Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Hinter den Kulissen der Speyerer Herbstmesse

Ein Blick von oben auf die am frühen Abend noch mäßig besuchte Herbstmesse.
Ein Blick von oben auf die am frühen Abend noch mäßig besuchte Herbstmesse.

Noch bis Sonntag lockt die Speyerer Herbstmesse. Bei einer exklusiven Tour haben Schausteller über vielen Besuchern unbekannte Facetten des Volksfestes berichtet.

Um Punkt 17 Uhr versammeln sich rund 30 Neugierige vor dem Riesenrad. Die Stadt Speyer hat am Donnerstag zur Backstage-Tour über die Herbstmesse eingeladen – und das Interesse war groß: „Die Plätze waren schnell vergeben“, sagt Lena Damian von der Stadtverwaltung, die die Gruppe an diesem Abend begleitet. Das Versprechen der Veranstaltungsleiterin des Volksfestes: exklusive Einblicke hinter die Kulissen der 778. Herbstmesse, die in diesem Jahr 63 Stände zählt und auch ein paar Neuheiten bereithält.

Erster Halt: ein Laufgeschäft, das am Vortag Schlagzeilen gemacht hatte. Dort hatte sich der Schal einer 39-jährigen Besucherin in einem rotierenden Hindernis verfangen. Die Mitarbeiterin habe sofort die Anlage gestoppt und Erste Hilfe geleistet, erklärt die Stadt Speyer dazu. Die Frau musste ins Krankenhaus gebracht werden. Polizei und Stadt sehen allerdings kein Fehlverhalten des Betreibers – das Unglück sei ein Eigenverschulden. Denn schon im Eingangsbereich warnt ein Schild deutlich: „Keine Schals, Tücher, Rucksäcke, Taschen, spitze Gegenstände.“ Der Betrieb läuft seit Donnerstag daher wieder normal weiter.

„Jede Runde ist ein bisschen anders“

Gleich nebenan empfängt Andreas Elster die Besucher. Er betreibt auf der Herbstmesse eine Verlosung – eine echte Familientradition, wie er erzählt: „Meine Eltern haben das 35 Jahre lang gemacht, ich bin jetzt im 14. Jahr. Auch die Eltern meiner Frau standen hier sehr lange.“

Dann geht es weiter zum „Avenger“, einem Fahrgeschäft für Mutige. Betreiber Florian Kirschbaum erklärt stolz, dass seine Riesenschaukel 24 Meter hoch sei und neu rund 1,5 Millionen Euro kosten würde. „Ich hab sie gebraucht gekauft und zahle sie noch ab“, sagt er lachend. Sicherheit habe bei ihm Priorität: eine Dreifachverriegelung, die selbst bei Stromausfall geschlossen bleibt, und eine manuelle Steuerung jeder einzelnen Fahrt. „So ist jede Runde ein bisschen anders.“ Die tonnenschwere Anlage wird durch 13.000 Liter Wasser stabilisiert – ohne den richtigen Pegel fährt der „Avenger“ keinen Zentimeter.

Kirschbaum, der aus der Nähe von Würzburg stammt, erzählt auch vom Alltag auf Tour: Von stressigen Terminplänen und wenig Schlaf, von langen Fahrten – und davon, wie seine Tochter unterwegs am Schulunterricht teilnimmt. Während einige Besucher mutig eine Fahrt wagen, berichtet Veranstaltungsleiterin Damian von organisatorischen Hürden: „Wir müssen mit dem Landesbetrieb Mobilität und dem Flugplatz abstimmen, welche Fahrgeschäfte wo stehen dürfen. Wäre der ’Avenger’ nur ein Stück höher, müsste er an einen anderen Platz.“

Ein paar Meter weiter öffnet Damian den Container des Katastrophenschutzes Speyer – das Lagezentrum der Messeleitung. Auf einem Monitor ist die aktuelle Wetterlage zu sehen, über eine gemeinsame Gruppe werden bei Sturmwarnungen alle Betreiber informiert. „Wenn etwas passiert, wird hier entschieden“, sagt sie.

Die Besucher der Tour fahren eine Runde im Autoscooter.
Die Besucher der Tour fahren eine Runde im Autoscooter.

Ein Betreiber braucht einen Waffenschein

Nächster Gastgeber: Dominik Roßkopf, Betreiber eines Autoscooters in dritter Generation. 2008 hat er das Geschäft gebraucht übernommen. „Vier Anhänger braucht allein der Autoscooter, zwei Wohnwagen kommen noch dazu“, erzählt er. Ein kleines Fahrzeug koste rund 8000 Euro, halte aber bei guter Pflege viele Jahre – seine aktuellen Autos stammen von 2004.

Peter Hupp, Betreiber einer Schießhalle, gewährt danach Einblicke in seinen streng regulierten Alltag. „Fast täglich kommt ein Kontrolleur und prüft die Waffen“, sagt er. Hupp besitzt den großen Waffenschein, einige seiner Mitarbeiter haben den kleinen. Von Februar bis November ist er durchgehend unterwegs – und muss seine Gewehre in jedem Bundesland neu bei der Waffenbehörde anmelden. „Pro Schütze dürfen nur drei Gewehre im Einsatz sein. Ein Gewehr kostet etwa 1600 Euro.“

Erst beantwortet Peter Hupp die Fragen der Besucher, dann dürfen sie an seinem Stand auch selbst schießen.
Erst beantwortet Peter Hupp die Fragen der Besucher, dann dürfen sie an seinem Stand auch selbst schießen.

Ein Biergarten als Finale

Zum Abschluss führt der Weg in den Biergarten von Patrick Barth, der bis zu 700 Gäste fasst. Barth hat neben der Messe bereits den Weihnachtsmarkt im Blick: „Ein Teil meiner 25 Festangestellten arbeitet schon im Lager und bereitet alles vor.“ Rund 50 Fahrzeuge umfasst sein Fuhrpark, verteilt auf drei Lagerhallen. Am Ende der Tour serviert Barth den Teilnehmern ein Getränk und etwas zu essen. Damit endet nach fast drei Stunden die Tour über die Herbstmesse für die knapp 30 Gäste, die sich dann mit Decken oder einem warmen Getränk aufwärmen.

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