Ludwigshafen
Immobilienskandal: Edeka-Markt in Friesenheim schließt im Dezember
Der „nah und gut“-Edeka-Einkaufsmarkt in der Friesenheimer Berthold-Schwarz-Straße wird Ende des Jahres seine Pforten schließen – voraussichtlich zum 13. Dezember, wie Inhaberin Ute Weis am Mittwoch auf Nachfrage bestätigt hat. Grund ist laut Weis die seit Monaten unhaltbare Situation im Haus – und die ihrer Meinung nach überzogenen Forderungen von Seiten der Hausverwaltung: Eine demnach eingeforderte Mieterhöhung habe laut Weis den üblichen Rahmen deutlich gesprengt. Zudem habe sie sich nach eigenen Angaben nach dem Willen des Verwalters an der Sanierung des undichten Dachs beteiligen sollen. Als reine Instandhaltungsmaßnahme ist eine solche eigentlich nicht auf die Miete umlegbar.
Das Mehrparteienhaus in Friesenheim ist eines der mindestens fünf Objekte in Ludwigshafen, die von einem Immobilienskandal betroffen sind: Der Besitzer, eine „Limited“-Gesellschaft mit Sitz in London, hatte seit Monaten keine von den Mietern bereits gezahlten Nebenkosten an den Versorger, die Technischen Werke Ludwigshafen, abgeführt. Dieser hatte daraufhin bei mehreren Objekten mit Versorgungsstopps gedroht. Die RHEINPFALZ am SONNTAG hatte mehrfach über den Fall und die einzelnen Immobilien berichtet, über das Haus in der Berthold-Schwarz-Straße zum ersten Mal Anfang 2025 („Der Beinahe-Blackout“).
Das Haus in Friesenheim weist nach Angaben der Mieter inzwischen gravierende Mängel auf – ähnlich wie einige andere Objekte der Londoner Ltd.: Zeitweise waren Fahrstühle außer Betrieb, eine Innenreinigung durch die Hausverwaltung findet nicht mehr statt, „und die Heizung geht nach wie vor nicht“, sagt Weis. Auch die Kommunikation mit der Hausverwaltung gestaltet sich demnach weiter schwierig: Ein Nachmieter – wenn auch nicht aus dem Lebensmitteleinzelhandel – habe sich laut Weis für das Ladenlokal im Erdgeschoss interessiert. Es sei dem Interessenten allerdings nicht gelungen, Kontakt zur Hausverwaltung aufzunehmen, sagt die Einzelhändlerin.
Notgemeinschaft gegründet
In Friesenheim wie in anderen betroffenen Immobilien haben die Mieter eine Notgemeinschaft gegründet – und überweisen Energiekosten direkt an den Versorger. Willibrord Zunker, Rechtsanwalt aus Ludwigshafen und stellvertretender Vorsitzender des Landes-Mieterbundes, der die Notgemeinschaft organisiert hat, würde das Haus zudem gerne unter Zwangsverwaltung stellen lassen. Auch das scheitert momentan allerdings an der mangelnden Erreichbarkeit der Zuständigen: „Der Antrag ist nicht das Problem“, sagt Zunker, „das Problem ist die Zustellung.“ Die Hausverwaltung der fünf betroffenen Ludwigshafener Immobilien sitzt an derselben Postadresse in Wiesbaden. Dort ist allerdings schon seit Monaten niemand zu erreichen. Besitzer der Londoner Ltd., die die Immobilien hält, ist der deutsche Geschäftsmann Michael M. Auch der ist, jedenfalls für Nachfragen der RHEINPFALZ, in der Vergangenheit nicht zu erreichen gewesen. Gegen M. hat die Staatsanwaltschaft Frankenthal ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, Verdacht auf Betrug und Untreue. Eine am Mittwoch gestellte Nachfrage dieser Zeitung beim Hausverwalter Habip A. ist bislang ebenfalls unbeantwortet geblieben.
Eine Neueröffnung in Ludwigshafen plant Weis nicht. Laut Inhaberin arbeite man an einem Umzug in den Mannheimer Stadtteil Schönau.