Vorderpfalz
Impfen, Masken, Coronatests: Das raten die Ärzte
Herbstzeit ist Infektzeit – wie sieht es in den Arztpraxen und Krankenhäusern der Region aus?
„Corona ist wieder im Kommen“, sagt Andreas Werling, hausärztlicher Internist mit Praxis in Ludwigshafen und Vorstandsmitglied in der Gesundheitsorganisation Ludwigshafen (Go-Lu). Er habe regelmäßig Erkrankte, vor allem jüngere Leute ohne schwere Symptome („eher wie ein grippaler Infekt“). Lothar Maurer, Kinderarzt in Frankenthal, hat bei seinen Patienten Buch geführt: Unter 89 Abstrichen bei Verdachtsfällen seien zuletzt 15 Corona-Fälle und ein Grippe (Influenza)-Fall gewesen. „Im Sommer war es in dieser Hinsicht sehr ruhig, jetzt fängt die Praxis wieder an, sich zu füllen“, sagt er. Bei schlimmeren Verläufen – vor allem bei älteren Patienten – gibt es auch schon wieder Klinikaufenthalte. Im St.-Vincentius-Krankenhaus Speyer sind es laut dem Ärztlichen Direktor Oliver Niederer bislang „wenige einzelne Fälle“.
Welche Entwicklung bei den Covid-Fällen erwarten die Experten im Winterhalbjahr 2023/24?
Hausarzt Andreas Werling tut sich mit einer Prognose schwer: Das Virus habe schließlich mehrfach überrascht. Auch Kinderarzt Lothar Maurer weist darauf hin, betont aber die inzwischen durch Impfungen und Infekte gute Grundimmunisierung, die im Fall einer Erkrankung zumindest bei seinen jungen Patienten fast immer für milde Verläufe sorge. Patienten mit Risiken für einen schweren Verlauf gerade über 60 Jahre rät er indes zur Einnahme des Medikaments Paxlovid, das in einer frühen Phase die Vermehrung der Viren stoppe. Am Speyerer „Vincenz“ lautet die Bewertung von Cornelia Leszinski, Chefärztin und medizinische Fachberaterin der Stadt, dass wegen des Immunschutzes innerhalb der Bevölkerung „schwere Infektionswellen mit drastischen Anstiegen der Krankenzahlen eher nicht mehr zu erwarten sind“.
Und wie sieht es mit dem Grippevirus aus?
Hier sind die Mediziner etwas besorgter. „Bei der Virusgrippe liegt im Vergleich zu der Zeit vor 2020 aufgrund der Schutzmaßnahmen in den letzten Wintern eher eine verminderte Immunität der Bevölkerung vor, so dass hier möglicherweise eine höhere Anzahl auch an schwereren Infektion zu erwarten ist“, sagt Chefärztin Leszinski. Ihre Kollegen stützen diese Einschätzung. Werling erwartet die meisten Fälle in seiner Ludwigshafener Praxis aber erst im Februar und März. Kinderarzt Maurer verweist auf die Zahlen aus Australien, wo die „Saison“ ein halbes Jahr vorgezogen sei: „Von dort werden eher schwere Influenza-Verläufe vermeldet, auch bei Patienten unter 14 Jahren.“ Leszinski weist noch darauf hin, dass es auch viele Atemwegserkrankungen mit anderen Ursachen gibt. Tendenziell sieht sie dabei eine Zunahme in den Wintermonaten und nennt auch eine mögliche Hauptursache: „unsere veränderte Lebensweise“. Leszinski: „Wir halten uns mehr in Innenräumen und weniger im Freien auf, wo die Ansteckungsgefahr deutlich geringer ist. Man vermutet auch aufgrund der kälteren Temperaturen und verminderten Durchblutung eine geringere Abwehrkraft vor allem der Nasenschleimhaut, über die diese Erreger ja hauptsächlich in den Körper eindringen.“
Impfen oder nicht?
Die Mediziner impfen gegen Corona sowie die Virusgrippe und raten dazu auch in vielen Fällen. In Andreas Werlings Praxis sei die Grippe-Impfung ein „Selbstläufer“, berichtet er. Gegen den Corona-Schutz aus der Spritze spüre er mehr Vorbehalte, aber auch diese Kampagne sei in den vergangenen drei Wochen gut angelaufen. Kinderarzt Maurer rät zur Grippeimpfung ab sechs Monaten, wobei für Kinder das Argument eine Rolle spiele, ob sie in Kontakt mit Risikopatienten, zum Beispiel den Groß- und Urgroßeltern, kommen. „Das muss jede Familie für sich entscheiden.“ Bei Covid sehe er die hohe Immunisierung und die milden Verläufe und rate grundsätzlich zur erneuten Impfung bei Grunderkrankungen oder für Über-60-Jährige. Klinikärztin Leszinski schließt sich an. Beide Infektionen könnten lebensgefährliche Verläufe nehmen. Daher rate sie wie die Ständige Impfkommission (Stiko) „Menschen über 60 oder mit gravierenden Erkrankungen sich dringend gegen Corona und Grippe impfen zu lassen“. Das sei auch gleichzeitig möglich. Im Oktober oder November sei der richtige Zeitpunkt – wenn kein Infekt vorliege, so alle Befragten.
Maske oder nicht?
Die Schutzmaßnahmen werden gerade im Gesundheitswesen wieder erhöht. Leszinski verweist auf besondere Schutzangebote für ihre Klinik-Mitarbeiter und sieht beim Masken-Tragen die Praxis asiatischer Länder als Vorbild. Sie empfiehlt: „Masken, am besten FFP2-Masken, sollten getragen werden, wenn ich aufgrund von Atemwegssymptomen wie Schnupfen oder Husten befürchten muss, andere Menschen bei engem Kontakt anzustecken.“ Ein Beispiel sei der Arztbesuch, ein anderer die Fahrt in gefüllten öffentlichen Verkehrsmitteln. „Mein Personal zieht seit drei Wochen wieder Masken auf“, sagt der Frankenthaler Kinderarzt Maurer. Allgemeinmediziner Werling denkt für seine Praxisbelegschaft ebenfalls wieder über Masken nach – auch weil nicht alle Patienten die Aushänge beachteten, nach denen sie bei Infektsymptomen vor Betreten der Praxis einen Corona-Test machen sollten. „Das hat uns schon ein paar Debatten eingebracht.“