Speyer
Hebammenausbildung: Fachschule wird zur Akademie
Der Hebammenberuf wird bundesweit akademisiert, die Fachschulen – seit 1993 gibt es eine der Diakonissen in Speyer – werden verzichtbar. Dennoch werden in Speyer weiterhin Hebammen ausgebildet: Der theoretische Teil des Studiums wird zwar in die Hochschule Ludwigshafen verlagert, seit die Umstellung vom Ausbildungs- zum Studienberuf läuft. Ein Dutzend Studentinnen kommt aber jeweils zum praktischen Teil an das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus, die größte Geburtsklinik in Rheinland-Pfalz. Der letzte Jahrgang für die „alte“ Ausbildung ist 2022 an die Speyerer Fachschule gekommen und geht 2025.
In zwei Jahren wird das bisherige Geschäftsmodell also der Vergangenheit angehören. Die Fachschule reagiert darauf schon jetzt und firmiert zur „Hebammenakademie Speyer“ um, wie die 2019 ins Amt gekommene Leiterin Jutta Breichler berichtet. Alle sieben Lehrerinnen blieben im Dienst der Diakonissen. Sie unterrichteten in den beiden letzten Ausbildungsjahren und mehr und mehr auch in den Fortbildungsangeboten, in denen die Zukunft der Akademie liege.
„Die Ressourcen sind da, es wäre schade, wenn wir darauf verzichten würden“, begründet Breichler den Transformationsprozess. „Wir haben zusammen viele Ideen entwickelt.“ In der Akademie würden deshalb Lehrangebote für Hebammen und andere Kräfte, die mit der Geburtshilfe zu tun haben, vereint:
Anerkennungskurse
Kurse zur Anerkennung von Kräften aus Nicht-EU-Ländern. Die neue Akademie bietet einjährige Anpassungslehrgänge an. Zwölf bis 15 Schülerinnen – ausgewählt aus mehreren hundert Bewerberinnen – kommen dafür eine Woche pro Monat nach Speyer.
Fortbildung
Fortbildung für Hebammen, die schon länger nicht mehr in der klinischen Arbeit tätig sind, mit dem Ziel Wiedereinstieg. „Das Interesse daran ist überraschend groß“, so die Leiterin. Die Erfahrungen mit den ersten einwöchigen Kursen, für die Hebammen 750 Euro zahlen, seien sehr gut gewesen. „Wir wollen das ausbauen.“ Die Nachfrage für weitere Module sei schon erkennbar.
Koordinationsstelle
An der Akademie ist auch die Koordinationsstelle angesiedelt, die für alle als „Praxiseinrichtung“ am Hebammenstudium beteiligten Kliniken vorgeschrieben ist. Breichler: „Wir sind damit die Schnittstelle zur Hochschule.“
Simulationskreißsaal
Der 2021 eröffnete Simulationskreißsaal mit einem „SimMom“-Roboter soll konsequenter vermarktet werden. Die Anlage könne gemietet, abgebaut und somit auch andernorts eingesetzt werden. Sie sei einzigartig in einem Umkreis von gut 100 Kilometern. Auch ärztliches Personal soll daran fortgebildet werden. Dazu gebe es eine neue Kooperation mit dem Roten Kreuz für dessen Notfallärzte und weitere Optionen.
Fortbildungsprogramm
Das Fortbildungsprogramm soll ausgebaut und über ein neues Internetangebot bekanntgemacht werden. „Was wir bisher unterrichtet haben, können wir als Bausteine anbieten“, so Breichler. Der Bedarf in unterschiedlichen Zielgruppen sei groß, ebenso die Hoffnung, dass sich das neue Modell wirtschaftlich trägt.Die Hebammenakademie kann den Medizinstandort Speyer stärken, so das Kalkül der Diakonissen laut Breichler und Sprecherin Corinna Müller-Erb. Sie bleibe räumlich im Schulgebäude auf dem Campus angesiedelt, wo auch die Ausbildung in den Pflegeberufen und im Sozialwesen läuft. „Die Räume werden dafür zum Teil umgestaltet.“
Die Ausbildung in Speyer habe wie in den bisherigen drei Jahrzehnten weiterhin als eines von mehreren Zielen, Hebammennachwuchs für das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus zu bekommen. Derzeit gebe es dort mit 46 angestellten und 16 Beleghebammen keine Personalprobleme. Zuletzt habe es bei der Bewerberinnenanzahl für das Studium einen Rückgang von 200 auf knapp 100 gegeben. „Früher kamen wäschekorbweise Briefe, jetzt war das erstmals anders“, so Breichler.