Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Hockey: Ausgerechnet jetzt kommt Corona

Haben gut Lachen: Speyers Mädchen C.
Haben gut Lachen: Speyers Mädchen C.

Für gewöhnlich sind die Hockeyspieler zu dieser Zeit längst ins Freie zurückgekehrt, spielen nach Ostern wieder um Punkte. Doch Corona hat auch da was dagegen. Das ist besonders bitter für den HC Blau-Weiß Speyer, befindet sich doch dessen Jugendarbeit gerade wieder im Aufwind.

Sage und schreibe 22 Jugendmannschaften in fünf verschiedenen Altersklassen, jeweils männlich und weiblich, vertraten die Speyerer in der Hallenrunde und brennen nun drauf, dass es endlich weitergeht. Dass an die 100 Nachwuchsspieler auf den Weiherhof wollen, ist auch ein Ergebnis der verstärkten Werbeaktionen im vergangenen Jahr.

In den unteren Jugendklassen sei eine klare Trendwende eingeleitet, teilte der Club mit: „Qualifizierte Trainer und Nachwuchskonzept sollen dafür sorgen, dass Talente länger im Verein bleiben und Nachwuchs für die Aktivenmannschaften aus der eigenen Jugend nachkommt.“

Die 100 sind alle Eigengewächse und verhelfen dem HC damit zu einer Sonderstellung über den Hockeysport hinaus. 355 Mitglieder zählen die Blau-Weißen. Die 181 Minderjährigen machen damit fast die Hälfte aus.

Qualifizierte Trainer

Die hohe Anzahl der Gesamtteams ergibt sich auch daraus, dass bei den Jüngsten eine Auswahl aus vier Akteuren besteht, erst bei den älteren aus sechs. Zudem laufen einige Kräfte für verschiedene Mannschaften aus, dabei auch in höheren Altersklassen. Das erklärt die hinteren Ergebnisse in den Abschlusstabellen.

An Übungsleitern stehen ein A-, drei B- sowie vier C-Trainer auf Honorarbasis zur Verfügung. Zudem engagieren sich die Jugendlichen als Assistenten. Jedes Team bekommt so mindestens zwei Betreuer.

Fast 20 Talente der Unter-Zwölf- bis -16-Jährigen schafften den Sprung ins Pfalz-Stützpunkttraining der Jüngeren oder in den Rheinland-Pfalz/Saar-Kader bei den Älteren. Damit knüpft der HC an seine gewohnte Rolle als Ausbildungsverein an. Sechs auf dem Weiherhof groß gewordene Hockeyer treten derzeit in der Bundesliga an.

Große Hoffnungen

Auf dem Feld mit seinen größeren Plätzen schrumpft die Anzahl auf 15 Jugendteams. Dabei besetzen Jungs und Mädchen sechs Altersklassen. Die Mädchen C, also die Neun- und Zehnjährigen, stellen mit 24 die größte Gruppe aller Zeiten.

Schon im Winter warteten die Kinder um Coach Justus Müller mit zwei, manchmal sogar drei Mannschaften auf. Der HC: „Kein anderer Verein hatte einen derart gut aufgestellten Kader.“ Beim Heimspieltag kam ein Trio auf fünf Siege, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen bei 33:10 Toren.

Wenn es wieder weitergeht, streben die ältesten Mädchenjahrgänge über einen der ersten beiden Plätze auf Rheinland-Pfalz/Saar-Ebene die Qualifikation für die Zwischenrunde für die nationalen Titelkämpfe an.

Ungewisse Zukunft

Die Hoffnung ruht auf den Knaben B, betreut von Ex-Nationalspieler Heiner Dopp. Sie peilen den Sieg der Rheinland-Pfalz/Saar-Runde an. Die gleichaltrigen Mädchen streben Verbesserungen im Vergleich zur Hallensaison an. Bei den Jüngsten stehen natürlich Weiterentwicklung und Einbindung der Anfänger im Vordergrund.

Derweil sagte der Verein sein Ostercamp wegen des Coronavirus ab. Turniere mit Übernachtungen in Frankfurt, Köln, Mannheim sowie Bad Kreuznach, Vereinsaktivitäten fallen aus.

Aufstiegskurs

Vielleicht reisen ja im Sommer wieder wie 2019 Nationalspieler an, um mit der Jugend zu üben. Bis dahin hält sie sich mit den Programmen ihrer Trainer fit oder macht online bei den Geschicklichkeitsübungen mit.

Die Herren warten auf die Fortsetzung der im Herbst begonnenen Spielzeit. Sie belegen in der ersten und Zweiten Verbandsliga derzeit den Aufstiegsplatz. Die Damen bilden mit TG Worms eine Gemeinschaft, planen aber für 2020/21 die Rückkehr zur Eigenständigkeit, wenn die Nachwuchskräfte aufrücken.

So spielten sie

Herren: 2. Erste Hallen-Verbandsliga - Herren II: Dritte Verbandsliga - Männliche Jugend B (15/16 Jahre): Vizemeister Verbandsliga - Weibliche Jugend B: Platz acht süddeutsche Meisterschaft, Rang zwei - Rheinland-Pfalz/Saar - Weibliche Jugend B II: Verbandsliga-Meister - Knaben A (13/14): 6. Oberliga - Mädchen A: 5. Oberliga - Mädchen A II: 8. Verbandsliga - Knaben B (11/12): Pfalzmeister, 2. Oberliga - Knaben B II: 3. Verbandsliga - Mädchen B: 6. Oberliga - Mädchen B II: 6. Verbandsliga - Mädchen B III: 8. Verbandsliga - Mädchen C: Zwei Turniersiege

RHEINPFALZ-Kommentar

Schön wär’s ja, wenn der traditionsreiche Hockeyclub in der Sportstadt Speyer wieder eine noch tragendere Rolle einnimmt. Klar, Frankenthal und Bad Dürkheim sind dem Verein, der einst selbst zweitklassig spielte, enteilt. Aber nach Jahren des Pendelns zwischen den Regionalligen in der Verbandsliga den Aufstieg zu verpassen, kann’s nicht sein.

Nürnberg, Frankfurt, Heidelberg, Ludwigsburg und München hießen doch die Konkurrenten. Nun bewerben sich weitere Pfalz-Rivalen wie Ludwigshafen, Kaiserslautern oder gar mal Neustadt. Einher mit dem sportlichen Abschwung ging manchmal fehlende Kontinuität in der Vereinsführung in Zeiten nach Vereinschef Roland Halling.

Nicht zu vergessen ist die soziale Funktion der Weiherhöfler mit ihrer jahrzehntelangen Beteiligung mit einem großen Stand am Altstadtfest oder den legendären Sommerfesten, mit Vereinsturnier und Elternmannschaft einer wieder erstarkten Jugendabteilung.

x