Speyer
Harthausen: Beschwerde über Ackerfolien in Hecken
Friederike Wolfger aus Harthausen sind sie ein Dorn im Auge: Die Ackerfolien, die nach ihren Angaben seit den Stürmen im Frühjahr in Hecken auf einem Grundstück zwischen Harthausen und Dudenhofen hängen. Sie hat sich bereits mehrmals an die Behörden gewandt – bislang ohne Erfolg.
„Keiner schafft es, sie wegzuräumen oder will etwas damit zu tun haben“, klagt Wolfger, die sich über die Plastikverschmutzung beschwert und sich mit dem Thema auch an die Verbandsgemeinde- und die Kreisverwaltung gewandt hat. Die Folien, die bereits zerrissen sind, hängen in Hecken nahe der Landesstraße 537, die dort eine Kurve macht. Auf RHEINPFALZ-Anfrage erklärt Simone Brill von der Verbandsgemeindeverwaltung, dass die Verwaltung nicht tätig werden konnte, weil sich die Folien in Hecken auf einem Privatgrundstück befinden. In einem solchen Fall könnte die Verwaltung nur etwas machen, wenn Gefahr bestünde. Eine zerrissene Folie könne jedoch niemanden verletzten, sagt Brill.
Kreisverwaltung will tätig werden
Kornelia Barnewald, Pressesprecherin der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises, teilte auf Anfrage mit, dass die Kreisverwaltung als Untere Abfallbehörde normalerweise für die Beseitigung rechtswidriger Zustände bei illegalen Abfallablagerungen zuständig sei. In diesem Fall gehe es jedoch nicht um die typischen Fälle illegaler Abfallablagerungen, sondern um Folien beziehungsweise Folienreste, die beim stürmischen Wetter im Frühjahr verweht wurden. „Hier ist uns bislang nicht bekannt, auf welchen konkreten Grundstücken Ackerfolien in Hecken hängen“, sagt die Kreissprecherin. Sie versichert aber gleichzeitig, dass die Fachabteilung der vorliegenden Beschwerde nachgehen und prüfen werde, welche Grundstücke mit Folienresten betroffen sind. „In solchen Fällen können gegebenenfalls die Verursacher oder zumindest die Grundstückseigentümer beziehungsweise die Pächter zur Beseitigung des Zustandes aufgefordert werden“, sagt Barnewald. Nach ihren Angaben werden die verwehten Folien üblicherweise von den betroffenen Landwirten gleich selbst entsorgt, sodass der Kreisverwaltung im Normalfall keine solchen Beschwerden vorliegen.
Landwirt kritisiert Stimmung
Eugen Geil von Harthausens größtem landwirtschaftlichen Betrieb bestätigt, dass verwehte Ackerfolien wieder eingesammelt werden. Friederike Wolfger hatte vermutet, dass die Folien von Geil stammen. Das Grundstück mit den Hecken gehöre ihm nicht, sagt Geil. Er vermutet, dass der Eigentümer die Folien noch nicht gesehen oder vergessen habe. Geil macht deutlich, dass landwirtschaftliche Betriebe viele Auflagen zugunsten des Umwelt- und Naturschutzes erfüllen müssten. Außerdem habe sein Betrieb allein in diesem Jahr auf Flächen, die insgesamt so groß wie 60 Fußballfelder seien, Blühmischungen ausgesät. Er kritisiert die derzeitige Stimmung gegen Landwirte, denen vorgeworfen werde, alles kaputt zu machen. „Von was wollen die Leute leben, wenn es uns nicht mehr gibt“, fragt Geil. Er macht deutlich, dass Lebensmittel aus Spanien, Südfrankreich, USA und Südamerika teurer werden würden. Außerdem bedauert der 68-Jährige, dass viele Menschen keinen Bezug mehr zu Landwirtschaft hätten: „Ich wusste als Kind noch, dass es auch rot-braune Kühe gibt. Heute glaube Kinder, Kühe sind lila“, sagt der Landwirt.