Speyer Hoffen auf Licht – im nächsten Jahr
Temperaturen, Atmosphäre, Kulisse – in Berghausen war am Wochenende alles auf das bevorstehende Fest der Liebe eingestellt. Rund um Kirche, Altes Bürgermeisteramt und Zehnthaus haben unzählige Besucher den traditionellen Weihnachtsmarkt mit allen Sinnen genossen. Einziger Wermutstropfen für die Besucher: Die katholische Kirche blieb im Dunkeln.
Viele Besucher waren enttäuscht über die Entscheidung des Ortskartells, in diesem Jahr auf den Lichterteppich über dem Hauptportal der katholischen Kirche zu verzichten, viele zeigten sich auch überrascht. „Ich bin nicht katholisch und wahrscheinlich darum nicht informiert“, sagte ein Protestant aus Berghausen. Der Entscheidung des Ortskartells, keine Lichter an der katholischen Kirche aufzuhängen, ist eine Umfrage des Verwaltungsrats der katholischen Pfarrgemeinde vorausgegangen. Bei der Umfrage hatte sich, wie berichtet, eine Mehrheit (54) für eine Beleuchtung ab dem ersten Adventswochenende ausgesprochen. Der Verwaltungsrat hatte aber angesichts der weiteren Ergebnisse (52 für Beleuchtung an den Wochenenden und von Heiligabend bis Dreikönig, 31 ab Heiligabend, 13: keine Beleuchtung) entschieden, dem Ortskartell die Beleuchtung nur noch an den Wochenenden und ab Weihnachten vorzuschlagen. Woraufhin das Ortskartell entschieden hatte, ganz auf das Anbringen des Lichterteppichs zu verzichten , weil sich der Aufwand nicht lohne. Simone Wenzl, seit fünf Jahren in Berghausen ansässig und genau so lange mit ihrem selbst hergestellten Modeschmuck am Weihnachtsmarkt beteiligt, fühlte sich eines wichtigen Stimmungsbildes beraubt. „Ganz, ganz schade“ finde sie die Entscheidung, auf den Lichterteppich zu verzichten. „Ich hoffe, dass wir ihn im nächsten Jahr wieder haben“, sagte sie. „Es war doch immer so schön“, schloss sich Hans-Jürgen Fassot den Worten seiner Stand-Kollegin an. Inmitten von ihm und seiner Mutter in den vergangenen Wochen gewundenen Adventskränzen, gestrickten Wärmespendern, gebastelten Wichteln, Peddigrohr-Körbchen oder Kerzen aus Wachsresten geriet der Berghausener bei der Erinnerung an Lichterglanz der vergangenen Jahre ins Schwärmen. Er sei „völlig ahnungslos“ von der Entwicklung zu mehr Dunkelheit im adventlichen Berghausen geblieben. „Das müssen wir unbedingt wieder ändern“, appellierte er an Kollegen und Kunden. Einfacher hatte es da ein Kind, es war sich sicher: „Das Christkind bringt die Lichter bestimmt zu Weihnachten.“ „Zu unserem Dorffest gehören die Lichter an der Kirche“, betonte Thomas Jester-Zürker, Vorsitzender des Römerberger Pfälzerwald-Vereins. Andererseits sei der Aufwand auch nicht zu verachten, den Ortskartell und Feuerwehr für die Anbringung des Lichterteppichs aufgewendet hätten. „Man hätte eine gemeinsame Lösung finden können“, kritisierte er den Alleingang der Katholiken ohne Einbeziehung des Ortskartells. Das Argument, die Kirche wolle sich nicht am Kommerz beteiligen, ziehe für ihn nicht, sagte Jester-Zürker. „Unser Weihnachtsmarkt wird ausschließlich von Vereinen und Privatleuten bestritten.“ Er hoffe auf mehr Kirchen-Licht im nächsten Jahr. „Es ist, wie es ist“, brachte es Juliane Eberle aus Dudenhofen auf den Punkt. „In diesem Jahr müssen wir dafür unsere Zelte umso mehr schmücken“, sagte sie an ihrem hell erleuchteten Stand voller originell genähter Deko und Holzengel. Kinder zog es besonders hinter die Kirche zum hell lodernden und gleichzeitig wärmenden Stockbrot-Feuer des Obst- und Gartenbauvereins. Beliebt war auch der heiße Orangensaft, den die Jugendfeuerwehr im Holzhäuschen neben dem Waffel-Stand der Weiberbraten-Frauen anbot. Den meisten Andrang gab es vor dem Zelt, in dem Glasbläserin Daniela Einhardt erstmals auf dem Berghausener Weihnachtsmarkt Glaskugel-Blasen für Menschen ab fünf Jahren anbot. Pause hatte sie nur am Samstagnachmittag, als der Kinderchor des MGV Heiligenstein den Weihnachtsmarkt musikalisch eröffnete. Den Programm-Höhepunkt wollte sich auch Ernst Bader nicht entgehen lassen. Dafür überließ er sogar seine weihnachtlichen Holzschnitzereien für eine Weile sich selbst. Auch die Märchenerzählerin verließ ihren Sessel vor dem Hexenhaus unterhalb der Kirchenstufen, um den Liedern der Kinder, den Männern aus Heiligenstein und Berghausen und dem Musikverein Berghausen ungestört zuhören zu können. 170 Paar Socken habe sie in den vergangenen Wochen gestrickt, erklärte Sabine Schneider aus Dannstadt-Schauernheim ihren geübten Umgang mit vier Nadeln. Und im Weihnachts-Café im Zehnthaus ließen sich am Samstagabend zahlreiche Besucher selbst gebackene Kuchen für den Kaffeetisch einpacken.