Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Handwerk früher und heute: Die Goldenen Meister aus der Region

Roland Schreiner
Roland Schreiner

Wer den Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer der Pfalz erhält, kennt sich aus in seinem Beruf. Von den 142 Geehrten in diesem Jahr kommen sieben aus Speyer und Umland. Sie berichten im RHEINPFALZ-Gespräch über sich und fünf Jahrzehnte als Meister.

Roland Schreiner, Fleischermeister (Harthausen): Roland Schreiner begann seine Ausbildung im elterlichen Betrieb. Gleichzeitig habe er auch in zwei weiteren Unternehmen gearbeitet, „um ein umfassenderes Lehrbild“ zu bekommen, wie er berichtet. Seinen Familienbetrieb gibt es bis heute. Er wird in der fünften Generation von Schreiners Sohn Stephan geführt. Der Senior packt noch fast täglich mit an. Sein Geschäft bezeichnet er als „kleine Metzgerdynastie“, die „mit Liebe und Engagement“ geführt wird.

Als Schreiner in seinem Beruf anfing, hatten Fleischerbetriebe noch selbst geschlachtet. Nun ist diese Arbeit meist ausgelagert. Dem Goldenen Meister zufolge „würde keiner mehr Fleischer werden, wenn man selbst schlachten müsste“. Außerdem sei die Arbeit im Vergleich zu früher „leichter und humaner“ geworden. Zudem werde mehr Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, da e Fleischerbetriebe einigen Gegenwind durch die „vegetarische Welle“ erhalten hätten.

Als Mitglied in der Jury des deutschen Fleischerverbandes bereist Schreiner nun im Alter von 70 die Welt – er besucht Wettbewerbe unter anderem in den USA oder Japan, wo die Wurst, hergestellt nach dem deutschen Reinheitsgebot, sehr geschätzt wird. Auf diesem Weg kamen auch zwei Lehrlinge aus Südkorea in den Fleischerbetrieb, für deren Visa sich Schreiner persönlich einsetzte.

Werner Schick, Kraftfahrzeugmechanikermeister und Landmaschinenmechanikermeister (Speyer): Werner Schick ging mit 14 Jahren bei der Firma Cuntz in Harthausen in die Lehre als Landmaschinenmechaniker – besser gesagt wurde er vom Firmenchef persönlich „ausgewählt“, wie er schmunzelnd berichtet: Dieser sei zu Schicks Vater, einem Landwirt, gegangen und habe verkündet: „Albert, deinen Sohn hätte ich gerne als Lehrling.“ Werner Schick fand nicht nur seinen Traumjob, sondern auch seine künftige Gattin Annemarie, die Tochter seines Chefs. Später hatte er noch Kfz-Mechaniker dazugelernt und den „doppelten Meister“ gemacht, was damals nur in einer Vollzeitschule in Lüneburg ging. Darüber sei er heute noch dankbar, erzählt Schick: „Zum Beispiel kann ich beim Einbauen von einem Kompressor mitreden und bin nicht angewiesen auf andere.“

Sein Kfz-Meistertitel sei auch ausschlaggebend gewesen, um als Chef des heute in Speyer ansässigen Autohauses Cuntz eine BMW-Vertretung zu bekommen. 60 Jahre sind seit dem Beginn der Lehre vergangen – nun führen die zwei Kinder des Ehepaars Schick bereits in der vierten Generation den Betrieb. Mit fünf Mitarbeitern habe man damals begonnen, erzählt Schick. „Heute haben wir 170.“ Die Eltern sind „in zweiter Reihe“ dabei, sagt er: „Wir unterstützen alles, sind bei allen Aktivitäten gerne dabei.“

„Die Technik ist etwas schwieriger geworden, aber im Prinzip ist es dasselbe“, so Schicks Vergleich der Jahrzehnte. „Ein Motor ist immer noch ein Motor und jedes Auto hat vier Räder.“ Seine Arbeit habe ihm stets Spaß gemacht, so Schick. Er folge da ganz der Philosophie seines Vorbilds Burkard Bovensiepen, dem Firmengründer von Alpina. Als dieser gefragt wurde, wie lange er noch arbeiten wolle, habe er entgegnet: „Ich habe noch nie gearbeitet. Ich habe nur Hobbys: Automobile und Weinhandel.“

Gerhard Klauß, Tischlermeister (Waldsee): Gerhard Klauß begann seine Tischlerlehre in Waldsee bei seinem Vater. Dieser hatte sich zuvor selbstständig gemacht, damit er seinen Sohn als Lehrling beschäftigen kann. Seit 2014 wird die Tischlerei in dritter Generation von Klauß’ Sohn Peter geführt und wird dabei immer noch vom Goldenen Meister unterstützt. „Der Beruf des Tischlers hat sich in den letzten 50 Jahren geändert“, erzählt Klauß’ Ehefrau Marlies Klauß, die alles miterlebt hat. So sei früher die Arbeit körperlich sehr anstrengend gewesen; heute spielten Maschinen eine größere Rolle. Einst sei es normal gewesen, bis in den Abend hinein zu arbeiten, auch samstags. Auch das sei heute anders.

Die Schreinerei Klauß hat drei Angestellte und ist noch auf der Suche nach einem Lehrling für dieses Jahr. Der Seniorchef hat sich über die Ehrung in Waldfischbach gefreut, konnte sie aber gesundheitsbedingt nicht persönlich in Empfang nehmen.

Klaus Scherer, Bäckermeister (Speyer): Klaus Scherer begann seine Lehre in Speyer mit 15 Jahren. Nach fünf Gesellenjahren ging er nach München in die Meisterschule. Als einziger Pfälzer sei er gleich als zweiter Klassensprecher gewählt worden, „weil die Klassenkameraden den Pfälzer Dialekt so lustig fanden“, erzählt er. In seiner beruflichen Laufbahn bildete er 40 Lehrlinge in drei Berufsfeldern aus: Bäckerei, Konditorei und Fachverkäufer. Bis heute freue er sich über die Begegnung mit den Ehemaligen: Ein ehemaliger Lehrling komme einmal im Jahr aus Berlin, und „man trifft sich auf dem Speyerer Brezelfest“.

Die Bäckerei Scherer war berühmt für ihre „verrückten“ Kuchen – mit einem Projektor hatte Scherer Bilder auf die Kuchen projiziert und dann nachgemalt. Stars wie Udo Jürgens und Tina Turner hätten zu den Kunden gehört. Durch Ketten sinke die Anzahl der lokalen Bäckereien, jedoch findet Scherer: „Wenn heute einer Spitzenware macht, kann er auch bestehen.“ Scherer ist gerade 74 geworden und hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Seine Söhne haben andere berufliche Wege eingeschlagen. „Man muss wissen, wann man aussteigt, sonst kann man nicht genießen, was man sich aufgebaut hat“, sagt er. „Es ist besser, wenn einen die Kunden vermissen, als wenn sie froh sind, wenn man weg ist!“

Helmut Karn, Gas und & Wasserinstallateur (Schwegenheim): Helmut Karn begann seine Lehre 1964 in der Speyerer Firma Alfred Weidemann. Bis zur Gesellenprüfung dauerte es dreieinhalb Jahre, die Lehre umfasste zu diesem Zeitpunkt noch die Bereiche Sanitär, Gas und Spenglerei. 1973 wechselte er in den elterlichen Betrieb, den er 1974 als frischgebackener Meister aus traurigem Anlass übernehmen musste, da sein Vater in diesem Jahr verstarb. Eigentlich habe er Maler werden wollen, erzählt Karn. Jedoch habe ein Pfarrer ihm ins Gewissen geredet, dass es doch schade wäre, den Familienbetrieb nicht weiterzuführen. Karns Kinder schlugen andere Berufswege ein. „Man will ja, dass was aus den Kindern wird“, meinte Karn. Die hätten beim gemeinsamen Mittagessen immer mitgekriegt, wie belastend der Beruf sein kann, da währenddessen stets zahlreiche Anrufe von Kunden kamen.

Der Beruf des Gas- und Wasserinstallateurs hat sich laut Karn insofern gewandelt, dass viele Teile vorgefertigt geliefert werden, die man früher selbst zusammenschrauben musste. Deshalb gebe es heutzutage kaum noch gute Handwerker, meint er. Allerdings müsse die neue Generation auch in der Elektrik bewandert sein, weil die Technik im Installateursberuf immer komplexer werde.

Gerhard Weber, Kraftfahrzeugtechnikermeister (Speyer): Gerhard Weber begann seine Lehre in den frühen 1960er Jahren bei der Speyerer Firma Trautmann und Höh, die es heute nicht mehr gibt. Den Meister machte er in Mannheim. Er blickt gern auf sein Arbeitsleben zurück, denn sein Beruf habe ihn in viele Betriebe geführt. So arbeitete er acht Jahre lang bei der Schiffswerft Braun in Speyer, wo er Lehrlinge ausbildete. „Den Spruch ,Das geht nicht’ hat es nicht gegeben“, erinnert er sich. „Wenn mal Ersatzteile fehlten, dann haben wir sie einfach selbst hergestellt. Heute ist dieser pragmatische Ansatz nicht mehr möglich.“ Als Weber später auf Jobsuche war, halfen der Zufall und sein Hobby: Er hatte einen Wohnwagen, den er eigentlich nur zur Reparatur zu Rikis Wohnmobile in Otterstadt bringen wollte – und wurde eingestellt.

Die Arbeit habe sich stark verändert, sagt Weber. „Große Unternehmen wie VW oder BMW machen den Werkstätten viele Vorschriften. Sie rechnen mit Zeiten, die nicht einzuhalten sind.“ Außerdem beobachte er eine sinkende Arbeitsmoral. Auf die Frage, ob er heute noch gerne an Motoren bastle, entgegnet er: „Heute lass ich schrauben, stell’ mich nebendran und sag’, wie es gemacht wird“

Karl Bucher, Fleischermeister (Speyer): Karl Bucher begann seine Lehre im Familienbetrieb. Die Arbeit habe ihm stets Spaß gemacht, erzählt er. Seiner Meinung nach hat der Beruf sich vollkommen verändert, er sterbe aus. Sein Betrieb habe keinen Nachfolger gehabt, er ist seit einigen Jahren im Ruhestand. Die Verleihung des Goldenen Meisterbriefs bezeichnete er als willkommene Abwechslung. Wenn er heute beim Metzger einkaufe, frequentierte er verschiedene Geschäfte, „mal do, mal do“, so Bucher.

Werner Schick
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Helmut Karn
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Gerhard Weber
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