Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel „Harter Schlag für Speyer“: Reaktionen auf Schließungspläne von Mann + Hummel

Werk im Speyerer Westen: Blick auf das Mann + Hummel-Gelände zwischen Brunck- und Siemensstraße.
Werk im Speyerer Westen: Blick auf das Mann + Hummel-Gelände zwischen Brunck- und Siemensstraße.

Filterhersteller Mann + Hummel will spätestens 2028 sein Speyerer Werk mit 600 Beschäftigten schließen. Ein Paukenschlag, der für politische Bestürzung und Appelle sorgt.

Als die schlechte Nachricht am Donnerstag verkündet wurde, waren viele vor den Kopf gestoßen. Die Stadt ist nach Angaben einer Verwaltungssprecherin nachmittags kurzfristig in einem persönlichen Gespräch über die Plan zur Schließung des 1965 eröffneten Standorts in der Brunckstraße informiert worden. „Diese Nachricht ist ein harter Schlag für Speyer“, erklärt Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). „Hinter den 600 Arbeitsplätzen stehen Menschen und Familien, die teilweise seit Jahrzehnten mit diesem Werk verbunden sind – das bewegt mich sehr“, sagt die Oberbürgermeisterin.

Mann+Hummel habe in insgesamt mehr als 70 Jahren den Industriestandort Speyer maßgeblich mitgeprägt, betont Seiler. „Dass diese Geschichte nun enden soll, nehmen wir nicht einfach hin.“ Der Prozess beginne erst jetzt. „Wir werden uns mit aller Kraft dafür einsetzen, dass für die Beschäftigten tragfähige Lösungen gefunden werden und dass der Standort eine industrielle Zukunft behält. Speyer ist und bleibt eine Stadt mit starkem industriellem Kern.“

Auch der städtische Wirtschaftsförderer Mario Daum meldet sich zu Wort: „Unsere erste Sorge gilt den Beschäftigten und ihren Familien. In den kommenden Tagen werden wir uns ein genaues Bild verschaffen – über den zeitlichen Ablauf, die betroffenen Bereiche und die Herausforderungen, die sich daraus ergeben.“ Es werde die gemeinsame Aufgabe sein, am Speyerer Standort Perspektiven für die Menschen zu entwickeln. „Daran arbeiten wir ab sofort.“ Laut Stadt würden erste Gespräche für die kommende Woche vorbereitet.

An Verantwortung appelliert

„Ich erwarte von der Unternehmensleitung, dass sie ihrer sozialen Verantwortung gerecht wird“, sagt Landtagsmitglied Michael Wagner (CDU), der mit großer Sorge auf die Mann+Hummel Pläne blicke. Der Standort Speyer stehe seit Jahrzehnten für industrielle Stärke, Verlässlichkeit und Innovationskraft. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben über viele Jahre hinweg einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg des Unternehmens geleistet. Umso bitterer ist es, dass diese Leistungen nun offenbar keine ausreichende Berücksichtigung in den strategischen Entscheidungen finden.“ Trotz der Industrialisierung und wirtschaftlicher Zwänge dürften gewachsene Strukturen und qualifizierte Arbeitsplätze nicht vorschnell aufgegeben werden. Gerade vor dem Hintergrund früherer Wachstumszusagen werfe die Entscheidung Fragen auf. Wagner hat sich mit einem Schreiben an die Geschäftsführung in Ludwigsburg gewandt.

Oberbürgermeisterkandidat Mike Oehlmann (FDP) sieht in der angekündigten Schließung „ein alarmierendes Symptom für die aktuelle wirtschaftliche Gesamtlage“. Die Entscheidung sei „eine direkte Folge der massiv verschlechterten Rahmenbedingungen in Deutschland“ mit hohen Energiepreisen im Vergleich zu anderen Ländern. „Wenn ein gesundes Unternehmen wie Mann + Hummel die Produktion in andere Länder verlagert, ist das ein Misstrauensvotum gegen die aktuelle Wirtschaftspolitik, welches die Beschäftigten hier in Speyer unmittelbar ausbaden müssen“, so der FDP-Mann. Seine Solidarität gelte den Beschäftigten und ihren Familien. Es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, Arbeitsplätze zu erhalten und Perspektiven für den Speyerer Standort zu entwickeln.

Gewerkschaft alarmiert

Für viele Arbeitnehmer ist die IG Metall ein direkter Ansprechpartner, bei der Birgit Mohme, Erste Bevollmächtigte im vorderpfälzischen Bereich, und der zuständige Sekretär Wladislaw Wolter nach eigenen Angaben auch erst aus der Presse von dem Schritt erfahren haben. Mohme sagt, sie sei danach zusätzlich vom Europa-Chef des Unternehmens informiert worden. „Das ist dramatisch, und das ist genauso angekommen“, sagt sie über die Auswirkungen auf die Mitarbeiter. „Damit hat keiner gerechnet.“

Mohme und Wolter kündigen für Dienstag eine Betriebsversammlung an und wollen die Entscheidung nicht hinnehmen. „Wir tun alles, um das zu verhindern“, sagt Mohme. „Wir versuchen, die Entscheidung zu kippen“, ergänzt Wolter. Die IG Metall sei im Speyerer Werk gut organisiert und brauche nun die Unterstützung ihrer Mitglieder. Dann könnten Gegenmaßnahmen geplant werden, um für den Traditionsstandort zu kämpfen. Sollten die Mitarbeiter tatsächlich gehen müssen, bestünde ein weiteres Ziel darin, für sie über tarifliche Regelungen möglichst viel herauszuholen. „Es geht um Existenzen“, so Wolter.

„Strukturelle Nachteile“

Das Unternehmen hatte seine Entscheidung als Ergebnis einer „umfassenden Analyse unseres europäischen Produktionsnetzwerks“ dargestellt. In Deutschland belasteten unter anderem hohe Arbeits- und Energiekosten sowie eine schwache Industriekonjunktur. Deshalb müsse Produktionsvolumen stärker an wettbewerbsfähigeren Standorten innerhalb Europas gebündelt werden. An diesen könne dann in moderne, automatisierte Prozesse investiert werden, so Firmensprecherin Lisa Schiffgens auf Anfrage.

„In einzelnen Produktbereichen ist die Profitabilität am Standort Speyer aktuell nicht ausreichend, um das Geschäft nachhaltig weiterzuentwickeln“, sagt Schiffgens. Das hiesige Werk sei dabei nicht isoliert, sondern im Vergleich mit anderen europäischen Standorten betrachtet worden. „Diese Analyse hat gezeigt, dass die heutige Kostenstruktur des Standorts im Vergleich zu anderen Werken strukturelle Nachteile aufweist – insbesondere bei Fix- und Arbeitskosten. Einzelne Optimierungsmaßnahmen können die strukturellen Wettbewerbsnachteile des Standorts nicht ausgleichen.“

Die Fertigung solle schrittweise an andere europäische Standorte verlagert werden. Die damit verbunden Jobs würden „perspektivisch in Speyer wegfallen“, so die Sprecherin. Für Funktionen in der Verwaltung und anderen Bereichen, die keine direkte Verbindung zur Produktion haben, seien auch Arbeitsortswechsel denkbar. „Insgesamt stehen wir am Anfang eines mehrjährigen Prozesses. Der nächste Schritt ist nun, Gespräche mit dem Betriebsrat aufzunehmen“, so Schiffgens über die Zukunftsplanung.

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