Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Hochwasser: Rheinpegel in drei Tagen verdoppelt

Menschenleer und sehr nass: Helmut-Kohl-Ufer am frühen Sonntagmorgen.
Menschenleer und sehr nass: Helmut-Kohl-Ufer am frühen Sonntagmorgen.

Speyer ist an einem größeren Hochwasser vorbeigeschrammt. So hat sich am Sonntag um 20 Uhr die Lage am Pegelhäuschen nahe der Hafenvillen mit 7,97 Metern dargestellt. Erst ab circa 8,20 Meter tritt der Einsatzfall für Feuerwehrchef Peter Eymann ein. Bis dahin sind die Mitarbeiter der Stadtverwaltung am Steuer. Die waren entspannt.

In kaum 72 Stunden von knapp vier auf fast acht Meter anzuwachsen: Das hat der Rhein von Freitagmorgen- bis Sonntagabend am Pegel Speyer geschafft. Dann schien am Sonntag gegen 20 Uhr bei 7,97 Metern aber auch (fast) Schluss zu sein. „Die Tendenz des Rheins ist fallend“, sagte Florian Benner, der bei der Stadtverwaltung im Bereich Tiefbau beschäftigt ist und sich im Hochwasserfall um die Schöpfwerke von Fischergraben (im Domgarten), Hilgardgraben, Speyerbach und Franzosengraben (bei der A-61-Rheinbrücke) kümmert.

Die Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) Baden-Württemberg erwartete gegen Mitternacht den Höchststand des Hochwassers am Pegel Speyer bei circa acht Metern. „Normalerweise würden dann die Pumpen des Schöpfwerks am Speyerbach anlaufen. Doch weil der Rhein dann gleich wieder zurückgeht, haben wir die Automatik ausgeschaltet“, teilte Peter Eymann mit, der städtische Brand- und Katastrophenschutzinspekteur. Auch der Feuerwehrchef und seine Kollegen waren am Wochenende „bloß“ in Bereitschaft und nicht im Einsatz. „Wir haben die Kollegen bei der Stadtverwaltung, die die Deiche inspizierten, mit Ausrüstung versorgt“, sagte Eymann.

Schöpfwerk-Test glückt

„Wir haben bei dem nicht allzu hohen Wasserstand die Deiche beobachtet und keine regelrechte Deichwache eingerichtet“, teilte Florian Benner mit. Außer beim größten Schöpfwerk, dem am Speyerbach, bei dem ein Probelauf aller sechs Pumpen mit einer Gesamtleistung von 15.000 Litern pro Sekunde am Sonntagnachmittag einwandfrei über die Bühne gegangen sei, wurden nach seinen Angaben auch die weiteren Pumpenanlagen bloß in Einsatzbereitschaft versetzt. Zum Laufen sei bis Sonntagabend keines gekommen, „weil in den Gräben kein Wasser floss, das sich hätte zurückstauen können“, so Benner.

Der Ingenieur hat zusammen mit seinen Kollegen vom Baubetriebshof, Martin Löffler, Peter Gerlach und Jürgen Feiniler, die Funktionsfähigkeit der Schöpfwerke im Lauf des Sonntags überprüft. Weitere Mitarbeiter der Stadt übernahmen die Deichbeobachtung. „Bis jetzt wurden keine Schäden entdeckt“, sagte Benner am Sonntagabend.

Donnerstag zweite Welle?

Wohl weniger, um ein Leck an einem Damm oder einer Hochwasserschutzwand zu entdecken, sondern aus Neugier haben am Sonntagnachmittag zahlreiche Fußgänger das Rheinufer zwischen dem Pegelhäuschen und der Salierbrücke bevölkert. Am Pegel sind viele Schaulustige stehen geblieben und haben ein Foto von der Wasserstandsanzeige gemacht. Darunter war ein Mann, der aus Schleswig-Holstein stammt, aber in Kaiserslautern wohnt. „Ich wollte mal wieder Wasser sehen“, sagte er begeistert beim Anblick des breiten Flusses.

Weniger erfreut dürften die Schiffer gewesen sein, nachdem der Verkehr auf dem Strom bis Germersheim eingestellt wurde, als in Maxau am Freitag um 23.45 Uhr die Hochwassermarke II mit 7,50 Metern erreicht wurde. In Speyer war die Marke von 7.30 Metern am Sonntag um 0.45 Uhr fällig.

Am Montag soll der Pegelstand auf circa 7,75 Meter sinken, prognostiziert die HVZ. Am Dienstag und Mittwoch soll der Rhein um die 7,50 Meter liegen, bevor er ab Donnerstag wieder Richtung acht Meter steigen könnte. Das wäre eine Belastung für die Deiche und würde im Speyerer Süden zu Druckwasser auf Äckern und in Kleingärten führen.

Reger Betrieb: Rheinufer zwischen Pegelhäuschen und Hafenvillen am Sonntagnachmittag.
Reger Betrieb: Rheinufer zwischen Pegelhäuschen und Hafenvillen am Sonntagnachmittag.
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