem mit seiner Martin-Gitarre.
In Speyer: Jacques Stotzem mit seiner Martin-Gitarre.

„Jimi Hendrix – akustisch, mit Brille und ohne Haare, geht gar nicht“, habe jemand unter seine Version von „Purple Haze“ geschrieben. Fingerstyle-Zauberer Jacques Stotzem spielt das trotzdem – auch jetzt in Speyer beim Gitarrensommer.

Jacques Stotzem ist seit vielen Jahren immer wieder Gast beim Speyerer Gitarrensommer. Und jedes Mal kommen eine Menge Fans zu dem belgischen Akustik-Gitarristen. Wer ihn über längere Zeit verfolgt hat, wird merken: Sein Stil hat sich verändert. Das konnte man auch in Speyer feststellen, denn Stotzem spielte neben seinen neuen Sachen auch einige Kompositionen, die mehr als 20 Jahre alt sind. Schwerpunkt seines Programms war sein neues Album, das gerade erschienene „Histoires sans Mots“.

„Geschichten ohne Worte“, so der Titel des Albums, sind eine Spezialität des Belgiers. „Ich habe viel Filmmusik gemacht, aber für Filme, die es noch nicht gibt“, sagte er den Speyerer Zuhörern. Und das macht er schon lange. Ein schönes Beispiel aus seinen frühen Jahren ist „Sur Vesdre“ aus dem Jahr 2002. Es ein sehr atmosphärisches Stück, benannt nach dem Fluss, an dem sein Heimatort Verviers liegt, wo er 1959 geboren wurde. Das Werk zeigt auch sehr schön seinen Stil aus jener Zeit. Eine erzählende, melodische Linie schwebt über einem Kontrapunkt, Akkorde setzt Stotzem sparsam dazu, alles klingt transparent und luftig. „Das Stück habe ich schon jedes Mal in Speyer gespielt“, sagt er.

Volle Akkorde

Einen echten Karrieresprung machte Stotzem, als er dann Rock-Klassiker auf die akustische Gitarre übertrug. „Catch the Spirit“, hieß das Album, das 2009 enorm erfolgreich wurde. Stotzem bekennt sich als Fan von Rory Gallagher und Jimi Hendrix. Insbesondere bei Hendrix ist es gerade der elektrische Sound, das Zusammenspiel von Gitarre, übersteuertem Verstärker und enormer, Rückkopplungen erzeugender Lautstärke, was den typischen Sound und Stil ergibt. Und in Speyer hat Stotzem sich „Purple Haze“ vorgenommen. Das auf eine „pur“ akustische Gitarre zu übertragen, ist schon mutig. Das geht dann auch nicht mehr mit gepflegtem Zupfen, da haut Stotzem schon ganz ordentlich in die Saiten. Vor allem schlägt er da volle Akkorde an und fetzt rhythmisch. „Es ist eine andere Interpretation eines Klassikers“, sagt er und erzählt schmunzelnd vom Kommentator auf Youtube, der Brille und Glatze für disqualifizierend hält. Aber den „Spirit“ des Stücks hat Stotzem auf seine ganz eigene Art doch eingefangen – auch wenn er nicht wie ein Rock-Gott der 70er aussieht.

Stotzem ist musikalisch sehr aufgeschlossen und das spiegelt sich in seiner Musik: Als er ein Duo der Jazzgitarristen Pat Metheny und John Scofield hört, inspiriert ihn das zu einer jazzigen Komposition. Er liebt die französische Musette, ein Walzer Stil, typischerweise auf dem Akkordeon gespielt, und widmet dem „Spatz von Paris“ Edith Piaf ein Stück in diesem Stil. In einem Gedankenexperiment lässt er die amerikanischen Country-Picker Chet Atkins und Merle Travis mit dem belgischen Gipsy-Jazz Erfinder Django Reinhard zusammentreffen. „Sie spielten gleichzeitig diesseits und jenseits des Atlantiks, sind sich aber nie begegnet“, erklärt Stotzem, als er sein Stück „Gipsy Cowboy“ ankündigt. Da wechselt er zwischen der „Pompe Manouche“, dem typisch swingenden Akkordstil des Gipsy Jazz und dem „Boom-Chick“, dem Wechselbass-Akkord Rhythmus des Country Stils.

In Standard-Stimmung

Bemerkenswert ist, dass Stotzem fast ausschließlich in Standard-Stimmung spielt. Nur gelegentlich stimmt er mal die tiefe E-Saite auf D herunter. Das ist für Fingerpicker eher ungewöhnlich. Um so beeindruckender ist, was Stotzem mit einer „normalen“ Gitarrenstimmung an Klängen erzeugt. Wie immer bei seinen Besuchen in Speyer begeisterte er die Zuhörer und auch dieses Mal kam er nicht ohne zwei Zugaben von der Bühne.

x