Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Ilja Sterner Dritter bei deutscher Meisterschaft

Abgezielt: Ilja Sterner im Stand der SG Berghausen.
Abgezielt: Ilja Sterner im Stand der SG Berghausen.

Erfolge kommen nicht von allein. Und aus Misserfolgen lernen, bringt Schützen nicht nur bei ihrem Sport etwas. Ilja Sterner von der SG Berghausen, Starter bei der deutschen Meisterschaft, erzählt, was Alltag und Hobby miteinander zu tun haben und wie sie sich gegenseitig befruchten.

„Wenn das Schnitzel schwarz wird, fragt man sich, was ist verkehrt gelaufen? Ah, ich habe auf dem Handy rumgedrückt“, erzählt Ilja Sterner, der Dritte der deutschen Meisterschaft im Kleinkaliber/freie Pistole auf 50 Meter Entfernung. Schnitzel? Wieso Schnitzel? Was hat das mit Schießen zu tun?

Hat sich Sterner sein Schnitzel etwa selbst geschossen? Nein. Aber die mentale Einstellung im Alltag ist ähnlich derjenigen, wenn er schießt. Denn auch bei erfolgreichen Schützen läuft nicht immer alles rund. Und dann heißt es analysieren: Was hat nicht gepasst? „Und dann versucht man es beim nächsten Mal besser zu machen“, so der Mann der SG Berghausen.

Mental schießen

In der Wettkampfsituation denkt der Schütze allerdings nur Schuss für Schuss. Da fokussiere er sich auf den Moment und erfahre erst am Schluss, wo er im Vergleich zu anderen steht. Wenn Sterner gut drauf ist, läuft alles. Er merke eher, wenn er schlecht drauf ist, meint Sterner. Sein Tipp bei schlechten Treffern: „Das im Training Gelernte Revue passieren lassen und mental zwei bis drei Schüsse machen, um wieder reinzukommen.“

Das sei viel anspruchsvoller als wenn es läuft. Oder: „Den Kopf abschalten, aber das funktioniert nicht immer.“ Manchmal könne er aber auch machen, was er wolle. Dann funktioniere einfach gar nichts. „Kurz ärgern, abhaken und schauen, was schiefgelaufen ist“, empfiehlt er für solche Situationen. Hilfreich sind immer andere Schützen oder Trainer, die das Ganze beobachten: „Mit ihnen kann ich darüber sprechen.“

Ruhig angehen

Misserfolge verarbeiten können, hilft auch im Alltag, ebenso die Ruhe, mit der Sterner sein Leben angeht. „Im Beruf gibt es auch Höhen und Tiefen. Da muss man sich konzentrieren, Lösungen suchen und andere Sichtweisen einnehmen“ – wie am Schießstand. Sein Hobby und sein Beruf als Industriemeister Chemie bei der BASF befruchten sich gegenseitig: „Ich bin für die Einhaltung der Produktionsparameter und die Qualität verantwortlich.“

Am Schießstand herrscht Ruhe. „Man bringt sich selbst runter, wenn man aufgebracht ist, sonst klappt der Schuss nicht.“ Außerdem könne er „abschalten vom Alltag, weil man sich nur auf das Wesentliche konzentriert, Schuss, Anvisieren, sauberer Abzug. Wenn man das gut macht, hat man gleich ein Erfolgserlebnis durch einen guten Treffer. Ich kann mich komplett wegbeamen.“

Seine Liebe

Schießen war „schon immer“ Sterners Lieblingsdisziplin. Der sportliche Vergleich mit anderen macht für ihn einen großen Reiz aus. „Man sieht, wo man steht. Das kann auch Anreiz zu mehr Training geben.“ Es sporne an, wenn jemand ähnlich gut schießt. Und „ich bin ein Typ, der gern vorn ist.“ Zu seinem dritten Platz meint Sterner humorvoll: „Ich konnte nicht damit rechnen, dass andere noch schlechter sind.“

Ob seine Familie und sein Verein stolz auf ihn sind? „Bist du stolz auf mich?“, fragt er augenzwinkernd nacheinander seine Frau und seine Vereinskameraden, die alle bejahen. „Der Verein steht voll und ganz hinter mir.“ Und die SG Berghausen begrüßt es, dass Sterner sein Wissen geduldig weitergibt. Bei seinen Erfolgen bleibt der Schütze allerdings bescheiden vage.

Erfolgreicher Jugendlicher

Bei den Kreismeisterschaften erzielte Sterner „ganz viele erste bis dritte Plätze, bei den Landesmeisterschaften waren auch einige dabei“. Etwas konkreter beschreibt er die Jugendklasse, 1988 als Zweiter mit der Luftpistole, 1989 als Dritter mit der Mannschaft der Freien Pistole. Dann gab es eine „Durststrecke“, auch wegen Berufs und Familiengründung, bis er mit dem dritten Rang bei der DM in München wieder an seine großen Erfolge anknüpfte.

Allerdings kämpft er mit seinem Hobby auch gegen Vorurteile. Dabei sei es „relativ schwierig, an legale Waffen heranzukommen“. Die meisten Verstöße erfolgen durch illegale Waffen. Wer dagegen legal schießt, muss eine Reihe von Sicherheitsvorschriften und Regeln einhalten, auch zuhause.

„Da gibt es Vorschriften, wie ich Waffen einschließen und aufbewahren muss. Es ist ein blödes Gefühl, wenn man mit illegalen Waffenträgern in einen Topf geworfen wird, weil sich im Verein eigentlich alle an die Vorschriften halten.“

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