RÖMERBERG
Interview: Ex-Fußballer Albert Zimpelmann vom FV Berghausen
Haben derartige verbale Angriffe an Schärfe zugenommen oder war das schon immer so, und hat Dudenhofens Angriffsspitze einfach nur überreagiert?
Mit dem früheren Mittelstürmer und Torjäger des FV Berghausen, Albert Zimpelmann (79), fand die RHEINPFALZ einen Gesprächspartner, der sich den Fragen stellte und über seine Erfahrungen berichtete.
Halten Sie den Gefühlsausbruch Scharfenbergers für gerechtfertigt?
Ich habe das Spiel und das gesamte Geschehen zwar nicht selbst gesehen. Was ich aber den sozialen Medien und den Äußerungen Julians entnehme, gingen die Beschimpfungen gewaltig unter die Gürtellinie. Hurensohn und ähnliche verbale Entgleisungen haben auf unseren Fußballplätzen nichts zu suchen und sind auf keinen Fall zu akzeptieren, weshalb ich seine Reaktion absolut nachvollziehen kann. Das hat mit fairem Sport überhaupt nichts mehr zu tun.
Hat er die Trierer Schlachtenbummler bei seiner Auswechslung provoziert und auf die Palme gebracht?
Es ist heute an der Tagesordnung, dass Trainer, deren Mannschaften etwas zu verteidigen haben, kurz vor Schluss taktische Auswechslungen vornehmen, um Zeit zu gewinnen. Dies gehört heute international und auch in unseren Spitzenligen einfach dazu. Julian hat sich wohl nicht sonderlich beeilt, was aber derart üble Entgleisungen keineswegs rechtfertigt.
Haben Sie ähnliche Situationen auch schon bei Spielen des FVB erlebt?
Ganz selten zwar, aber auch bei unseren Spielen hab’ ich so was allerdings in abgeschwächter Form leider auch schon erlebt. Oftmals waren die Entgleisungen aber auf unkluges, provokatives Verhalten von Spielern zurückzuführen.
Gab es zu Ihrer Zeit auch schon derartige Beschimpfungen? Sie haben ja praktisch die gleiche Position gespielt?
Man muss da unterscheiden zwischen Zuschauern und Gegenspielern.
Und wie verhielten sich die Zuschauer?
Von kleinen Sticheleien abgesehen habe ich üble Beschimpfungen glücklicherweise nie erlebt. Manchmal war ich durch mein Verhalten auch nicht ganz unschuldig.
Und die Gegenspieler?
Noch heute habe ich bei gelegentlichen Zusammentreffen zu all meinen früheren Gegenspielern ein angenehmes, freundschaftliches Verhältnis. An richtiggehend beleidigende verbale Auseinandersetzungen kann ich mich nicht erinnern. Allenfalls so kleine Einschüchterungsversuche wie du kannscht doch nix oder heit schießt du kä Tor musste ich mir anhören. Wie jeder Mittelstürmer bin auch ich hart attackiert worden, was aber einfach normal war und dazugehörte. Von wenigen Ausnahmen abgesehen verliefen die Zweikämpfe fair. Natürlich wusste ich mich auch zu wehren.
Gab es auch negative Erlebnisse?
Eigentlich erinnere ich mich nur an ein gravierend negatives Erlebnis, als ich in einem für beide Seiten sehr wichtigen Spiel in der ersten Hälfte mit viel Freiraum zwei Tore zu unserer 2:0-Führung erzielte und in der zweiten Halbzeit total unterging, weil mir mein Gegenspieler auf Schritt und Tritt folgte und mir permanent die Achillessehne polierte. Doch heute ist das auch vergessen.
Heute sehen wir ständige Reklamationen von Spielern und Trainern bei allen möglichen Schiedsrichterentscheidungen. Wie haben Sie das früher erlebt?
Klar, wie die Spieler machen auch die Schiris Fehler. Auch wir haben früher schon mal reklamiert. Aber der Respekt war wesentlich größer. So, wie man heute mit ihnen umspringt, sind sie die ärmsten Schweine auf dem Spielfeld. Was sie sich an Unverschämtheiten gefallen lassen müssen, hat mit sportlicher Fairness nichts mehr zu tun.
Was würden Sie tun, um dies zu unterbinden?
Bei nachhaltigem Reklamieren sollte man die Gelbe Karte zeigen und wenn’s trotzdem nicht aufhört, die Rote. Wie beim Handball würde ich mir wünschen, dass es nach dem Pfiff ohne überflüssige und zeitraubende Diskussionen sofort weitergeht.
Weg vom Fußball, wie verbringen Sie die Zeit bei der jetzigen Coronakrise?
Mit Arbeiten an Haus, Hof und Garten sowie Radeln, Spazierengehen und verstärkt Fernsehen.
Zur Person
Albert Zimpelmann ist im Jahr 1940 in Speyer geboren und lebt seit Geburt in Berghausen. Er ist verheiratet, hat eine Tochter und einen Sohn sowie vier Enkel. Der Ruheständler arbeitete bis zu seiner Pensionierung bei der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung in Speyer.
Bereits mit neun schnürte er erstmals die Fußballstiefel und rückte mit 18 in die erste Mannschaft des FV Berghausen auf. Zimpelmann galt zu seiner Zeit als leichtfüßiger, technisch versierter und torgefährlicher Mittelstürmer. Am Aufstieg seines Vereins in die Zweite Amateurliga im Jahr 1961 besaß er wesentlichen Anteil.
Verlockerungen widerstanden
Trotz verlockender Angebote, unter anderem durch den damaligen Zweitligisten FV Speyer, ist er seinen Roten stets treu geblieben. Von 1958 bis 1991 war das heutige Ehrenmitglied in verschiedenen Funktionen für den FVB im Einsatz, davon die letzten fünf Jahre als Vorsitzender. Sohn Andreas trat in seine Fußstapfen und führt seit 2001 mit Erfolg den Verein.
Auch heute noch interessiert sich der Hobbywinzer für das Vereinsgeschehen, besucht regelmäßig die Heimspiele und bringt sich mit unterschiedlichen Tätigkeiten ein. Zu seinen Hobbys zählen sein Garten, regelmäßige Radtouren im Freundeskreis und Skifahren, soweit ihm die kleinen körperlichen Einschränkungen dies noch erlauben.