Speyer Heute kommt die ganze Familie mit
Für die meisten kommt die Frage nach der Einschulung überraschend. So überraschend, dass ihnen nahezu nichts einfällt. Der Übergang in den neuen Lebensabschnitt sei damals anders als heute vonstattengegangen. Das betonen alle. Martina Kopf, Rektorin der Grundschule Berghausen, erinnert nur das Einschulungsbild daran, dass auch sie einmal Erstklässlerin gewesen ist. „Damals sind aus der ganzen Straße viele Kinder zur Schule gegangen“, sagt sie und weist darauf hin, dass um die Einschulung vor rund 55 Jahren nicht so viel Aufhebens wie heute gemacht worden sei. Nadine Wübbe, Rektorin der Hermann-Gmeiner-Schule Waldsee, weiß eines: „Ich habe mich nicht wirklich gefreut.“ Sie ist in einem kleinen Dorf im Hunsrück zur Schule gegangen. Mehr, als dass es eine Schultüte gab, ist Wübbe nicht im Gedächtnis. Auch ihre Kollegin Annabel Pazolt von der Karl-Hufnagel-Schule Harthausen kann nicht mehr berichten, als dass sie mit der Schultüte vor einer Tafel fotografiert wurde. Und: „Ich war enttäuscht, da die Tüte nicht ganz gefüllt, sondern in der Spitze mit Papier ausgestopft war.“ Eindruck hinterlassen hat die Schultüte auch bei Christiane Borger, die die Grundschule in Otterstadt leitet: „Die war selbst gebastelt und hatte als Motiv einen großen Fisch.“ Abgesehen von der selbst gebastelten Tüte erinnert sich Markus Mendel, Konrektor der Grundschule Lingenfeld, noch an die gelbe ADAC-Kappe, die er getragen hat. „Die gibt es heute in etwas anderer Form ja immer noch“, weist er auf die Modelle der Verkehrswacht hin. Und dann kommen sie doch, die prägenden Erinnerungen an den großen Tag. Heike Jochim, Konrektorin der Grundschule Dudenhofen, weiß noch genau, wie der erste Schultag damals ablief. „Ich war selbst hier an der Schule. Meine Eltern sind mit mir hergelaufen. Vorne am Tor stand ein Fotograf mit einer Tafel. Der hat jeden fotografiert – und das war’s“, erzählt sie. Das Foto existiere noch. Jochim denkt gerne an die damalige Zeit zurück. „Mir hat es an nichts gefehlt“, sagt sie und erzählt unter anderem von einem Stoffteufel, der damals für den Fibel-Unterricht eingesetzt wurde. Das Wesentliche geht ihrer Meinung nach heutzutage verloren, weil die Einschulung den Charakter eines rauschenden Fests bekommen habe. „Wir haben in diesem Jahr erstmals überlegt, Platzkarten auszugeben“, sagt Heike Jochim und berichtet, dass heutzutage ganze Gesellschaften zur Einschulung eines Kindes mitkämen. Einschulungen —Im Speyerer Umland werden unterschiedlich viele Kinder eingeschult. Ein Überblick: Harthausen: 29 Kinder, zwei Klassen; Dudenhofen: 54 Kinder, drei Klassen; Berghausen: 35 Kinder, zwei Klassen; Heiligenstein: 18 Kinder, eine Klasse; Waldsee: 63 Kinder, drei Klassen; Otterstadt: 40 Kinder, zwei Klassen; Lingenfeld: 52 Kinder, drei Klassen. —In Hanhofen, Mechtersheim und Schwegenheim hat die RHEINPFALZ in der vergangenen Woche niemanden erreicht. In Heiligenstein war es der Rektorin wegen Terminen nicht möglich, mit uns zu sprechen.