Speyer Im Zeichen des Magnificats: Adventskonzert im Dom

Bachs Autograph zum Choral.
Bachs Autograph zum Choral.

Das Adventskonzert am Samstag um 18 Uhr im Dom zu Speyer bringt barocke Magnificat-Vertonungen und eine berühmte Bach-Kantate mit einem großen Hit.

Dresden, Venedig, Weimar und Leipzig sind die Orte, an denen die gespielten Werke entstanden. Der böhmische Komponist Jan Dismas Zelenka, von ihm erklingt das Magnificat in C, war am katholischen Hof in Dresden tätig. Lange vergessen, wurden er und seine Musik in den vergangenen 50 Jahren wiederentdeckt und in ihrer Bedeutung erkannt. Zum Glück werden seine Werke heute regelmäßig musiziert. Zelenka schuf eine spektakuläre und eigenständige Musik von großer sinnlicher Wirkung.

Der „rote Priester“ Antonio Vivaldi schuf nicht nur die vor 300 Jahren veröffentlichen „Vier Jahreszeiten“ und Hunderte anderer Konzerte, sondern auch sagenhafte Opern und neben dem populären Gloria ganz viel phänomenale Kirchenmusik, darunter das Magnificat in g, das natürlich für die Mädchen im venezianischen Ospedale della Pietà geschrieben war. Die Solistinnen müssen sagenhaft gut gesungen haben, wir kennen zumindest ihre Vornamen: Apollonia, Chiaretta, Bolognesa, Ambrosina.

Mädchenchor, Domsingknaben und Domchor singen.
Mädchenchor, Domsingknaben und Domchor singen.

Das Hauptwerk des Programms ist die bekannte Bach-Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ BWV 147. Sie passt doppelt gut in dieses Konzert: Sie ist in Leipzig für den 2. Juli 1723, das Fest Mariä Heimsuchung (weil sie ihre Base heimgesucht hat) entstanden, eben den Tag, an dem das Magnificat im Evangelium verlesen wird. Es steht in Lukas 1,39-56.

Doch es gibt auch eine Frühfassung der Kantate von 1716 aus der Weimarer Zeit von Bach, die viel kürzer ist und für den vierten Advent bestimmt war. Die Leipziger Version der Kantate enthält einen der größten Hits von Bach, die Choralbearbeitung zu „Jesus bleibet meine Freude“: Selbst Musikfreunde, die Bach kaum kennen oder solche, die mit barocker Musik wenig im Sinn haben, kennen gewiss die wiegende, letztlich ja auch unvergessliche Melodie, in die Bach den Choral eingewoben hat. Am Ende jedes der beiden Teile erklingt sie. Am Ende des ersten beginnt der Text mit „Wohl mir, dass ich Jesum habe“, am Ende des zweiten dann mit „Jesus bleibet meine Freude“.

Tenor Fabian Kelly mit Domchor und L’arpa festante.
Tenor Fabian Kelly mit Domchor und L’arpa festante.

Ich erinnere mich an ein Konzert mit „Bach-Papst“ Helmuth Rilling, bei dem die Noten zu diesem Stück im Programmheft abgedruckt waren und als Zugabe das Publikum die Choralstrophen mitsingen durfte.

Und noch ein besonderer Augenblick in der Rezeption dieses Stücks: In seinem letzten Konzerte musste der schon schwer erkrankte geniale rumänische Pianist Dinu Lipatti das vorgesehene Programm abbrechen. Er spielte aber noch eine Klavierfassung dieses Chorals. Sein Todestag jährte sich am Dienstag zum 75. Mal.

Domkapellmeister Markus Melchiori
Domkapellmeister Markus Melchiori

Das Konzert am kommenden Samstag im Dom wird von festlichen Orgelwerken umrahmt. Das Konzert lädt ein, so die Dommusik, Marias Lobgesang als zeitlose Antwort auf Gottes Wirken neu zu hören.

Solisten sind Birgit Stöckler, Sopran, Anne Bierwirth, Alt, Fabian Kelly, Tenor, und Ekkehard Abele, Bass. Es singen der Mädchenchor am Dom zu Speyer, die Speyerer Domsingknaben und der Domchor Speyer. Es spielt das Barockorchester L’ arpa festante. Markus Melchiori, Joachim Weller und Frederic Beaupoil dirigieren. Markus Eichenlaub spielt die Orgel.

Info

Karten in der Dom-Info und bei allen Reservix-Stellen, www.rheinpfalz.de/ticket, www.dommusik-speyer.de

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