Speyer „Ich habe noch genug Power“

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Am Dienstag wird wahr, was Hannelore Mund am liebsten um ein paar Jahre nach hinten verschoben hätte. Ihre offizielle Verabschiedung aus dem Schuldienst kann die Rektorin der Grundschule im Vogelgesang nämlich nur schwer akzeptieren. Sie findet dann aber in der Aula statt.

„Mit liegt der Unruhestand mehr“, sagt die 64-Jährige. Seit Eröffnung 1997 hat sie an der Spitze der Grund-, Ganztags- und Schwerpunktschule im Speyerer Süden gestanden, hat Weichen gestellt und die Kooperation mit der benachbarten Pestalozzi-Förderschule vorangetrieben. „Ich bin Lehrerin mit Herz und Seele“, beschreibt Mund ihre Begeisterung für den Beruf, der längst zur Berufung geworden ist. Seit 1. Februar 1972 sei sie Grund- und Hauptschullehrerin, erzählt sie von den Anfängen. Ihre Berufswahl habe viel mit ihrer Heimatverbundenheit zu tun gehabt, berichtet Mund vom Aufwachsen in der Nähe von Pirmasens. „Für das Studium in Landau musste ich mein Zuhause nicht verlassen“, erklärt sie. Sie erinnert sich an den durch ihre Versetzung von der Hauptschule in Dannstadt zur Grundschule Dudenhofen verursachten Schülerstreik: „Weiß muss bleiben“, hätten die Hauptschüler – damals noch mit ihrem Mädchennamen – gefordert und sich von der Polizei wegtragen lassen. Mund erinnert sich an neue Lehr- und Lernmethoden Ende der 1970er Jahre und ihren „Afro-Look“. „Verbeamtet wurde ich trotzdem“, sagt sie lachend. Für sie sei Schule ein kreativer Ort, in dem Kunst und Theater, eine Schülerzeitung und viele Bücher Platz finden müssten, erklärt die Lehrerin für Deutsch und Geschichte. Nach der Geburt des Sohnes 1988 und der damit verbundenen Familienzeit habe sie 1990 die Konrektorenstelle an der Schillerschule in Ludwigshafen-Mundenheim, eine Brennpunktschule, übernommen. Ihr Wechsel 1993 nach Speyer als Konrektorin der zu dem Zeitpunkt siebenzügigen Zeppelin-Grundschule habe die Grundlage für ihre berufliche Erfüllung geschaffen, sagt Mund. Vier Jahre später sei sie gemeinsam mit den Kindern aus dem Vogelgesang und Neuland von der Zeppelin- in die nagelneue Grundschule im Vogelgesang gezogen. Das Ergebnis nach 18 Jahren fasst sie so zusammen: „Es stimmt alles perfekt.“ 145 Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren besuchten derzeit die Schule, die vor zwölf Jahren zur Schwerpunkt- und 2007 zur Ganztagsschule geworden sei. „Wir leben Inklusion“, weist Mund auf gemeinsame Unterrichtseinheiten, Konferenzen, Gottesdienste, Projektwochen oder Schulfeste mit der Pestalozzi-Förderschule hin. „Unsere beiden Schulen unter einem Namen“ wünscht sich die scheidende Schulleiterin und ist überzeugt: „Im nächsten Leben werde ich Förderlehrerin.“ Ganz nah am Kind, vertrauensvoll mit Eltern, auf Augenhöhe mit dem Kollegium: Diesen Anspruch habe sie stets angelegt. „Von uns geht niemand freiwillig weg, auch ich nicht.“ Die starre Altersregelung für die Pensionierung sei nicht fortschrittlich, kritisiert sie das System, das sie jetzt in den ungeliebten Ruhestand schickt. „Ich habe noch genug Power“, macht sie ihrer Enttäuschung Luft. Unterkriegen lasse sie sich davon jedoch nicht, betont die Lehrerin. Nach den Ferien bereite sie Schifferstadter Volkshochschüler in den Fächern Deutsch und Erdkunde auf die Mittlere Reife vor, stellt Mund ein neues Betätigungsfeld vor. „Das kann ich so lange machen, wie ich will“, sagt sie. Ehrenamtlich werde sie Speyerer Asylbewerbern Deutschunterricht anbieten und am liebsten noch eine Weile in der Bücherei der Grundschule im Vogelgesang aushelfen. Ab Herbst wolle sie sich zum Erzähler fortbilden lassen, kündigt Mund an. Den Kurs habe sie schon belegt. „Das Leben geht also weiter.“ Hannelore Mund nimmt ihren dritten Lebensabschnitt in Angriff. „Hauptsache, ich bleibe Lehrerin“, sagt die 64-Jährige. „Denn der Schmerz, kein Kinderlachen mehr zu hören, wäre nicht auszuhalten.“ Termin Verabschiedung, Dienstag, 21. Juli, 11 Uhr, Aula der Vogelgesangschule .

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