Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Harthausen: Mit der Café-Auszeit erfüllte sich ein Traum

Freut sich darauf, zukünftig nur noch Gast bei der Café-Auszeit zu sein: Christiane Kohlmann. Foto: Lenz
Freut sich darauf, zukünftig nur noch Gast bei der Café-Auszeit zu sein: Christiane Kohlmann.

In Harthausen endet heute eine Ära. Die von Christiane Kohlmann, die vor 15 Jahren die Café-Auszeit ins Leben gerufen hat. Das monatliche Treffen im Pfarrheim besuchen 40 bis 50 Senioren. Die Chef-Organisatorin will aufhören, wenn es am schönsten ist.

Christiane Kohlmann sitzt in ihrer Wohnung in Dudenhofen und erinnert sich: Im Jahr 2000 habe sie mit zehn bis zwölf Frauen einen Besuchsdienst für ältere Menschen in Harthausen aufgebaut. Nachdem dieser gut angenommen worden sei, habe der damalige Pfarrer August Dörzapf keck gefragt: „Und was macht ihr jetzt?“

Ein Treffen für Menschen ab 60 Jahren einmal im Monat kam Kohlmann, die aus Speyer kommt und wegen ihres Mannes Dieter nach Harthausen gezogen war, in den Sinn. Einige hätten sie belächelt und gesagt, dass eh keiner komme, erzählt die 66-Jährige. Auch ihr Mann – ein echter Harthausener – war skeptisch: „Die Harthäuser sind eigen. Ob die kommen?“, habe er gesagt, erzählt Kohlmann.

Ein Lied ist das Begrüßungsritual

Sie wurde nicht enttäuscht: 40 Senioren erschienen zum ersten Treffen im Juli 2004. „Ich habe vier Fotoalben voller Schnappschüsse. Viele Leute sind schon verstorben, aber es sind immer neue gekommen“, sagt die 66-Jährige über die vergangenen 15 Jahre. Sie und ihr Team mit 13 Personen organisieren das Programm für die monatlichen Treffen. Zum Ritual wurde ein Lied, das Kohlmann selbst gedichtet hat, und das zu Beginn jedes Treffens gemeinsam gesungen wird. „Mach mal Pause, lass die Sorgen vor der Tür. Mach mal Pause, denn dazu bist du hier“, heißt es darin. Es ist das Motto der Café-Auszeit.

Zu den Treffen gehören auch selbst gebackene Kuchen, Brezeln mit Butter, eine kleine Geschichte, die passend zur Jahreszeit ausgesucht wird, und drei Lieder, die sich die Senioren aus einem gemeinsam zusammengestellten Liederbuch auswählen dürfen. Danach sitzen sie in kleinen Gruppen zusammen, spielen Gesellschaftsspiele oder erzählen. Besonders beliebt seien die Geschichten des Ehepaars Flörchinger gewesen. Die beiden – die bereits verstorbenen Eltern des Kommunalpolitikers Harald Flörchinger – hätten erzählt, wie es früher war, erinnert sich Kohlmann.

Kohlmann ist dankbar für jeden Unterstützer

Sie ist dankbar für die „schöne Zeit“ und vor allem für die Unterstützung durch ihr Team, die Pfarrer August Dörzapf, Markus Hary und Josef Metzinger, die Ortsgemeinde sowie spontane Helfer, wie ein paar junge Frauen, die auch Kuchen backten. Früher sei einmal im Jahr ein Ausflug mit dem Bus gemacht worden. Den Bus habe die Ortsgemeinde bezahlt, Pfarrer Josef Metzinger habe ihn gesteuert. Es ging unter anderem zum Kloster Hornbach, nach Otterberg, ins Kakteenland in der Südpfalz und nach Worms. Vor ein paar Jahren hat die 66-Jährige angeregt, in Harthausen zu bleiben und dort einen Ausflug zu machen, weil viele Teilnehmer nicht mehr gut zu Fuß oder auf einen Rollator angewiesen seien. So ging es schon an die Lourdesgrotte und anschließend ins Wasserhaus zum Essen.

Die 66-Jährige freut sich auf die freie Zeit

„Es war eine schöne Zeit, aber ich bin froh, wenn ich die Arbeit nicht mehr habe“, sagt Kohlmann über ihren Abschied aus dem Organisationsteam. Die 66-Jährige freut sich darauf, nur noch als Gast dabei zu sein und mit Karten spielen zu können. „Dafür hatte ich bisher keine Zeit“, sagt sie. Außerdem hat die gelernte Diplom-Sekretärin, die fast 20 Jahre bei der Speyerer Volksbank und 20 Jahre im Schulsekretariat in Harthausen gearbeitet hat, noch weitere Hobbys: Singen beim MGV Harthausen im Frauenchor zum Beispiel, dessen Gründungsmitglied sie auch ist. Zudem will sie Zeit mit ihrer Familie verbringen – Kohlmann wurde vor Kurzem Oma – und sich um den Mops ihrer Tochter kümmern. Der Hund sei ihre Therapie gewesen, erzählt Kohlmann, die 2009 schwer erkrankte. Zusätzliche habe ihr der Glauben Kraft gegeben – auch als ihr Mann plötzlich verstarb. Ihr Ehrenamt bei der Café Auszeit habe ihr damals bei diesem zweiten Schicksalsschlag gut getan, sagt Kohlmann, die eigentlich schon vor fünf Jahren aufhören wollte.

Treffen wird es weiter geben

Auch nach ihrem Abschied wird es das monatliche Treffen weiter geben, sagt die 66-Jährige. Eine Chef-Organisatorin, die alle Fäden in der Hand hält, sei zwar noch nicht gefunden, aber das Team bestehe weiter. „Es muss nicht genauso weitergehen. Es ist schön, wenn es weitergeht“, sagt Kohlmann, die trotzdem hofft, dass sich noch mehr Helfer finden. Vor vielen Jahren habe sie den Traum gehabt, ein Café zu eröffnen. Aber wenn man keine eigenen Räume dafür habe, sei es schwer, sagt sie. Mit der Café-Auszeit hat sie sich den Traum jedoch auf eine andere Art und Weise erfüllt.

Jubiläum & Verabschiedung

Die Café-Auszeit feiert am heutigen Montag, 8. Juli, um 13.30 Uhr mit einem Dankgottesdienst in der Pfarrkirche in Harthausen ihr 15-jähriges Bestehen. Anschließend geht es zu einem Sektempfang ins Pfarrheim. Bei dieser Feier wird Christiane Kohlmann auch verabschiedet.

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