Speyer Im Zeichen der Perle
Für ihre Ausfahrten mit dem Boot trugen Fischer einst eine Kette mit 18 Perlen mit sich, jede das Symbol einer bestimmten Gefühlslage, die ihnen im unwägbaren Meer des Alltags Schutz und Trost vermitteln sollte. Eine kleine Ausgabe von fünf Perlen hat die Mitgeher der Meditationswanderung des Natur- und Vogelschutzvereins (NVV) Dudenhofen am Mittwochabend durch den nächtlichen Wald begleitet. Mitgebracht hatte sie Pastoralreferentin Sabine Alschner.
Alschner nennt die Kette „ökumenisches Gebetsband“. An der ersten Station der Meditationswanderung, dem Viehhof – dort, wo heute die älteste Esskastanie des Dorfes steht, wurden früher die verendeten Stalltiere verscharrt – erzählt die Pastoralreferentin zur ersten Perle eine Bibelstelle nach: Ein Landarbeiter findet auf seinem gepachteten Acker einen Schatz. Er müsste ihn dem Besitzer aushändigen, doch vergräbt ihn stattdessen wieder und bettelt Geld zusammen, um das Feld kaufen zu können. Die Geschichte verbindet sie mit der Antwort von Jesus auf die Frage nach dem Himmelreich: Der Glaube ist wie ein kostbarer Schatz, so wertvoll, dass ihr für ihn alles wagen könnt. Am Kriegsbaum von 1934 – die anderen Bäume ringsum wurden für Kriegszwecke abgeholzt – erklärt Alschner die zwei Perlen der Liebe: Der Engel sagt zu Maria: „Fürchte dich nicht, Gott liebt dich, du sollst die Mutter seines Sohnes werden.“ Zwei rote Perlen seien es, weil Liebe einen Partner brauche, das Gegenüber. Wer Liebe schenke, bekommt etwas zurück. Nur: „Einer muss den Anfang machen.“ Weiter geht es Richtung Schutzhütte. Vorausschauend ob der Wurzelstolperpfade haben einige Leute der Gruppe eine Taschenlampe mitgenommen. Eigentlich hätten Fackeln die Wanderer begleiten sollen, doch der Organisator sagte kurzfristig ab. Deshalb erbarmt sich Ortsbürgermeister Peter Eberhard (CD) und läuft an seinem Hochzeitstag voraus, um die Stationsfeuer anzuzünden. Zwischen den Stationen bleibt Zeit für den Blick zu den Sternen. Wie der Glaube sind sie eines der Geheimnisse, die sich dem menschlichen Begreifen entziehen; das Symbol der hellgrünen Perle: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, dann Adam und Eva nach seinem Bild. Alschner sagte: „Dass Gott dadurch im Menschen lebt, in ihm lebendig ist, macht auch uns zu einem großen Geheimnis.“ Gott in allem zu erkennen finde Ausdruck im Psalm „Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn“. Die Idee der letzten, blauen Perle – Zeichen der Nacht – erläutert Alschner in Höhe des Vierkant-Steins: Die Jünger rudern in der Nacht zum gegenüberliegenden Ufer, ein Sturm kommt auf, wird heftiger. Sie ängstigen sich, rufen nach Gott, der im Boot schläft. Er gebietet der Gefahr Einhalt und fragt: „Warum habt ihr Zweifel, kein Vertrauen in mich?“ Die Pastoralreferentin sagt: „Gott ist die Hoffnung, wenn wir nicht mehr weiterwissen, bangen, was mit uns geschieht. Die Perlen sind die Verbindung zwischen ihm und uns.“ Nach knapp eineinhalb Stunden kommen die Wanderer wieder am Ausgangspunkt, der Grillhütte, an. Zum Aufwärmen gibt’s eine Tasse Glühwein und einen Weck-Imbiss. Die Spende der Teilnehmer wird die Pastoralreferentin für das Kettenbasteln in den heimischen Kindertagesstätten und ein Gesundheitsprojekt in Kambodscha verwenden. |län