Speyer Holz und wunderbarer Häkel-Horror

Der Kunstverein und die Städtische Galerie im Speyerer Kulturhof präsentieren im nächsten Jahr in elf Einzel- und Gruppenausstellungen eine große Bandbreite zeitgenössischer Kunst.
Los geht es mit zwei Gruppenausstellungen: Der Kunstverein tritt ab 24. Januar mit einer reiferen „Boygroup“ (Werner Neuwirth, Matthias Will und Gerd Winter) an, die schon mehrfach in dieser Formation ausgestellt hat und gemeinsam „Linie, Fläche und Raum“ thematisiert. Die drei ehemaligen Frankfurter Städel-Schüler bespielen mit ungegenständlicher Malerei und Stahlskulpturen die oberen Räume. Fünf Tage später legt die Städtische Galerie mit einem Künstlerinnen-Trio nach: Ab dem 29. Januar stellen die Pfälzerinnen Marita Mattheck, Sylvia Richter-Kundel und Anne-Marie Sprenger unter dem Titel „Scheinbar“ Malerei, Grafik und Objekte aus. Auch sie setzen auf den Synergieeffekt der verschiedenen Disziplinen, tendieren thematisch aber mehr zum Gegenständlichen. Das Kontrastprogramm ab März: zwei Solitäre, die ganz auf Malerei setzen. „Barocktikum“ betitelt der 1970 in Russland geborene Berliner Maler Grigori Dor seine Ausstellung. „Siebzig“ heißt die Jubiläumsausstellung der Speyerer Malerin Anne Ludwig. Seit fast 30 Jahren in zahlreichen Ausstellungen vertreten, sind Ludwigs kontemplative und farbintensive Landschaftsbilder in der Region bekannt und geschätzt. Neugierig kann man auf die Ölmalereien des Russen sein. Manieriert und üppig sind seine neo-barocken Szenerien, in denen er voluminöse Blüten, schimmernde und zerbeulte Oberflächen und Gesichtsfragmente vor düsterem Hintergrund drapiert. Ab Mai folgt eine Reihe von Ausstellungen, die – Absicht oder Zufall? – alle von einem Material ausgehen: Holz – und seinem Produkt Papier. Es beginnt im Mai mit einer großen Ausstellung in beiden Häusern: „Xylon“, die deutsche Abteilung der internationalen Vereinigung der Holzschneider, zeigt in ihrer Wanderausstellung knapp 100 Arbeiten von 57 Künstlern, die das alte Medium Holzschnitt überraschend und vielfältig neu interpretieren. Papier ist seit Jahrzehnten das Medium von Gloria Brand, deren Collagen ab Juli in der Städtischen Galerie zu sehen sind. Auch für die Künstler der Berliner Wichtendahl-Galerie, die ab Juli unter dem Titel „Light And Shadow“ im Kunstverein ausstellen, ist Papier weit mehr als ein Trägermaterial. Fragile Skulpturen und Objekte aus Papier oder „Pulp“, also der Papierrohmasse, und Extrem-Scherenschnitte gehören zum Repertoire der zeitgenössischen Papierkunst. Poetisch geht es im Herbst zu: Anja Harms und Eberhard Müller-Fries beschwören ab September „Uraltes Wehn vom Meer“ in der Städtischen Galerie. Gedichte mit dem Thema Meer von Rilke, Celan oder Fried sind die Grundlage ihrer „Buch-Skulpturen“, in denen Typographie, Papier und Holz eins werden. Es folgen noch die Ausstellung „Waldstücke“ mit Arbeiten von J. S. Wurmer und Wilhelm Beestermöller und eine Schau mit Werken von Bernhard Jäger, bevor Patricia Waller die amüsante und verstörende Welt ihrer „Häkelobjekte“ ab November im Kunstverein installiert. Brave Handarbeit und Schreckensbilder vereint sie in ihrer leicht blutrünstigen Wollkunst zu wunderbarem Häkel-Horror.