Speyer Im Speyerer Meerwasser gut geraten
Vor einem halben Jahr hat Jürgen Wendel das Korallenriff im Speyerer Sealife-Aquarium als neue Attraktion eingerichtet. Seither schaut der Mann aus Leinsweiler bei Landau jeden Montag nach dem Rechten. Gestern ist er auf Tauchstation gegangen, um die Korallen zu vermehren. Gärtnern unter Wasser – nichts Außergewöhnliches für Wendel.
Von Haus aus ist der Südpfälzer Winzer. Statt Trauben erntet er seit mittlerweile 15 Jahren jedoch Aufträge für die Korallenzucht. Die hat sich Wendel selbst aufgebaut. „Vor 25 Jahren wurde mein Interesse für Meerwasser und Fische geweckt. Die Korallen sind irgendwann dazu gekommen“, denkt der 38-Jährige an die Anfänge seiner Leidenschaft zurück, während er im Neoprenanzug im Wasserbecken des „Sealife“ ausharrt. Die Korallenzucht wie auch die Nachfrage danach hätten sich über die Jahre immer stärker entwickelt. „Heute bestreite ich meinen Lebensunterhalt damit“, sagt der Familienvater. Seine Frau hilft im Betrieb mit, seine beiden Töchter – drei und sechs Jahre alt – werden spielerisch an die Sache herangeführt. „Die Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich“, berichtet Wendel von seinem Job, der aus einem Hobby entstanden ist. Lehrgänge dafür gebe es nicht, merkt er an. In Eigeninitiative hat sich der interessierte Mann alles selbst beigebracht. Sein Wissen und seine Tiere – die Korallen also – sind nach seinen Angaben gefragt bei Zoos oder Zoo-Ketten, bei Aquaristik-Einrichtungen sowie immer stärker bei Privatleuten. In ganz Europa ist Wendel inzwischen unterwegs. Bis zu 80.000 Kilometer legt er im Jahr zurück, um seine Korallen vor Ort anzubringen und zu begutachten. „Ich pflege sogar Becken in Rumänien“, lässt Wendel wissen. In Italien und Spanien ist er ebenso regelmäßig Gast. Die nächste Station in Deutschland, die er neben Speyer ansteuert, ist Rostock. Nach wie vor ist Wendel selbst fasziniert von den verschiedenen Wuchsformen, die die Korallen hervorbringen. „Manche verstehen sich gut, andere wiederum nicht“, erklärt der Fachmann. Genau in solchen Fällen muss er Hand anlegen. Unter anderem. Seine Tiere im Speyerer Großaquarium sind seit dem Einsetzen vor sechs Monaten um zwei Zentimeter gewachsen. „Das ist enorm viel“, betont Wendel und widerspricht dem Einwurf nicht, dass das von gutem Speyerer Wasser zeugt. 1000 Korallen hat Wendel damals eingesetzt. „Die haben sich verzehnfacht“, stellt er fest. Zuhause in Leinsweiler hat der Züchter fast 15 Mal so viele. Um die vorhandene Steinlandschaft im „Sealife“-Becken nun dichter mit den Korallen zu besetzen, vermehrt Wendel sie. Das Prinzip ist leicht: Ein Teil der Koralle wird mit einer Schere abgeschnitten, mit einem speziellen Kleber aus Epoxidharz auf einem kleinen Stein befestigt und der wiederum auf einen der großen Steine geklebt. So wächst die bunte Landschaft zusehends dichter zusammen. „Zwei Stunden geht’s, aber dann wird’s kalt und ungemütlich“, verrät Wendel über die Tätigkeit im Taucheranzug und mit Sauerstoffflasche auf dem Rücken. Clownfische, Meerbarben und Kardinalsbarsche haben während seines Einsatzes lieber mal das Weite gesucht und sich versteckt. Den nächsten Termin in Speyer hat Wendel bereits im Kalender notiert. Am kommenden Mittwoch wird er nämlich schon wieder vor Ort sein. „Dann werden die Korallen abgespült, um abgestorbene Teile zu entfernen“, kündigt der Züchter an.