Speyer Heimat für Insekten und Fledermäuse

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DUDENHOFEN

. Das Gelände um den Treffpunkt Hundesportplatz war 1936 konfisziert und zum Truppenübungsplatz ausgebaut worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten es die französischen Besatzungstruppen. Wanderführer Willi Aures kennt auch die Geschichte des „Galgenfelds“: „Es wurde vom Volksmund so getauft, weil man dem Speyerer Scharfrichter, der wenig zu tun hatte, hier ein Feld zum Bestellen zugewiesen hatte.“ Geradeaus geht’s zu den Schwalbenwiesen, links zum Woogbach. Aures weist nach rechts, vorbei an der Mariensäule. Von einem Mann gestiftet aus Dankbarkeit darüber, von einer schweren Erkrankung genesen zu sein. Christiane Brell, Vorsitzende des Natur- und Vogelschutzvereins, ärgern die auf einer Streuobstwiese gelagerten Ackerfolien eines Spargelbauern: „Typisch. Die meinen, da wäschst ja eh nichts drauf.“ Weiter geht es dem Schild „Aumühle“ nach. Willi Aures erläutert: „1970 wurde der Wald links abgeholzt, Sand für den Straßenbau wurde ausgebaggert. Die Böschung ist sechs, sieben Meter steil.“ Im Umkreis, zwischen Bolig und heutiger Schule, standen ab 1950 Ölbohrtürme. Der Pfad führt zum Waldspielplatz der Kita St. Kunigunde, Eingang des ehemaligen militärischen Sperrbezirks mit Schießanlagen, jetzt Standort für Bienenvölker. „Das Übungsschießen montags war im ganzen Dorf, auch in Speyer zu hören“, weiß Aures. „Es dauerte nicht selten bis 23 Uhr.“ Die fünf Gewehrbahnen, 300 bis 500 Meter lange Schneisen, sind fast wieder zugewachsen. Imkerin Ulla Goost-Erren erklärt am Beispiel eines Stocks die Geschichte der Bienenhaltung und Honiggewinnung: „Ohne sie keine Früchte. 80 Prozent der Blütenstände werden von Bienen bestäubt.“ Brell ergänzt später: „In den Zucchini-Feldern vor Harthausen wurden extra Hummelkästen aufgestellt. Sonst würde dort nichts wachsen.“ Sie zupft am nährstoffarmen, selbst von Schafen verschmähten Silbergras und warnt vor dem Genuss von Walderdbeeren wegen des Fuchs- und Hunde-bandwurms. Willi Aures reicht ein Hornissennest herum: „Das waren die ersten Papierhersteller.“ Im Gänsemarsch geht’s weiter. Das Ende des Schießplatzes markiert ein 80 Meter langer betonierter Tunnel. „Zum Ablesen der Scheiben“, informiert Aures. Heraus aus dem Dickicht. Ein zugeschütteter Munitionsbunker wird von Fledermäusen angeflogen. Um 21.30 Uhr ist Rast mit Brezeln, Sekt, Orangensaft am Ameisenhügel (Aures: „Iminsebuckel“), der höchsten Erhebung der Sanddünen. Während einer Bundeswehrübung für den Einsatz in Afrika mit Panzern plattgefahren, um drei Meter abgesenkt. Ein besonderer Lebensraum für Pflanzen, Insekten, Amphibien, nur unter diesen Bedingungen vorkommend. Auf dem kleinen Areal entdeckte Erich Bettag 700 Schmetterlings-, 230 Käfer-, 130 Wespen- sowie 130 Bienenarten und konnte in einer Tümpelstelle Urzeitkrebse der Gattung Triops nachweisen. Aures öffnet eine Zigarrenkiste, in der er eine verletzte Zwergfledermaus aufpäppelt. Sven Ofer lässt zwei im Februar geschlüpfte Waldkäuze, die er am Nachmittag von der Greifvogel-Aufzuchtstation Haßloch abgeholt hat, in die Freiheit fliegen. Er beschreibt die wesentlichen Merkmale der Eule. Auf der Dünenkuppe spürt Aures den Ameisenlöwen auf. Der wirft ab und an Sand auf, damit Ameisen in den Trichter und auf seinen Abendbrotteller plumpsen. Anne Aures gelingt es, mit Feuerbohrern, einem Steinzeitwerkzeug, nur durch Reibung „Feuerbällchen“, dann Pappelholz zu entzünden, zum Aufwärmen. Die Tochter des Exkursionsleiters hat ein ganzes Arsenal (prä-)historischer Werkzeuge mitgebracht. 22.30 Uhr: Es ist kühl. Christiane Brell bittet um 20 Minuten Stille, Taschenlampen und Handys werden ausgeschaltet. Über den Dünen blinken die Lichter von Flugzeugen, aus dem nahen Gebüsch erklingt Geigenmusik. Patrick Kliesch spielt Violine. Träume, Melancholie unterm Nachthimmel. Zügig geht es schließlich zurück, um beim Hundesportverein noch ein Wurst- oder Käsebrot zu essen und auf den schönen, informativen Abend anzustoßen. Spätestens dann erzählen die älteren Teilnehmer Geschichten von früher. Zum Beispiel, dass sie in den Anfangsjahren der Nachwanderung, die vor 15 Jahren Premiere hatte, bis zum Sonnenaufgang und Läuten zur Frühmesse unterwegs waren.

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