Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Hans-Jürgen Hennes: Medizinmanager setzt auf Bodenständigkeit

Auf der Zielgeraden seiner Karriere an der Unimedizin Mannheim: Hans-Jürgen Hennes.
Auf der Zielgeraden seiner Karriere an der Unimedizin Mannheim: Hans-Jürgen Hennes.

Umbruch am Universitätsklinikum Mannheim zum Jahreswechsel: Es wird Teil des Klinikverbunds Heidelberg/Mannheim – und ein Wegbereiter dafür aus Speyer geht in den Ruhestand.

„Die besten Gespräche bei Vertragsverhandlungen hatten wir hier in Speyer“, sagt Hans-Jürgen Hennes und schmunzelt. Wenn der Medizinische Geschäftsführer und Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Mannheim Spitzenmediziner an sein Haus holen wollte, überzeugte er sie gerne mal in der Domstadt. Und wenn er zum Jahresende mit 68 Jahren in den Ruhestand wechselt, wird er zumindest ein bisschen mehr Zeit für die Vorzüge seiner Geburtsstadt haben, in der er seit 2015 wieder lebt. „Speyer ist familiär, hat viel Lebensqualität und Kultur“, schwärmt Hennes.

Seiner Herkunft verdanke er auch seine Bodenständigkeit, ist der „Schwarzamsel“-Fan überzeugt. Dass seine letzte hauptberufliche Station im ebenfalls unverfälschten Mannheim lag, passe da gut ins Bild. Der fachliche Anspruch im Vorfeld der Klinikstrukturreform war groß, ebenso Hennes’ Verantwortung für 6500 Mitarbeiter, davon gut 800 Ärzte, und eine halbe Milliarde Euro Budget. Der Medizinmanager war dafür bestens gerüstet. Praxiserfahrung als Facharzt für Anästhesiologie, ein Forschungsaufenthalt in den USA, betriebswissenschaftliche Zusatzstudien und langjährige Lehrtätigkeit als Honorarprofessor in Mainz stehen unter anderem in seiner Vita.

Fünfmal Geschäftsführer

Dazu kommen fünf Stationen als Klinikgeschäftsführer, zuletzt in Karlsruhe und seit 2019 in Mannheim. „Ich hatte mich auf Stellenangebote im Ärzteblatt beworben und war überrascht, als sie mich in Dortmund tatsächlich haben wollten“, erzählt Hennes über seinen Richtungswechsel ins Management im Jahr 2000. Wie kaum ein anderer in der Branche kann er langfristige Entwicklungen deuten und die Folgen medizinischer Weiterentwicklung sowie zunehmender Spezialisierung für Klinikstandorte abschätzen. Der Gesundheitssektor in Deutschland stehe vor entscheidenden Jahren mit drohenden Einschnitten an kleineren Standorten, aber einer steigenden Bedeutung als Wirtschaftsfaktor. Die Universitätsmedizin Mannheim werde nach dem nun anstehenden Wechsel aus städtischer in Landesträgerschaft besser an Finanzmittel kommen, um ihr Potenzial zu entfalten, ist er überzeugt.

Hennes ist ein Fan von Kurfürst Carl Theodor, der im 18. Jahrhundert eine Kurpfalz regierte, in der der Rhein keine Grenze darstellte. Er weiß auch deshalb zu schätzen, dass heute in der Metropolregion wieder in größeren Zusammenhängen gedacht wird. Für eine nachhaltige Verbesserung der Patientenversorgung sei genau das entscheidend: An seiner Uniklinik komme rund ein Drittel der Patienten nicht aus Baden-Württemberg, sondern aus der Pfalz und Südhessen. Und die hochspezialisierte Fachleute aus OP und Labor seien über Kooperationsverträge längst auch an den Speyerer Krankenhäusern vertreten. Die große Kinderklinik der Diakonissen setze etwa auf Mannheimer Unterstützung in der Kinderchirurgie. „Wir gehen verstärkt nach außen“, beschreibt er eine Entwicklung, die anhalten werde.

Engagiert im Kunstbereich

Hans-Jürgen Hennes ist verheiratet, hat drei Kinder und fünf Enkelinnen – und in Zukunft auch als Rentner viel zu tun, so viel ist schon klar. Er werde seine Lehrverpflichtungen weiterhin erfüllen und seine Aufsichtsratstätigkeiten ausweiten, kündigt er an. „Dabei geht es vor allem um kommunale Krankenhausträger in Baden-Württemberg, die ich in Veränderungsprozessen unterstützen will.“ Ehrenamtlich ist er bereits im Trägerverein des Kurpfälzischen Kammerorchesters und in der Bürgerstiftung Mannheim aktiv. Weiteres Engagement sei nicht ausgeschlossen, vor allem im Kunstbereich, der ihm am Herzen liegt.

In Speyer ist er im einstigen Haus seines Großvaters in der Innenstadt wieder heimisch geworden. Als Kind war er im Alter von zwei Jahren weggezogen und dann überwiegend im hessischen Hanau aufgewachsen, bevor es zum Studium nach Mainz ging. Seine Großväter in Speyer – einer Mediziner, einer Inhaber eines Installationsbetriebs – hätten den Arzt in vierter Generation aber weiterhin geprägt. Handwerker-Opa Weinspach – dessen Unternehmen in der heutigen Firma Zieger fortlebt – habe ihn als Steppke zu eindrucksvollen Aufträgen am Dom mitgenommen. „Speyer bedeutet für mich auch viele Kindheitserinnerungen.“ Und so schließe sich der Kreis, zumal er in seiner Herzensstadt nicht nur künftige Chefärzte treffe, sondern auch andere interessante Leute, bei denen es meist nicht lange dauere, über gemeinsame Bekannte ins Gespräch zu kommen.

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