Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Hort „Fliegendes Klassenzimmer“: Seit 30 Jahren „technikfreie Zone“

Mitarbeiter des „Fliegenden Klassenzimmers“ (von links): Fabian Steuerwald, Shefkije Tahiri, Thomas Schaack, Leonie Busse, Veron
Mitarbeiter des »Fliegenden Klassenzimmers« (von links): Fabian Steuerwald, Shefkije Tahiri, Thomas Schaack, Leonie Busse, Veronika Thaut und Martina Straube.

Das „Fliegende Klassenzimmer“ war als privater Hort an der Zeppelinschule ein Novum in Speyer. Nun wurde das 30-jährige Bestehen gefeiert. Wie es dazu kam.

Vier Schulleiter an der Zeppelinschule hat das „Fliegende Klassenzimmer“ (Flik) seit seiner Gründung vor 30 Jahren überstanden, sein Konzept immer wieder aktualisiert und bereits zahlreiche Schülergenerationen begleitet. Thomas Schaack, seit 1997 Erzieher am Flik und 2015 zum Hortleiter aufgestiegen, blickt auf bewegte Jahre zurück. Dabei sei das Fliegende Klassenzimmer im Kern „immer konstant geblieben“, sagt er.

Was mit zwei Gruppen als Elterninitiative unter dem Dach der Zeppelinschule begonnen hat, habe sich schnell zum viergruppigen altersübergreifenden Hort mit 80 Kindern der ersten bis vierten Klasse entwickelt. „Daran hat sich seit dem Umzug des Fliks ins Erdgeschoss der Schule 1998 nichts geändert“, sagt Schaack. Der damalige Schulleiter Bernhard Keßler habe die Integration eines Horts in der Schule 1995 mitinitiiert. Entscheidend seien auch die Eltern gewesen, die sich für kontinuierliche Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder eingesetzt hätten.

Flik schließt lediglich zwei Wochen im Jahr

„Vor 30 Jahren war eine Ganztagsgrundschule politisch noch nicht gewollt“, berichtet der Hortleiter vom Bedarf berufstätiger Mütter und Väter an Betreuungsplätzen nach Schulschluss in den 1990er Jahren. Inzwischen sei die Ganztagsschule zwar installiert, dennoch schätzten viele Eltern die Betreuung im Hort, „auch wenn sie Geld kostet“. Besonders die Abdeckung der Ferienzeiten sei ein hohes Gut für die Familien. Das Flik schließt lediglich zwei Wochen im Jahr. In den Sommerferien stehen acht Erzieher, ein Praktikant und ein FSJ-ler für Ausflüge, Kreatives und Sportliches sowie für eine mehrtägige Reise bereit.

Im Schulalltag ist der Hort morgens von 6.30 Uhr bis zum Schulbeginn und dann wieder von 12 bis 17.30 geöffnet – außer freitags, wenn das Flik für die Schulkinder bis 17 Uhr da ist, erklärt die stellvertretende Hortleiterin Martina Straube. Eine Warteliste gebe es schon immer, alle Plätze seien belegt, sagt Schaak. Der Bedarf steige. Die Einrichtung sei ausschließlich den 423 Zeppelin-Schülern und ihren Geschwistern bei Eintritt in die Grundschule in der Neufferstraße vorbehalten.

„Betreuen Kinder unserer früheren Hortschüler“

Zusammenarbeit mit den Eltern stehe im Zentrum, soziales Miteinander und Partizipation seien zentral, erklärt Straube. Der vom Land als Kindertageseinrichtung ausgewiesene Hort beschäftige nur ausgebildete Erzieher, sagt Schaack. Seine Kollegin ist froh, mit den Kindern außer den Flik-Zimmern alle Räume der Zeppelinschule inklusive Turnhalle und Schulhof nutzen zu können. „Wir sind durch die Unterstützung des Trägervereins wirklich gut ausgestattet“, betont sie.

Vorstandsvorsitzende ist von Beginn an Angela Sachweh, die 1995 auf der Suche nach einen Hortplatz gewesen und an der Zeppelinschule fündig geworden sei, berichtet Schaack. Die Kontinuität umfasse auch Schatzmeister Alfred Zimmermann, dessen Kinder längst der Schule entwachsen sind. „Mittlerweile betreuen wir die Kinder unserer früheren Hortschüler“, sagt Straube.

Die Kooperation mit der Schule und den Schulleitern funktioniere seit drei Jahrzehnten ausnehmend gut, erklärt Schaack. Auch die aktuelle Direktorin, Katja Steinmüller-Kraushaar, stehe fest an der Seite des Fliks und habe sich dafür ausgesprochen, dass der Hort fester Bestandteil der Schule bleibt. Schaack und Straube bauen auf ihr Konzept, das ihrer Überzeugung nach auch die nächsten 30 Jahre überdauern könnte. „Bei uns lernen Kinder eher häkeln als eine Tastatur zu bedienen“, sagt der Hortleiter. Auch künftig soll im Flik eine „technikfreie Zone“ geboten werden.

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