Speyer Interessante Kontraste
Dirndl gegen Bikerboots, Maßkrug gegen Dödelrö, Haxe gegen Rollbraten – interessante Kontraste haben sich aufgetan auf dem Heiligensteiner Frühlingsfest am Samstagabend. Beim Pfälzerwald-Verein spielt der Musikverein Berghausen zünftige Weisen, beim TuS Heiligenstein setzen „Huntingfox“ auf Rock satt. Von allem ein bisschen und für jeden etwas – so läuft`s bei der Feier in der Hohl.
Kein Hako-Rennen – dann muss was anderes her. Das war den Pfälzerwäldlern sofort klar, wie der Vorsitzende Thomas Jester-Zürker berichtet. Mit Lodenhut und Holzfällerhemd steht er auf der regengetränkten Wiese des Vereinsgeländes und lehnt an einem der beschirmten Stehtische. Das Nass von oben hat sich erledigt. Gott sei Dank. Die Leute sind da. Auch beim TuS haben sich die Biertischgarnituren bestens gefüllt, während die Live-Band „Huntingfox“ aufbaut. Seit acht Jahren gibt es die ursprünglich reine Heiligensteiner Formation. Mittlerweile stammt der Schlagzeuger aus Speyer, eine Sängerin aus Germersheim. Der erste Soundcheck startet, während die Berghausener Instrumentalisten Bayernrock Marke „Voxxclubb“ auflegen. „Ich bin begeistert, wie gut die Resonanz ist“, sagt Jester-Zürker und meint es ehrlich. Kann er auch, denn eine große Masse trotzt der wechselhaften Witterung. Nur eines bedauert er: „Ein paar Dirndl und Lederhosen mehr hätte ich mir schon gewünscht.“ Platzwart Lorenz Sternberger geht mit gutem Beispiel voran. „Das ist die Hose von meinem älteren Bruder, die ich schon in der achten Klasse anhatte. Jetzt passt sie wieder“, erzählt er lachend. Skeptisch ist der Platzwart gewesen, ob`s hinhaut mit dem bayerischen Abend. Zufrieden ist er nun: „Ich würde sagen, der Abend ist gelungen.“ Das zeigt auch der Speisenabsatz. Landestypisches ergänzt das „Übliche“. Haxe beispielsweise. „Die hab ich selbst noch nie gegessen“, gibt Jester-Zürker zu. Andere dafür umso mehr, wie seine Frau Sabine bilanziert. Die hat auch aufs Dirndl verzichtet. „Weil ich mir die Beine nicht von den Schnaken verstechen lassen wollte“, lautet ihre einleuchtende Begründung. Kreativ ist die Alternative: eine Schürze mit Dirndl-Aufdruck. Beim TuS setzt man auf sportlich-schick. Das Publikum ist so bunt gemischt wie beim PWV. Eines der wenigen Dirndl verirrt sich dennoch nicht dorthin. Dafür sind Jeans und Leder – auf den Schultern, an den Füßen oder Minimum als Handtasche – angesagt. Während „Franz“ beim PWV musikalisch auf der „Vogelwiese“ wandert, sitzen die Musiker beim TuS mittlerweile nicht weniger musikalisch in der Falle. „We`re caught in a trap“ – ein Elvis Presley-Klassiker, der mitwippen lässt. Zurück beim PWV. Hubert Madl ist ein waschechter Bayer und seit 1973 in Berghausen daheim. „Das ist ein tolles Ereignis“, betont er. Dass das Wetter nicht mitmacht, könne nur an einem liegen: „Die trinken nicht genug. In Bayern ist`s immer schöner.“ Madl macht vor wie`s geht: Der Maßkrug steht vor ihm auf dem Tisch. Auch wenn nur „eine Halbe“ drin ist – das Gefäß muss sein. Ihm gegenüber sitzt Michèl Gagné, ein Franzose, der seit sechs Jahren in Berghausen wohnt und über das Militär in Speyer in die Pfalz kam. „Traditionen müssen aufrecht erhalten werden“, befürwortet er den Abend. Gagné trägt „das Gewand“ von Madls verstorbenem Bruder. Die Krachlederne, sagt er, harmoniere optimal mit seinem Fahrradsattel. Harmonie pur herrscht auch beim TuS. Sanftmütig schmiegen sich Pärchen aneinander bei Sades „Smooth Operator“ aus dem Jahr 1984. Unvergessen und 2016 noch ebenso beliebt. Vereinschef Christian Theysohn atmet auf. „Es ist sehr schön, dass wir das noch erleben dürfen“, sagt er und meint damit nichts anderes als die trockene Phase beim Frühlingsfest. Der Freitag ist schlecht gelaufen. Der Samstag dagegen zeigt, dass „Huntingfox“ zum Fixpunkt bei den Besuchern geworden ist. Seit vielen Jahren spielt die Band an dem Abend beim TuS. Der Musikverein Berghausen hat mittlerweile angefangen einzupacken. „Huntingfox“ packt jetzt erst richtig aus: Status Quo, Beatles, Klaus Lage, REM, Billy Idol, Adele - die ganze Palette. (xsm)