Speyer Heikler Schatz aus dem Rhein

Entscheider: die Berufsrichter im fünfköpfigen Gericht.
Entscheider: die Berufsrichter im fünfköpfigen Gericht.

Wusste ein 47-Jähriger aus der Verbandsgemeinde Lambrecht Details über die Ermordung einer Mitarbeiterin in der Speyerer Nachtbar „Thai Orchidé“ am 29. August 2012, die nur der Täter wissen kann? Das war eine der Fragen, die gestern das Schwurgericht des Landgerichts Frankenthal beschäftigten. Mord und Raub mit Todesfolge in dem Ex-Lokal in der Roßmarktstraße wirft die Staatsanwaltschaft dem 47-Jährigen vor. Sein Rechtsanwalt Friedrich Demandt sagt, dass der falsche Mann auf dem Stuhl des Angeklagten sitzt.

Wie war das Verhältnis der 57-jährigen Bedienung zu dem Besitzer der Nachtbar? Ist es richtig, dass die Frau Geld verspielt und Schulden hatte? Wie kamen DNA-Spuren der Getöteten an einen Handschuh des Angeklagten? Das sind einige der Aspekte, um die es zudem ging. Zu jedem dieser Punkte stellten die Juristen immer wieder Fragen an die nun geladenen Zeugen. Oft bekamen sie die Antwort: „Weiß ich nicht mehr, das ist lange her.“ Aus diesem Grund wird den Zeugen oft vorgelesen, was sie in der Zeit nach der Ermordung bei der Polizei gesagt haben. Eine Tochter des Angeklagten wurde von einem Richter vernommen, um herauszufinden, ob der Angeklagte etwas wusste, was nur der Täter wissen kann. Dabei ging es um Schmuck der Toten. „Das war wertloser Schmuck“, sagte ein 36-jähriger Speyerer, der die Zier am 12. April 2013 beim Angeln an der alten Rheinbrücke gefunden hatte. Eine verschnürte Plastiktüte, die zwischen Steinen gelegen habe, sei ihm aufgefallen, erzählte der Mann. „Wenn du schon keinen Fisch gefangen hast, dann wenigstens einen Schatz“, habe er gedacht, nachdem er zwischen Sand und Matsch den Schmuck und eine EC-Karte entdeckt hatte. Im Internet habe er festgestellt, dass der Name auf der EC-Karte der der im Jahr zuvor ermordeten Bedienung ist, habe er die Sachen zur Polizei gebracht. Der Zeitpunkt des Fundes lag nahe an einem angeblichen Gespräch des Angeklagten mit seiner Tochter: Bei einem Treffen am 18. April 2013 habe ihr Vater erzählt, dass die Polizei nach Schmuck des Opfers suche. Das habe die junge Frau bei einer Vernehmung durch die Polizei und den Speyerer Richter gesagt. Zu diesem Zeitpunkt sei das nicht offiziell bekannt gewesen. Ob es sich deshalb allerdings um sogenanntes Täterwissen handelt, das stellte nicht nur Verteidiger Demandt, sondern auch der Richter in Frage. „Auch andere Personen haben über Schmuck gesprochen“, sagte der Richter. „Zutrauen würde ich das so gut wie jedem, der da runtergegangen ist“, sagte gestern eine 37-Jährige als Zeugin aus, die nach eigenen Angaben in der „Thai Orchidé“ Stammgast war und dort manchmal als Bedienung ausgeholfen hat. Mit „da runter“ spielte sie auf Lage des Lokals im Keller an. Bei der Polizei hatte sie die Namen mehrerer Männer genannt, denen sie die Tat zutrauen würde. „Der hat bei der Trauerfeier ziemlich fertig ausgesehen“, nannte sie gestern als Grund, warum ihr ein Mann verdächtig erschienen sei. Die 57-Jährige habe sehr viel an den Automaten in der Nachtbar gespielt, auch in der Spielbank in Bad Dürkheim sei sie gewesen, sagten Zeugen. Eine Freundin der Toten berichtete, dass die bei einer Bank und bei mehreren Thailändern Schulden gehabt habe. „Sie war ein schwieriger Mensch, sie war sehr aufbrausend und ist auch auf größere Männer losgegangen“, machte eine andere Zeugin deutlich. Der Prozess wird am 3. April, 9 Uhr, fortgesetzt.

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