Speyer
Harthausen: Im Nachtflohmarkt-Fieber
Alljährlich erfreut sich der vom Kultur-und Heimatverein Harthausen organisierte Nachtflohmarkt im Tabakschuppen großer Beliebtheit. Das war auch am Samstag wieder so. RHEINPFALZ-Autorin Ellen Korelus-Bruder hat mitgemacht.
16.30 Uhr: Es warten bereits zahlreiche Menschen vor dem Tabakschuppen. Kartons, Kisten, Körben, Wannen, Taschen und Tüten mit unterschiedlichem Inhalt stapeln sich. Vom Spielzeug bis zum Kunstwerk ist alles dabei. Die Stimmung ist gut. Viele Flohmarktler kennen sich schon, neue werden herzlich begrüßt.
17 Uhr: Vereinsvorsitzender Harald Flörchinger öffnet die Tür. Der Ansturm auf die besten Plätze beginnt. Für fünf Euro Standgebühr pro Tisch können Privat-Anbieter ihre Kleinode verkaufen. „Das ist kein Kleidermarkt“, betont Flörchinger. Logisch. Die Enge im Raum schließt jegliche Umkleidemöglichkeiten aus. Vereinsmitglieder belegen in der Küche Brötchen mit Wurst und Käse, im Vorraum stellen sie Getränke und Stehtische bereit.
17.30 Uhr: Jeder hat inzwischen seinen Platz gefunden. Liebevoll werden Tische mit Dingen bestückt, die für kleines Geld neue Besitzer finden sollen. Handarbeit, Kunsthandwerk, Glas, Porzellan, Geschirr, Schmuck, Antikes und Modernes, Außergewöhnliches und Originelles wird ausgepackt. Die Mini-Kiwis, die zwei Frauen am Tag zuvor in Berghausen geerntet haben, sind schon in Tüten abgefüllt. Der RHEINPFALZ-Tisch hat Handtaschen, Ketten, Ringe, Bücher, historische Kamera, Carrera-Bahn, Wok, Tücher, Thermoskanne und allerlei mehr zu bieten, was das Herz der Kunden begehren könnte.
17.45 Uhr: Die ersten Besucher sind da. „Wir wollen rein“, erklären sie. Flörchinger schaut auf die Uhr und bittet um ein „Viertelstündchen“ Geduld. Widerwillig fügen sich die Frauen.
Das Geschäft brummt
18 Uhr: Es gibt kein Halten mehr. Die Schnäppchenjäger stürmen den Tabakschuppen. Auch Celine Fuchs mit Freundin Grace und den Kindern Jona und Noel sind dabei. Die junge Mutter interessiert sich für Fußballbücher auf dem RHEINPFALZ-Tisch. Vier für fünf Euro. Nach langem Überlegen nimmt sie am Ende doch Abstand vom Kauf.
18.45 Uhr: Eine Frau pflückt ein Armband von der „Schmuck-Blume“. Echt Bernstein für drei Euro. Schnell entschließt sie sich zum Kauf. „Die Kette ist für meinen Hund“, erklärt sie. „Gegen Zecken.“ Die erste Einnahme des Abends wandert ins Sparschwein für den guten Zweck. Tischnachbarin Ursula Kilian verkauft zum dritten Mal beim Nachtflohmarkt. Diesmal soll das Geld dem Dudenhofener Kinderhospiz zugute kommen.
19 Uhr: Hurra! Die original verpackte Thermoskanne hat einen neuen Besitzer gefunden. Dem Kunden ist das gute Stück acht Euro wert. Flohmarkt-Verkauf macht Spaß, aber auch Hunger und Durst. Eine Flasche Wasser und ein Käsebrötchen schaffen Abhilfe. Zum Essen bleibt kaum Zeit. Taschen, Schmuck, Tücher und Bücher wandern im Akkord über den Tisch. Ein Besucher ringt mit sich, ober er die alte Kamera kaufen soll. Ein Blick in den Geldbeutel bringt die Entscheidung. „Das reicht nicht.“ Das Geschäft läuft dennoch besser als gedacht. Vereinsmitglied Marlies Denne ist heute auch Kundin. Sie hat ein marmornes Mühle-Spiel erstanden, das sie am Stehtisch gleich mit Besucherinnen ausprobiert. Die Damen lassen sich ein Glas Sekt dazu schmecken.
19.40 Uhr: Einer Frau fallen Ohrringe auf dem RHEINPFALZ-Tisch ins Auge. Für zwei Euro sagt sie Ja dazu. „Im Zweifel verkaufe ich sie auf dem Weihnachtsmarkt in Waldsee wieder“, lacht sie.
20 Uhr: Die ersten Anbieter packen ein. Der große Run auf „Feierabend-Angebote“ bleibt aus. Alle sind zufrieden. „Die Stimmung ist toll, das ist die Hauptsache“, meint ein Mann und trägt seinen Dennis-Hopper-Druck zurück ins Auto. Um 20.30 Uhr ist auch der RHEINPFALZ-Tisch abgeräumt. Knapp 50 Euro sind hängengeblieben, die für die Aktion Weihnachtslicht in Speyer bestimmt sind. Die Vereinsmitglieder klappen die Tische zusammen. Bis zum nächsten Nachtflohmarkt im Tabakschuppen im November 2020.