Speyer Immer noch Neues zu entdecken

Funktioniert auch ohne Fremdsprachenkenntnisse: Ruffecer und Waldseer beim Tanzen.
Funktioniert auch ohne Fremdsprachenkenntnisse: Ruffecer und Waldseer beim Tanzen.

„Nur gegessen, nicht geschlafen“, sagt Marliese Klauß, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Waldsee-Ruffec, spontan auf die Frage, wie die Reise der Waldseer ins französische Ruffec gewesen sei. Die Frankreichfahrt aber auf kulinarische Erlebnisse zu reduzieren, liegt ihr fern. Das sei nur eines von vielen Zeichen der überwältigenden Gastfreundschaft, die den Waldseern seit über 40 Jahren entgegengebracht werde.

Vom 9. bis 13. Mai waren 43 Waldseer im knapp 1000 Kilometer entfernten Partnerort Ruffec zu Gast. Viele fahren seit Jahrzehnten mit, andere, so wie die neue Beigeordnete der Gemeinde Waldsee Claudia Klein (CDU), waren zum ersten Mal dabei. Auf dem Programm standen dieses Mal unter anderem ein Besuch des Aquariums in La Rochelle und die Besichtigung des Weinguts Villeneau mit Weinprobe. Viel Zeit hatten die Deutschen auch zur freien Verfügung mit ihren französischen Gastgebern. Immer wieder entdecken sie dabei auch noch nach vielen Jahren Neues in Ruffec. Helmut Klauß, Zweiter Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, ist bei einem Spaziergang im Dorf Beaunac bei Ruffec mit den Gastgebern auf einen Gedenkstein aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Auf Nachfrage hat er erfahren, dass im Winter 1942/43 die Dorfbewohner zwei englische Soldaten vor der deutschen Besatzungsmacht versteckten. Sechs der Dorfbewohner wurden festgenommen und in ein Konzentrationslager gebracht. Drei kamen nicht mehr zurück, darunter der Großvater von Helmut Klauß’ Gastgeberin. Ihr Vater könne bis heute nicht verstehen, warum sie Deutsche in ihr Haus lasse, erklärt sie, aber sie habe sich bewusst dafür entschieden. „Solche Erfahrungen zeigen, wie wertvoll die Partnerschaft zwischen Waldsee und Ruffec ist“, sagt Helmut Klauß beeindruckt. Beim ersten Besuch 1975 hätten viele Franzosen noch hinter vorgehaltener Hand über die bösen Deutschen geredet, erzählt Marliese Klauß . „Jetzt ist das nicht mehr so. Es ist eine richtige Freundschaft entstanden.“ Eine Freundschaft, für die es keine guten Fremdsprachen-Kenntnisse braucht. „Wir verstehen uns, weil wir es wollen. Das klappt sogar am Telefon“, erzählt Marliese Klauß. Geredet werde mit Händen und Füßen und wenn nötig hilft ein kleines Wörterbuch. Auch die Technik ist neuerdings eine Hilfe. Helmut Klauß, der mit seinen Gastgebern meist Englisch spricht, hat zum ersten Mal die Übersetzungs-App seines Smartphones eingesetzt. Gut ausgestattet mit Proviant von den Gastgebern traten die Waldseer nach ereignisreichen Tagen in Ruffec die Heimreise an und machten dabei schon die ersten Pläne für den Gegenbesuch der Franzosen, die im Sommer 2019 nach Waldsee kommen. „Ideen für das Programm haben wir schon jede Menge, das reicht für die nächsten zehn Jahre“, sagt Marliese Klauß. „Jetzt bräuchten wir nur noch Nachwuchs.“ Der Partnerschaftsverein würde sich sehr über neue Mitglieder freuen.

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