Speyer Hammer im Wald geschwungen
Gedacht als Aufmunterung, Trost oder Ironie: Zur Eröffnung der Brennholz-Versteigerung bei Schneetreiben am Samstagmorgen im Harthäuser Wald spielte die Blaskapelle Dudenhofen den Evergreen „Wochenende und Sonnenschein“. Im Gegensatz zu den Besuchern und Mitbietern saßen die Musiker zumindest unter einer schützenden Zeltplane. Linde, Buche, Eiche und Birke wechseln – je nach Menge und Holzart – mal für über 100 und mal für bis zu 200 Euro den Besitzer.
Viele sind es nicht, die Ortsbeigeordneter Günter Gleixner begrüßen kann. Unabhängig von den äußeren Wetterbedingungen sank die Zahl der Interessenten über die Jahre kontinuierlich. Zuletzt konnte der erzielte Preis nicht mehr die Unkosten decken. Deshalb versteigerten Gemeinde und Forstamt Pfälzer Rheinauen nicht den klassisch abgemessen-aufgeschichteten Ster, sondern zum zweiten Mal Polderholz. Polderholz ist sechs bis acht Meter lang und muss vom Aufkäufer an der Fäll-Stelle – dieses Jahr zwischen Allmend-Kapelle und Hundeplatz – selbst zurechtgestückelt und abgeholt werden. Was nur mit Motorsägen-Schein und Schutzkleidung erledigt werden darf. Förster Jürgen Render erinnert: „Arbeiten Sie im Wald nie alleine! Wenn Sie sich verletzen, bleibt Ihnen keine Zeit, das Handy aus der Schaffhose zu klauben.“ Als Zeitvorgabe der Holz-Einholung nannte er Ende April. Dann könne erst wieder ab Oktober im Forst gearbeitet werden. 120 Ster Laubholz hat die Gemeinde für die Aktion fällen lassen. Was einer Fläche von etwa einem halben Hektar entspricht. Der Ortsbeigeordnete Gleixner verspricht: „Was am Boden liegt, wird nachgepflanzt.“ Die Kosten schätzte er auf 12.000 Euro. Schließlich soll die Brennholz-Versteigerung als „Alleinstellungsmerkmal von Harthausen“ noch möglichst lange beibehalten werden. Finanziell rechnet sich die Aktion nicht. Schon 2015 lag der Durchschnittserlös von 58 Euro pro Ster unter den Arbeits- und Aufwandskosten. Nach dem Pausenjahr 2016 freute sich Förster Render 2017 über „gute 46 Euro“. Am Samstag nimmt er wieder den Zuschlag-Hammer – ansonsten in der Asservatenkammer verwahrt – zum Aufrufpreis von 35 Euro in die Hand: „Polder 51, 4 Ster Eiche, 140 Euro.“ Bei Fingerzeichen oder Winken wird das Gebot um 5 Euro erhöht. Render zitiert jedoch zuvor aus der königlich-bayerischen Verordnung für die Pfalz aus dem Jahr 1878. Paragraph 1: Notorisch zahlungsunfähige Personen sind von Holzversteigerungen ausgeschlossen. Weiter ist unter anderem vermerkt: Wer ersteigert, hat einen in der Pfalz wohnenden Bürgen zu nennen. Es gilt, gekauft wie gesehen, angegebene Menge, Qualität, Brennwert sind Richtwerte. Gemünzt auf die heutige Zeit fügte er hinzu: „Feuer entzünden und Rauchen ist im Wald verboten.“ Die Blaskapelle macht Pause, der Kultur- und Heimatverein schenkt derweil Glühwein aus, siedet Servela. Es schneit und regnet bei fast Null Grad. Render lobt die Hauptgewinne einer Tombola zugunsten von Kindertagesstätte und Grundschule aus, verweist auf die Motorsägen-Kurse von Andreas Hein, ruft die 4 Ster Eiche auf, hämmert für das Kaufgebot von 170 Euro Späne vom Hackklotz. 3,6 Ster Buche bringen ebenfalls 170 Euro, dazwischen etwas Kiefer für 125 Euro. 2,5 Ster Birke mit untergemischter Eiche gehen für 105 Euro weg. 4 Ster Linde mit Weidenholz versetzt bietet Förster Render für 25 Euro den Ster an – „das brennt auch“ – kassiert mit 110 Euro nicht viel mehr. Die größte Differenz von Angebot (140 Euro) und Zuschlag (205 Euro) bescheren ihm 4,1 Ster Buche/Hainbuche.