Speyer Im Reich der nachtaktiven Flugkünstler

Wie ein Fledermaus-Flügel aufgebaut ist: Exkursionsleiter Michael Löhle (links) zeigt den Exkursionsteilnehmern eine mumifiziert
Wie ein Fledermaus-Flügel aufgebaut ist: Exkursionsleiter Michael Löhle (links) zeigt den Exkursionsteilnehmern eine mumifizierte Fledermaus.

Lange mussten sich die mehr als zehn Teilnehmer am Freitagabend bei der Exkursion „Fledermäuse – Kleine Jäger der Nacht“ der Rucksackschule des Forstamts Pfälzer Rheinauen in Geduld üben. Nach Einbruch der Dunkelheit konnten sie dann zahlreiche Fledermäuse verschiedener Arten beim Insektenfang am „Froschweiher“ im nördlichen Stadtwald beobachten.

Exkursionsleiter Michael Löhle nutzt die Zeit, bis die „einzigen flugfähigen Säugetiere“ ihre Beutezüge beginnen, für Wissensvermittlung und Spielspaß. „Wenn die letzten Vögel singen, tauchen der Kleine und Große Abendsegler am Himmel auf. Sind die Vögel verstummt, kommen bald auch die anderen Fledermausarten heraus“, weiß der gelernte Forstwirt und zertifizierte Waldpädagoge. Am Donnerstag habe sich diese Regel, die nur bei Regen oder Kälte nicht gelte, am „Froschweiher“ bestätigt. „Einen Tag vor einer Exkursion schaue ich immer, ob die Fledermäuse auch da sind“, sagt Löhle kurz nach 21 Uhr. „In Deutschland gibt es 21 Fledermausarten, in der Pfalz sind es 13“, informiert der Experte. Bald darauf holt er einen der „Nachtjäger“ hervor – keinen lebendigen, sondern einen toten, mumifizierten. „Diese Bechsteinfledermaus wurde im Innern von Maden aufgefressen. Haut, Fell und Krallen sind ausgetrocknet“, erklärt er und lässt Exkursionsteilnehmer über das Fell des Säugetiers streichen. Löhle zeigt an dem Exemplar, dass die Flügel aus Zwischenhäuten der Finger bestehen und der Daumen als einziger herausragt. Der Fachmann erklärt, dass die nachtaktiven Flugkünstler in Europa allesamt Insektenfresser sind, sich in anderen Erdteilen auch vegetarisch ernähren oder vom Blut anderer Tiere leben. Wie sich Fledermäuse in der Dunkelheit orientieren, erfahren die Teilnehmer gegen 21.30 Uhr spielerisch. „Fledermaus, Fledermaus“, sagt ein Mitspieler mit Augenbinde, „Falter, Falter“, erwidern zwei andere sehenden Auges, während die restlichen Gruppenmitglieder als „Büsche“ und „Bäume“ stumm ein Oval bilden. Die achtjährige Emily Lenz aus Speyer beweist als erste „Fledermaus“ große Ausdauer. Unermüdlich tastet sie nach den „Faltern“. Löhle fordert sie auf, öfter zu rufen, um ihre „Beute“ besser orten zu können. Das fällt ihr schwer. Die Zuseher lernen von ihrem Beispiel als Pionierin, haben als nachfolgende „Fledermäuse“ mehr Jagderfolg – so ihr Bruder Simon (16) und Kilian Sammet (acht) aus Harthausen. Kilian ist dann gegen 22.10 Uhr der Erste, der eine Fledermaus aus dem Wald über den „Froschweiher“ fliegen sieht – und dann noch eine und noch eine. Waldpädagoge Löhle hat kurz davor mehrere der Jäger mit einem Detektor in der Nähe festgestellt – das Gerät erkennt die Ultraschall-Laute der Fledermäuse und verwandelt sie in für Menschen hörbare tiefere Töne. „Da ist der Abendsegler“, sagt der Experte, der seine Erwartung bestätigt sieht, dass die beiden Arten – der kleine und der große – als Erste ausfliegen. Ihre Jagdrufe – im Bereich von 20.000 Hertz – könnten sogar manche Kleinkinder hören, weiß er. Bald darauf ruft Löhle aus: „Jetzt sind alle Arten da!“ Mit Hilfe des Detektors identifiziert er unter anderen Zwerg- und Wasserfledermäuse. Nun geht ein Nachtsichtgerät, das Infrarotlicht nutzt und von dem Fachmann mitgebracht wurde, von Hand zu Hand. Mit zur Gruppe gehören Anja Reiland aus Waldsee, die die Exkursion ihrem Neffen Kilian, der von seinem Vater Frank Sammet begleitet wird, geschenkt hat, die Speyererin Bärbel Lenz mit ihren drei Kindern, darunter Emily und Simon, sowie Biologie-Lehrerin Sandra Karp mit ihrem Mann Thomas und den Kindern Philipp (acht) und Johanna (neun). Spätestens gegen 22.45 Uhr sind offenbar alle von den Jägern gefesselt, die dank dem Nachsichtgerät auch weit draußen über dem Weiher in den Blick der Beobachter kommen. „Wegen des Rückgangs der Fluginsekten nimmt leider auch der Bestand der Fledermäuse ab, nachdem er in den vergangenen Jahren gewachsen war“, sagt Löhle. Eine weitere Gefährdung stellten Windräder dar, deren Rotorblätter die Säugetiere oft nicht rechtzeitig erkennen könnten. Wenn jedoch die Fledermäuse weniger werden, dann vermehren sich Insekten wie Stechmücken umso besser. Am „Froschweiher“ mangelt es an diesen jedenfalls nicht. Im Netz Veranstaltungen der Rucksackschule finden sich unter www.wald-rlp.de. Die Serie Für diese Serie, eine Momentaufnahme aus dem Alltag, sind wir in jeder Woche einmal gezielt in der Stadt unterwegs.

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