Speyer „Ich bin öfter in Loscht“

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Speyer. Alle Dämme brechen. Die deutsche Nationalhymne erklingt. Das Gold baumelt um den Hals des jungen Judo-Überraschungs-Olympiasiegers aus Deutschland. Frank Wieneke schluchzt nur noch hemmungslos vor Glück. Das Bild geht um die Welt – und ist über drei Jahrzehnte alt, Los Angeles 1984. Am Samstag nächster Woche leitet er ein internationales Trainingscamp beim JSV Speyer in der Butenschönstraße. Martin Erbacher hat ihn am Telefon erreicht.

Wann wurden Sie zuletzt mit Ihrem Goldmedaillengewinn konfrontiert?

Das ist ja jetzt 32 Jahre her. Da ich dem Judo aber immer treu geblieben bin, immer noch in diesem Metier bin, wird man häufig damit konfrontiert. Wenn ich Bankkaufmann wäre oder woanders arbeiten würde, würde das sicher versickern. Langsam ebbt es aber etwas ab. Wo bewahren Sie die Medaille auf? Das kann ich doch nicht der Presse verraten, damit dann die Einbrecher kommen. Nein, im Ernst, sie ist gut in einem Schrank verstaut. Ab und zu hole ich sie raus. Das Gold läuft mittlerweile etwas an, das Silber von den Spielen in Seoul nicht. Die habe ich ja auch noch. Gibt es noch Kontakt zu Kämpfern von damals? Vor drei Wochen habe ich beim Grand Prix in Düsseldorf meinen Finalgegner von Los Angeles, Neil Adams aus England, wiedergetroffen. Mircea Fratica aus Rumänien, gegen den ich in der Vorschlussrunde gewonnen habe, habe ich bei einem Trainingslager gesehen. Auch zum Deutschen Judo-Bund und Präsident Peter Frese hatte ich immer gute Kontakt. Wir sind im Guten zusammengekommen und wieder auseinandergegangen. Der DJB war eine gute Plattform für meinen sportlichen Erfolg. Ich bin dankbar, dass ich Bundestrainer werden durfte und dass mir der Weg für meine weitere berufliche Zukunft an der Trainerakademie Köln geebnet wurde. Was wissen Sie vom Judosportverein Speyer? Nicht so viel, nur, dass es ein sehr großer Verein ist. Trainer Volker Heyer kenne ich noch von früher. Ich habe ihn einmal als jungen Kämpfer beobachtet. Das ist ein leistungsorientierter, agiler Mann, der sich engagiert, um das Judo voranzubringen. Der Kontakt jetzt kam über Trainer Peter Serr zustande, mit dem ich zusammen trainiert und gekämpft habe. Ich fahre ja noch durch Deutschland und wenn man mich fragt, komme ich gerne und erzähle von meinen Erfahrungen und meinem Judo-Verständnis. Welches ist das? Es ist das klassische, das asiatische. Ich kann mich aber auch in andere Kampfstile hineindenken. Das ist meine Leidenschaft. Ich habe es immer ausprobiert, wenn ich etwas neues gesehen habe. Ich habe ein gutes Bewegungsgefühl. Waren Sie schon mal in Speyer? Einmal kurz, das ist bestimmt zehn Jahre her. Die Zeit vergeht ja. Ich bin aber öfter in Lustadt, in Loscht. Leo Held, auch ein früherer Kämpfer, ist ein Freund von mir. Ich kenne das Handkeesfescht und das Hambacher Schloss, Esskastanien und den Schoppe Woi. Mit meinem Hund waren wir im Pfälzerwald. Besuchen Sie während des Lehrgangstages die Stadt? Nein, dafür bleibt keine Zeit, ich fahre morgens hin und am gleichen Tag noch zurück. Das sind jeweils 300 Kilometer. Mir ist wichtig, dass ich viel Zeit mit meiner Familie verbringe. Mein Sohn Vincent ist 14 Jahre alt. Ich will ihm gutes Judo beibringen. Was erwartet die Lehrgangsteilnehmer in Speyer? Die Themen sind ja festgelegt. Es geht um klassisches und modernes Wettkampf-Judo. Damit hat es immer etwas zu tun. Ich will Judo verständlich erklären. Es sind oft reine Breitensportler dabei, die zwei-, dreimal in der Woche trainieren. Wenn jemand nicht mitkommt, gehe ich einen Schritt zurück. Ich weiß, was nicht funktioniert. Es geht auch um die Hauptangriffstechniken, die ich bis ins kleinste Detail erkläre. Ich würde aber nicht vorschreiben, so zu kämpfen, wie ich das getan habe.

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