Speyer „Ich würde gern einen echten Pfälzer ,Tatort’ etablieren“
Mit Auszügen aus seinem Programm „Der Palatinator“ tritt der Pfälzer Mundart-Kabarettist Christian „Chako“ Habekost bei der „Charity Nacht“ des Serviceclubs „Round Table 63“ am Samstag, 16. Januar, 20 Uhr, im Historischen Museum der Pfalz in Speyer auf. Unser Mitarbeiter Marek Schwöbel hat vorab mit dem 53-Jährigen gesprochen.
Das hat sich ergeben, als ich in meinen Anfängen in der Karibik, in Trinidad und Tobago, als Sänger aufgetreten bin. Da brauchte ich einen knackigen Namen. Da habe ich mit den Buchstaben meines Vor- und Nachnamens gespielt. Müssen Sie sich als in Bad Dürkheim lebender, gebürtiger Mannheimer sprachlich umstellen, wenn Sie in Speyer auftreten? Ich rede ja eher eine Mischform des Pfälzischen. Ich bin in der Kurpfalz aufgewachsen, habe lange in der Vorderpfalz gewohnt, jetzt wohne ich in Bad Dürkheim an der Weinstraße. Meine Frau kommt aus Germersheim. Sprachlich bin ich ein Pan-Pfälzer Produkt. Das ist auch gut so. Aber man stellt sich auch ein wenig auf das jeweilige Publikum ein. Ich habe so eine alte Figur im Programm, „Frieher hot’s des net gewwe“. Da fragen mich die Leute auch einmal: „Sind Sie aus Godramstein? Den Alten, den sie im Programm haben, den kenn’ ich. Der ist aus Godramstein.“ Sie sind von Haus aus Sprachwissenschaftler, haben über karibische Performance- und Musik-Dichtung promoviert. Gibt es da Parallelen zum Pfälzischen? Ja natürlich. Deswegen bin ich ja darauf gekommen, das hier zu machen. Die Sprache der Kreolen hat einen eigenen Rhythmus. Ich habe festgestellt, dass wir hier eigentlich das Gleiche mit unserer Sprache machen, also mit dem Dialekt. Der Grundrhythmus ist im Pfälzischen sehr musikalisch. Wie würden Sie Ihre Intention als Komiker und Kabarettist auf den Punkt bringen? Ich möchte authentisch sein und bleiben. Wenn ich die Leute damit unterhalten kann, habe ich Glück gehabt. Ich bin dankbar, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Ich möchte aber auch, dass die Region mit ihrer Sprache gut dargestellt wird – innerhalb und nach außen. Ich repräsentiere auch auf vielen Firmenveranstaltungen die Pfalz. Ich glaube, dass wir Pfälzer uns noch ein bisschen blöd anstellen mit dem Selbstbewusstsein unserer Sprache gegenüber. Da fehlt uns, wie ich fordere, eine „Selbstbewusstlosigkeit“. Wir verbiegen uns dauernd das Maul. Und das wirkt peinlicher, als wenn wir es nicht machen würden. Das würde einem Schwaben oder Bayern nie einfallen. Habekost im Fernsehen, im Radio, in Buchform und immer wieder auf der Comedy-Bühne. Haben Sie Angst, dass Sie den Menschen irgendwann ein wenig zu präsent sind? Natürlich macht man sich darüber Gedanken. Es ist ein Spannungsverhältnis. Einerseits hast du Kreativität, die heraus will. Dann hast du eine Frau, die Autorin ist. Da kommt logischerweise die Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben. Dann will der Verlag, da es gut läuft, Lesungen und Fortsetzung und so weiter. Auf der anderen Seite hast du ein Management, es gibt Planungen. Nach dem Weihnachtsprogramm ist Pause bis Oktober, dann komme ich mit einem neuen Programm. Dadurch hoffen wir, dass so etwas wie ein kleines „Hungervakuum“ entsteht. Ich habe aber auch den Vorteil, dass ich im Fernsehen nicht so präsent bin. Die Liveauftritte kann man dosieren. Ich habe zum Glück auch Leute, die mich hier gut beraten. Was möchten Sie in Ihrem Leben noch unbedingt unternehmen? Ich würde gern mehr schauspielern. Und ich würde gern einen richtigen, echten Pfälzer „Tatort“ etablieren, in dem ich den Kommissar gebe. Der „Tatort“ aus Ludwigshafen hat mit der typischen Regionalität, wie sie den „Tatort“ sympathisch macht, wenn er aus den anderen Städten kommt, nichts zu tun. Die zwei Schauspieler haben mit Ludwigshafen nichts am Hut und sagen das auch noch öffentlich. Das ist bitter für einen Lokalpatrioten wie mich. Das ist mein absolutes Ziel. Auch wenn da die Entscheidungsprozesse bei den Sendern so ihre Zeit brauchen. Ansonsten bin ich mit dem, was ich jeden Tag mache, sehr, sehr glücklich. (jmr)