SPEYER RHEINPFALZ Plus Artikel Historisches Museum der Pfalz: Abriss oder Sanierung?

Das Historische Museum der Pfalz in Speyer. Im Vordergrund ist der Neubau zu erkennen. Durch dessen Dach ist jahrelang Wasser ei
Das Historische Museum der Pfalz in Speyer. Im Vordergrund ist der Neubau zu erkennen. Durch dessen Dach ist jahrelang Wasser eingedrungen. Deshalb kann der Neubau seit 2015 nicht mehr genutzt werden.

Seit 2015 kann das Museum in Speyer seinen erst 1992 eröffneten Neubau nicht mehr nutzen: Durch das undichte Dach dringt Wasser ein, Schimmel hat sich gebildet. Auch im nächsten Jahr ist an eine Lösung noch nicht zu denken. Zuerst muss eine Grundsatz-Entscheidung getroffen werden.

Sanierung und Umgestaltung oder Abriss und Neubau – was ist wirtschaftlicher? Das ist die Schlüsselfrage, die es zu beantworten gilt, sagt der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder (CDU) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Stiftungsrates der Museumsstiftung. Eine Antwort sollte ein Gutachter liefern. Doch weil der im Wesentlichen nur eine Sanierung der Wasserschäden im Bestand, also ohne größere Veränderungen, berücksichtigt habe, hätten die Landesbehörden dessen Analyse nicht anerkannt. Denn das Gebäude solle nach dem Willen der Stifter auch umgestaltet werden: Wände sollen versetzt, neue Räume geschaffen, ein Fahrstuhl eingebaut und technische Anlagen modernisiert werden. Damit solle dem Museum eine Zukunftsperspektive gegeben werden, wie sie auch in den bisher beim Land gestellten Förderanträgen beabsichtigt war.

Zweites Gutachten wird mit Spannung erwartet

Deshalb wurde laut dem Bezirkstagsvorsitzenden im Frühsommer ein ergänzendes Gutachten auf Grundlage eines mit dem Land abgestimmten Fragenkataloges in Auftrag gegeben. In dieser Untersuchung sollen auch die Umgestaltungsaspekte berücksichtigt werden. Das Papier sollte bis November abgegeben werden, noch sei es aber nicht eingetroffen.

Erst wenn es vorliege, können die beiden Alternativen – Sanierung oder Neubau – sachgerecht bewertet werden, erläutert Wieder. Keine leichte Aufgabe. Zum einen, weil das Museumsprojekt mit allen Beteiligten abgestimmt werden muss. Dazu zählen die Mitglieder der Museumsstiftung, die auch die Bauherren-Rolle übernommen hat. Mitglieder sind das Land Rheinland-Pfalz, der Bezirksverband Pfalz, die Stadt Speyer sowie die beiden Kirchen und der Historische Verein der Pfalz. Wobei Land, Bezirksverband und Stadt die wichtigsten Finanziers des Historischen Museums sind.

Zum anderen fällt die Antwort auf die Grundsatzfrage „Sanierung oder Neubau?“ auch deshalb schwer, weil bei der Neubau-Variante keineswegs bei null angefangen werden kann. Denn das Gebäude befindet sich an einem Ort, an dem das Grundwasser hoch ansteht. Deshalb wurde der Neubau über einer „Weißen Wanne“ errichtet. Das ist eine Konstruktion, die ein Gebäude gegen Grundwasser abdichtet. Und diese Wanne muss bei einem Neubau in die Überlegungen einbezogen und erhalten werden.

Andererseits kommt angesichts des jahrelang durch das Dach eingedrungenen Regenwassers auch die Sanierungs-Variante einem teilweisen Neubau zumindest nahe, wie seit langem feststeht: Ein Abriss bis auf die noch verwendbaren Grundmauern wird selbst dann noch notwendig sein. „So oder so wird es massive Eingriffe geben“, betont der Bezirkstagsvorsitzende. In jedem Fall werde zu berücksichtigen sein, welche Auswirkungen die Arbeiten durch Lärm und Staub auf den Museumsbetrieb im Altbau haben. Denn der solle auch während der Bauphase fortgesetzt werden.

Liegt das Ergänzungsgutachten vor und haben sich die Stifter auf eine der beiden Alternativen verständigt, kann laut Wieder die Projektplanung angegangen werden: Europaweite Ausschreibung, Ausarbeitung der Planung durch ein Architekturbüro. Wohlgemerkt: Bis dahin geht es um Planung, da wird noch kein einziger Stein bewegt.

Prüfung durch den Landesrechnungshof?

Hinzu kommt, so der Bezirkstagsvorsitzende: Das Land hat sich bei größeren Bauprojekten eine Prüfung durch den Landesrechnungshof vorbehalten. Beim Museum wurde bereits vor einem Jahr mit Gesamtkosten von rund 16 Millionen Euro kalkuliert – das ist kein Pappenstiel. Wenn also der Landesrechnungshof einzubeziehen ist, dann wäre zu überlegen, ob dies bereits im Planungsstadium erfolgen sollte. Denn dann könnten die Speyerer Kassenprüfer noch in die frühen Weichenstellungen eingreifen.

All dies zeigt: Bevor im Museumsneubau der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, wird noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen. Eine Prognose, wann dies sein könnte, wagt Wieder nicht. Vor rund zwei Jahren war noch das Jahr 2024 in Aussicht gestellt worden – vorausgesetzt, es läuft alles wie am Schnürchen. Doch das tut es eben nicht.

Erstmals gibt es einen dreigeteilten Haushalt

Demgegenüber kommt die Neuorganisation des Museumshaushaltes voran. Danach wird es ab 2021 einen dreigeteilten Etat geben: Einen für den „normalen“ Museumsbetrieb, einen für die Sonderausstellungen und einen für das Bauvorhaben. Davon verspricht sich Wieder mehr Transparenz und stabile Zahlungsverpflichtungen für die Museumsstifter.

In dem Etat für die Sonderausstellungen sollen die damit verbundenen Aufwendungen (Leihgebühren, Personalkosten, Versicherungen) sowie die Einnahmen (Sponsoren- und Eintrittsgelder) verbucht werden. Reichen die verfügbaren Mittel zur Vorfinanzierung künftiger Ausstellungsprojekte nicht aus, soll das Museum auf einen Liquiditätskredit zurückgreifen können. Den stellt der Bezirksverband Pfalz zusätzlich zu seinen Stifterzahlungen für den Museumsbetrieb zur Verfügung. Wird mit einer Sonderausstellung ein Überschuss erzielt, kann er vorgetragen und zur Rückführung des in Anspruch genommenen Kredites genutzt werden. Und nach vier Jahren ziehen die Stifter einen Strich unter Einnahmen und Ausgaben. Bei einem Defizit muss erst dann gemeinsam für einen Ausgleich gesorgt werden.

x