Speyer Hohe Verkehrsdichte
Die bedeutendste Wasserstraße Deutschlands, sogar Europas, bildet die S-förmige Ostgrenze der Stadt: der Rhein. Über 70 Prozent der Transporte per Binnenschiff in Deutschland finden darauf statt. Jens Abendroth, Speyerer Außenbezirksleiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Mannheim, ist mit seinen Mitarbeitern für den reibungslosen Schiffsverkehr auf einem rund 40 Kilometer langen Abschnitt zwischen Rheinhausen und Mannheim verantwortlich.
„Etwa 30 Millionen Tonnen Güter werden auf dem Fluss pro Jahr transportiert. Das entspricht etwa drei Millionen Lastwagen, die der Wasserverkehr auf den Straßen ersetzt“, berichtet Abendroth. Tendenz zunehmend. Auch die Fahrgastschifffahrt werde immer wichtiger. „Die Anzahl der Hotelschiffe auf dem Rhein hat sich in den vergangenen sechs, sieben Jahren mindestens verdoppelt“, schätzt er. Auf dem Rhein – es gibt dort keine Geschwindigkeitsbegrenzung – teilt sich die gewerbliche Schifffahrt den Platz mit Sportbooten, Jetskis, Kanufahrern, Ruderern und Schwimmern: Grundsätzlich verboten ist laut Abendroth keine Wassersportart. Aber für bestimmte Aktivitäten müssen sich Wassersportler an ausgewiesene Strecken halten. Zum Beispiel, wer mit dem Jetski oder auf Wasserskiern Pirouetten drehen möchte. Auch das Schwimmen im Rhein sei mit Ausnahme von Brücken-, Schleusen- und Hafenbereichen erlaubt – aber gefährlich. „Der Rhein hat hier eine Fließgeschwindigkeit von 1,2 bis 1,5 Meter pro Sekunde, das entspricht etwa vier bis sechs Kilometern pro Stunde. Aber die Schiffe bewegen das Wasser, erzeugen zusätzliche Strömungen, die selbst einen Erwachsenen, der knietief im Wasser steht, in den Fluss ziehen können.“ Todesfälle durch Ertrinken kämen in seinem Rhein-Abschnitt immer wieder vor. Nicht vergessen sollten Schwimmer im eigenen Interesse, dass ein Schiff einem Schwimmer kaum ausweichen kann. „Beim Schiff kann der tote Winkel bis zu 100 Meter betragen. Und selbst wenn der Kapitän einen Schwimmer sieht: Ein Schiff hat einen Bremsweg von Kilometern, nicht Metern.“ Die Pflanzen- und Tierwelt des Rhein-Hauptstroms sei nicht gerade vergleichbar mit der Artenvielfalt am Altrhein. „Der Rhein ist nun einmal ein stark verändertes Bauwerk“, so Abendroth, und die Sicherheit der Schifffahrt auf der Wasserstraße stehe bei seiner Arbeit an erster Stelle. Dennoch hat der Ingenieur zwei dicke Bände über geschützte Tiere und Pflanzen auf seinem Schreibtisch liegen. Abendroth: „Bei all unseren Arbeiten führen wir eine artenschutzrechtliche Prüfung durch.“ Wenn zum Beispiel auf einem Baum, der akut umsturzgefährdet ist, ein Eisvogel brütet, werde der gefährdete Bereich abgesperrt und der Baum erst nach der Brutzeit gefällt. Bäume würden überhaupt nur gefällt, wenn sie akut gefährlich seien. Auch einige Eidechsenarten, die im Bereich von gepflasterten Böschungen leben, sind geschützt. Am Pflaster arbeite das Amt deshalb erst, wenn die Eidechsen nicht mehr aktiv sind. Am Speyerer Rheinufer ist auch eine selten vorkommende, unscheinbar aussehende, krautige Pflanze zu finden, erzählt Abendroth: der Haarstrang. „Diese Pflanze ist die einzige Futterquelle für die Raupen der geschützten Haarstrangwurzeleule, eine Schmetterlingsart. Ohne diese Pflanze können die Tiere nicht überleben“, erklärt der Außenstellenleiter. Für das WSA heißt das: Wiesen, auf denen der Haarstrang wächst, jährlich wechselnd in Streifen mähen. Und nicht vor Juli oder August. Zum Schluss zeigt Abendroth auf eine Schranke direkt am WSA. „Vor 14 Jahren, als ich zum WSA kam, gab es kaum Schranken. Inzwischen ist am Rheinufer fast alles abgeschrankt.“ Schuld daran seien die Menschen selbst: Weil sie Müll am Ufer entsorgten. Oder weil immer wieder Autos in den Rhein rollten, da Menschen direkt ans Wasser fahren wollen – und wohl die Handbremse vergessen.