Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Hermann Layher hat einen von sechs „Blitzen-Benz“

 Rekordhalter: Der „Blitzen-Benz“ von Museumspräsident Hermann Layher ist 1911 das schnellste Fahrzeug gewesen und auch heute no
Rekordhalter: Der »Blitzen-Benz« von Museumspräsident Hermann Layher ist 1911 das schnellste Fahrzeug gewesen und auch heute noch schnell unterwegs.

Menschen und Motoren: Hermann Layher, Präsident der Technik-Museen Sinsheim und Speyer, hat einen mehr als 100 Jahre alten Schatz: den „Blitzen-Benz“. Layher entwickelt den Wagen immer weiter. Sein Ziel: Dem Namen alle Ehre machen.

23. April 1911, Daytona Beach in Florida: Bob Burman erreicht am Steuer des ersten von nur sechs im Mannheimer Werk gebauten Benz 200 PS auf dem fliegenden Kilometer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 228,1 Stundenkilometern. Dieser Rekord sollte acht Jahre lang bestehen. Vor 111 Jahren war kein anderes Fahrzeug, keine Eisenbahn und nicht einmal ein Flugzeug schneller, heißt es.

„Jeder Mensch, der sich halbwegs für historische Autos interessiert, kennt den ,Blitzen-Benz’“, sagt Layher. Der Diplom-Maschinenbauingenieur berichtet, dass es von den ursprünglich sechs gebauten Benz 200 PS heute bloß noch drei gibt. „Einen Wagen mit langem Radstand. Den hat unser Freund George Vingard in den USA. Dann gibt es einen mit Stromlinie, die aber nicht der Rekordkarosserie entspricht. Der Wagen steht heute im Mercedes-Benz-Museum. Und dann gibt es noch meinen, den habe ich 2016 gekauft.“

In vielen Rennen erfolgreich

Die wesentlichen Teile – Motor, Achsen, Lenkung – hatten im Daimler-Werk überlebt. Vorbesitzer Bill Evans hatte die Teile besorgt und sich das Auto aufgebaut. „Und wir haben ihn dann scharfgemacht“, sagt Layher. Vom 1909 gebauten Benz 200 PS habe bloß ein einziges Teil überlebt: der Kühler. „Das ist das wertvollste Stück Metall, das ich besitze. Manchmal lege ich die Hand auf den Kühler und denke: Mensch, was hat der für Sachen erlebt.“ Der Rekordwagen wurde in den USA zunächst „Lightning Benz“ und dann, weil es wohl martialischer Klang, „Blitzen-Benz“ getauft. In zahlreichen Rennen war er erfolgreich.

Dann wechselte der Wagen den Besitzer, wurde 1914 umgebaut und kam nach 1916 wieder nach Europa. Graf Louis Zborowski kaufte das Auto und verwendete im Jahr 1923 Teile davon für einen neuen Rennwagen, den Higham Special, auch „Babs“ genannt. Nach weiteren Umbauten wurde mit dem Wagen 1926 in Wales mit 273,6 Stundenkilometern ein neuer Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. Ein Jahr darauf wurde „Babs“ bei einem Unfall zerstört, am Strand vergraben und erst 1969 wiederentdeckt und restauriert.

Bei Rennunfall zerstört

Layhers Benz 200 PS wurde ab 2004 vom US-Amerikaner Bill Evans mit Teilen aufgebaut, die vom dritten „Blitzen-Benz“ stammen, dem 1912 in Mannheim fertiggestellten und 1922 bei einem Rennunfall in England großteils zerstörten „Hornsted-Wagen“. Rund gelaufen sei der Wagen aber nicht, den Layher 2016 von Evans kaufte. „Die Auslassventile waren krumm und er hatte keine Kompression. So, wie der heute läuft, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht.“

Einfach sei die Aufarbeitung des Wagens nicht gewesen. „Man muss ziemlich weit drin sein in der Materie“, findet Layher. Er habe sich viel mit frühen Autos beschäftigt und sukzessive vorgearbeitet. „Es gingen über zehn Jahre Verhandlungen voraus und ich bin glücklich, dass das Auto lebt und dass wir es am Fahren haben. Wir konnten der Welt zeigen, was ein ,Blitzen-Benz’ bedeutet“, sagt Layher.

„Eine brutale Maschine“

Er und sein Freund Ben Collings haben in den vergangenen drei, vier Jahren mit dem Wagen erfolgreich an historischen Rennen in verschiedenen Ländern in Europa teilgenommen – darunter am Goodwood Festival of Speed in England. Auch beim Motorenfestival im Technik-Museum Speyer, dem Brazzeltag, wurde der „Blitzen-Benz“ schon präsentiert und auf dem Flugplatz auf mehr als 200 Stundenkilometer beschleunigt.

„Der Wagen ist die meiste Zeit in meiner Werkstatt und wird für ein Rennen vorbereitet. Das Auto ist im Fahrbetrieb“, sagt Layher. „Ich habe als Hobby das Fahren an sich. Es ist ein Erlebnis, wenn man ein Auto sprechen hört. Also, wenn das Auto sagt, was es kann. Das ist das, was mich an den historischen Autos am meisten fasziniert.“

Der Ingenieur charakterisiert den Oldtimer so: „Der Blitzen-Benz ist eine brutale Maschine. Wenn man ihn fahren will, muss man sich schon am Tag vorher darauf einstellen, um ausgeruht an die Sache heranzugehen.“

Die Serie

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