Speyer Hans’ und Mathildes Sehnen „nach dem Anderen“

Ein Raum zum Sehen, Lesen und Reflektieren: die Kabinettausstellung zur Briefedition im Purrmann-Haus.
Ein Raum zum Sehen, Lesen und Reflektieren: die Kabinettausstellung zur Briefedition im Purrmann-Haus.

„Sehnsucht nach dem Anderen – Eine Künstlerehe in Briefen 1909-1914. Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller-Purrmann“ lautet der Titel einer neuen Edition, die die Herausgeber, Felix Billeter und Maria Leitmeyer, heute in Speyer vorstellen. Außerdem wird um 19 Uhr im Purrmann-Haus eine begleitende Kabinettausstellung eröffnet.

„Liebes Frl. Vollmoeller, mein Kopf und mein Gemüth sind in Aufregung und Unruhe und ich verliere mich Ihnen zu sagen, wie sehr ich die Ursache darin in den Gedanken an Sie suchen muß“, schrieb Hans Purrmann (1880-1966) an Mathilde Vollmoeller (1876-1943) im Winter 1908/09 in Paris: Der Briefwechsel des Malers und seiner Kollegin zeigt den Anfang ihrer Beziehung – 1909 bis 1914 in Deutschland und Frankreich. „Entgegen den gesellschaftlichen Konventionen der Zeit finden die Stuttgarter Industriellentochter und der Handwerkersohn aus Speyer zusammen. Sie lernen sich näher kennen und lieben, heiraten und gründen eine Familie“, erläutert die Kustodin des Purrmann-Hauses. Leitmeyer und Billeter, der Leiter des Hans-Purrmann-Archivs in München, haben die bisher unbekannten Briefe des Künstlerpaares kommentiert und herausgegeben; die Korrespondenz wird durch einen Essay von Peter Kropmanns (Paris) ergänzt. Die nun erstmals veröffentlichten Briefe des Künstlerpaares sind Zeugnisse des intensiven persönlichen sowie künstlerischen und intellektuellen Austauschs der beiden Matisse-Schüler: Ausstellungen, Literatur sowie Theater- und Konzertbesuche wurden diskutiert; über die eigene künstlerische Arbeit wurde berichtet und reflektiert. Beispielsweise schrieb Vollmoeller an Purrmann: „Letzte Woche als ich im Louvre arbeitete, stand plötzlich Matisse neben mir – und sprach ganz lange über meine Arbeit.“ Dazu sagt Leitmeyer: „Die stetige ,Sehnsucht nach dem Anderen’ war ein Thema des Künstlerpaares; das Andere wahrzunehmen, war für beide ein existentielles Bedürfnis.“ Und weiter: „Im Leben wie in ihren Briefen begegneten sie sich auf Augenhöhe.“ Mit der wissenschaftlichen Bearbeitung der Briefe sowie der Erschließung und Nutzbarmachung dieses umfangreichen Konvoluts authentischer Quellen haben Felix Billeter und Maria Leitmeyer einen weiteren wichtigen Forschungsbeitrag geleistet: Die Veröffentlichung der ausgewählten Korrespondenz enthält Informationen zur Biografie und zum Œuvre des Künstlerpaares sowie zur Kunst- und Kulturgeschichte des beginnenden 20. Jahrhunderts. Sie wirft zugleich einen Blick auf die Rolle der Künstlerinnen um 1900. Auch die Thematik der Künstlerehe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird greifbar. So reiht sich die Briefedition in die wissenschaftliche Bearbeitung vergleichbarer Künstlerpaare der malerischen Avantgarde – beispielsweise Otto Modersohn und Paula Modersohn-Becker, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter sowie Auguste Rodin und Camille Claudel – ein. Und weil es so schön ist, noch ein Zitat zum Abschluss: „Lebe wohl, drücke das Kind an’s Herz und küsse es von mir“, so Purrmann an seine Frau, „ich bleibe immer Dein alter Püh.“ Lesezeichen und Termin —„Sehnsucht nach dem Anderen – Eine Künstlerehe in Briefen 1909-1914. Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller-Purrmann“, herausgegeben von Felix Billeter (Hans-Purrmann-Archiv München) und Maria Leitmeyer (Purrmann-Haus Speyer), mit einem Essay von Peter Kropmanns (Paris), Deutscher Kunstverlag Berlin/München 2019, ISBN: 978-3-422-89286-6, 14,90 Euro. Begleitende Kabinettausstellung im Purrmann-Haus bis 17. März, dienstags bis freitags, 15 bis 17 Uhr, sowie samstags und sonntags, 11 bis 13 Uhr. Kultur

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