Speyer Handtaschen fliegen um die Wette
Die harten Fakten – die Meter – zählen. Daran führt beim Handtaschenweitwurf für Damen beim Spargelfest in Dudenhofen am Sonntagnachmittag kein Weg vorbei. Aber: Auch die künstlerische Note fließt zu 30 Prozent mit ein. Immer schön Haltung bewahren, hieß es also für die Teilnehmerinnen, die sich mehr spontan als bewusst zum Wettbewerb gemeldet haben.
Das Reglement lässt keine Ausnahmen zu. Eigene Handtaschen sind vom Wettkampf ausgenommen – das macht der Vorsitzende des Ortskartells, Hansgerd Walch, den Damen klar, die mit ausgedientem Material antreten möchten. Nicht weiter tragisch: Der Veranstalter ist vorbereitet und stellt eine Handtasche. Normgerecht ausgewählt natürlich. Sprich: ein Kilo Sand zum Beschweren im Inneren und die Henkellänge kleiner 70 Zentimeter. Wie die Tasche geworfen wird, steht jedem frei Immerhin ist die Wurftechnik variabel. Beim Hingucken erleben die Umstehenden ein Schauspiel. Bettina Hitt legt los, setzt an, setzt ab, wirbelt die Tasche dann doch am langen Henkelende, wirft – au weia. „Bettina! Weitwurf!“, ruft Freundin Eva Bauer und lacht Tränen. Senkrecht in die Höhe hat Hitt die Tasche katapultiert. Behalten hat sie die getroffene Baumkrone glücklicherweise nicht. Esther Lelle wagt ebenfalls den Vorstoß. „Ich probier’s mal so“, sagt sie mehr zu sich selbst und setzt zum rückwärtigen Kurbelschwung an. Nee, das war auch nicht das Richtige. „Ich kann nur hoch, nicht weit“, kommentiert sie das Ergebnis, das – immerhin – bei 7,40 Meter liegt. 19,20 Meter sind nicht zu toppen Die Laune verderben lässt sich Lelle nicht. Schließlich war die Teilnahme am Handtaschenweitwurf-Wettbewerb ungeplant und die Vorbereitungszeit folglich minimal. „Eigentlich sind wir wegen der Kinder-Olympiade zum Spargelfest gekommen“, verrät Lelle, die in Altrip wohnt. Ihre Freundin Annika Traut, ihres Zeichens Dudenhofenerin, hat sie dazu animiert. Sie ist jetzt begeistert, selbst Hand anlegen zu können: „Es ist toll, dass die Muttis auch was machen dürfen.“ Traut ist dran an der Tasche. Die Technik ist nicht verkehrt – nur ein bisschen mehr Zunder könnte das Flugobjekt vertragen. Tochter Alessa bringt das in ihren Worten zum Ausdruck: „Mama! Hau rein!“ Mama macht’s. Ergebnis: 12,15 Meter. Gar nicht mal so übel. Aber: An Katharina Aures (21) kommt keine vorbei. 19,20 Meter sind einfach nicht zu toppen. Bislang nur Christbäume geworfen Grämen müssen sich die Mitbewerberinnen aber nicht, denn Aures ist Leichtathletik-Ass und bringt es beim Speerwurf locker auf 44 Meter. „In der Schule habe ich früher auch Schleuderball gemacht und dachte, das funktioniert mit der Tasche genauso“, berichtet sie über ihre Herangehensweise an den außergewöhnlichen Weitwurf. Eines Besseren belehren lassen musste sich aber auch die Fachfrau, denn: „Die Tasche verformt sich. Das ist ein anderes Gefühl.“ Frei von Emotionen sind die Fakten und die sprechen für Aures. Die Harthausenerin beherrscht die Eleganz im sportlichen Ausdruck. Handtaschen hat sie vorher noch nie geworfen, merkt sie an. „Aber Christbäume“, ergänzt die Sportlerin. Für ihren Einsatz beim Spargelfest wird sie mit zwei Kilo der feinen Gemüsestangen belohnt – geschmackvoll, der Erfolg.