Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Inspeyered wirbt mit Parking Day für mehr politischen Mut

Königsplatz als Speise- und Spielfläche: gut besuchter Parking Day.
Königsplatz als Speise- und Spielfläche: gut besuchter Parking Day.

Ein Publikum mit auffallend jungem Schwerpunkt genoss am Freitag bis in den Abend hinein den Parking Day auf dem Königsplatz. Einige Autofahrer hatten weniger Freude daran.

Der Königsplatz wird einen Tag lang als Parkplatz gesperrt und zum Spielen, Speisen und Plaudern freigegeben – mit diesem Konzept hat der Verein Inspeyered am Freitag viele überzeugt. Der Speyerer Beitrag zum internationalen Parking Day war gut besucht, wenn auch zeitweise nicht ganz so viele da waren wie im Vorjahr. „Es hat sich verselbständigt“, zeigte sich Inspeyered-Organisatorin Sophie Etzkorn erfreut über den immer stärkeren Zustrom am Nachmittag. Für den Abend mit Livemusik von Valentin Schall erwartete sie nochmals mehr Teilnehmer.

„Wir wollen mit dem Tag eine Diskussion anstoßen“, beschrieb Etzkorn die Motivation des Vereins. Er hatte jeweils rund zehn Helfer vor Ort und schon im Vorfeld einigen Aufwand betrieben, um Kooperationspartner zu gewinnen. Das fruchtete mit Yoga-, Tanz- und Turnstunden, die auf dem Platz angeboten wurden. Und es schmeckte am Eis- und Kaffeemobil oder mit den eigens aufgelegten To-go-Angeboten der Lokale „Sole d’oro“ und „Eulenspiegel“. „Auch die umliegende Gastronomie unterstützt uns. Das zeigt, dass Gedeih und Verderb der Stadt nicht an den Parkplätzen hier hängen“, so Etzkorn.

Positive Rückmeldungen

„Ich habe bis jetzt nur positive Kommentare gehört“, sagte Erik Thuro, einer der weiteren Organisatoren von Inspeyered. Er habe sich etwa über die ältere Passantin gefreut, die ihm vom autofreien Königsplatz ihrer Kindheit erzählt habe. Sie habe dort Fahrrad fahren gelernt. Dass auch im Jahr 2025 die Fortbewegung auf kindgerechten Zweirädern aller Art noch beliebt ist, bewies wiederum der Parking Day. Minigolf, Tischtennis, eine Posterwerkstatt, eine Postkarten-Aktion, Lesen in einer gemütlichen Schmöker-Ecke und viele Spielmöglichkeiten gehörten zu den weiteren Angeboten.

Weniger begeistert über die Aktion waren die Fahrer der Autos, die die Sperrung des Platzes ab 12 Uhr missachtet hatten. Rund 20 der rund 50 Plätze seien zu diesem Zeitpunkt noch belegt gewesen, bedauerte Etzkorn. Sie seien erst nach und nach weggefahren, der letzte Wagen gegen 15 Uhr. Sie hätten Knöllchen erhalten, seien aber nicht abgeschleppt worden. Auch wenn ein Ordnungsamt-Mitarbeiter am Eingang den ganzen Nachmittag über immer wieder unwissende Fahrer abweisen mussten, die schon den Blinker zum Einbiegen auf den Königsplatz gesetzt hatten: Es blieb alles friedlich.

Ziel: lebendige Innenstadt

Inspeyered machte zum sechsten Mal beim Parking Day mit und fällte auch diesmal ein eindeutiges Urteil: „Wir würden uns ein bisschen mehr Mut wünschen“, so Etzkorn. Sie vermisse politischen Einsatz für ein Experiment, zumindest zeitweise auf die bestens gelegene Fläche oder Teile davon als Parkplatz zu verzichten. Eine lebendige Innenstadt sei von mehr als Parkraum abhängig. Ihr Eindruck sei jedoch, dass allzu oft in Speyer der Status quo als „unverhandelbar“ dargestellt werde. Für den Verein sei klar, dass eine Verkehrswende nötig ist. „Über das Wie darf gerne diskutiert werden.“

In eine Diskussion stiegen auch die Vereinsvertreter Peter Bauer (Zukunftsquartier) und Helmut Back (Pfälzerwald-Verein) als Parking-Day-Besucher ein. „Der Königsplatz müsste mehr sein als ein Parkplatz“, betonte Bauer. Die Männer rückten dabei an den schattigen Rand der Freifläche, was laut Etzkorn immer wieder zu beobachten war: „Ohne Sonnenschutz ist es fast nicht auszuhalten. Das zeigt ein weiteres Problem des Platzes.“

Am Rande des Parking Days: politische Botschaften.
Am Rande des Parking Days: politische Botschaften.
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