Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Hamburg Blues Band feat. Chris Farlowe kommt am 15. Februar

Hamburg Blues Band mit Gert Lange (Zweiter von links).
Hamburg Blues Band mit Gert Lange (Zweiter von links).

In der Festhalle Dudenhofen präsentiert im Rahmen der „40th Anniversary Tour“ die Hamburg Blues Band (HBB) mit „The Voice“ Chris Farlowe. Wir sprachen mit Gert Lange.

Die Hamburg Blues Band ist ein einzigartiges Konstrukt. Eigentlich eine deutsche Band um den Sänger und Rhythmusgitarrist Gert Lange, gegründet in St. Pauli im Onkel Pö, dem legendären Jazzlokal, dem Udo Lindenberg in seinem Hit „Alles klar auf der Andrea Doria“ ein musikalisches Denkmal gesetzt hat.

Initiator war aber mit Dick Heckstall-Smith der begnadete Saxophonist von Colosseum und Musiker bei Alexis Korners Blues Incorporated, bei denen sich die Rolling Stones zusammenfanden. Was Korner für die Londoner Blues Szene der 1960er-Jahre, das war Heckstall-Snith für die deutsche. Das Onkel Pö war der Szenetreffpunkt, in dem sind damals viele Musiker hängen geblieben nach einer gemeinsamen Tour mit Roger Chapman, denn nachdem alle anderen Kneipen auf St. Pauli schon geschlossen hatten, ging im Onkel Pö musikalisch die Post ab. Daraus wurde im Laufe der Nacht eine Jam-Session und daraus gründete sich die Hamburg Blues Band, gleich zu Beginn schon mit deutschen, britischen und US-amerikanischen Musikern.

Live auf der Insel

Mit Sänger/Gitarrist Gert Lange ist jetzt noch ein Gründungsmitglied an Bord, nachdem viele der langjährigen Mitstreiter leider verstorben sind, oder dem immensen Tourpensum der vergangenen 40 Jahre Tribut zollen mussten. „Da ging es Schlag auf Schlag, 100 Konzerte pro Jahr und dazwischen Studioaufnahmen, wir hatten nie Zeit uns hinzusetzen und mal nachzuzählen, wie viele Gigs wir überhaupt gespielt hatten“, beschreibt Lange die intensive Phase der Bandgeschichte.

Hinter den Kulissen wirkt mit Pete Brown der Mann als informelles Mitglied mit, der als Texter für Hits wie „White Room“ von Cream mitverantwortlich war. Brown und auch Heckstall-Smith waren „Katalysatoren“, die die Türen in die britische Szene weit aufgestoßen haben und die Hamburg Blues Band auch live nach Großbritannien führte.

Kein Wundern, dass in der HBB internationale Top-Stars der Rock- und Bluesszene entweder als Gastmusiker oder als festes Mitglied dabei waren. Enge Verbindungen gab es logischerweise zu der Jazz-Rock Legende Colosseum, Clem Clempson, der Gitarrist war einige Jahre als Nachfolger von Alex Conti an Bord.

83 Jahre „junger“ Sänger

Mit Chris Farlowe, dem Sänger von Colosseum kommt die HBB wiederum mit „Star-Power“ nach Dudenhofen. Schon 83 Jahre „jung“, absolvierte er mit einer neu formierten Colosseum-Besetzung über 40 Shows in diesem Jahr, dazu kommt die ausgedehnte Runde mit der Hamburg Blues Band, mit der er schon über 500 Mal zusammen aufgetreten ist.

„Chris braucht das einfach“, beschreibt Lange seinen Sänger, „genau wie Arthur Brown, der mit 81 noch Stagediving macht, ist Chris der geborene Entertainer und seine Stimme ist nach wie vor auf Top-Niveau.“

„Sich immer wieder neu erfinden, ist unser Konzept“, beschreibt Gert die Hamburg Blues Band. Mit dem britisch-norwegischen Gitarristen Krissy Matthews hat Lange das „Wunderkind“ der Bluesgitarre verpflichtet. Geboren 1992, könnte er glatt der Enkel von Sänger Gert Lange sein. „Wir waren damals auf einem kleinen Festival an der Schlei und Krissy hat mit seiner damaligen Band vor uns gespielt. Was der Bursche abgeliefert hat, hat uns so begeistert, dass wir ihn gleich „kassiert“ haben“ lacht Gert, der passenderweise seine Whatsapp-Nachrichten gerne mit einer Piratenflagge beendet. Mit Reggie Worthy und Eddie Filip steht seit 2020 ebenfalls eine neu formierte Rhythmusgruppe am Start. Nachdem Hansi Wallbaum leider verstorben war und sich „Bexi“ Becker zurückgezogen hatte, kamen mit Eddie die gelegentliche Vertretung von Hansi fest an Bord und Reggie war schon früher 4 Jahre festes Mitglied. 1981 noch als Mitglied bei der Band von Tina Turner blieb er zunächst in München hängen, spielte ebenfalls bei Udo Lindenberg und Eric Burdon und nun auch wieder bei der Hamburg Blues Band.

„Die Latte liegt sehr hoch“

„Wichtig ist, dass man musikalisch und menschlich gut miteinander klarkommt“, beschreibt Gert Lange das Bandgefüge, „Alter spielt da eine untergeordnete Rolle.“ Gert, der gerade 70 geworden ist, hat seine Krebserkrankung überwunden und steckt noch voller Pläne für die HBB. „Mit Friends for a LIVEtime Vol 1“ haben wir die Messlatte sehr hochgelegt, das würde ich gerne mit der neuen Compilation toppen“, so Lange, der vor allem mit Zusammenstellung der Songs der genannten Platte von 2013 sehr zufrieden ist. „Ich habe genug Material, teils sogar fix und fertig gemischt in der Schublade für Volume 2 und sogar schon für Volume 3, aber die Latte liegt sehr hoch“, beschreibt Gert seine „Drucksituation“.

„Auch neues Material aus dem Studio kommt sicher demnächst wieder, bei uns wird das ja auch fast alles „live“ eingespielt, bis auf der Covid-Zeit, wo es nicht möglich war, sitzen wir in der Regel zu viert im Studio und spielen die Takes gemeinsam ein“, beschreibt Lange den traditionellen Ansatz ohne digitale Tricksereien. So ähnlich lief damals auch das kurioseste Kapitel der Bandgeschichte ab. 1988 nahmen Gert Lange zusammen mit Hans Wallbaum und den Kraan- und Interzone-Musikern Leo Lehr und Ingo Bischoff für ein Kleinstlabel eine Heavy Metal Platte unter Pseudonymen mit dem Titel (der gleichzeitig Bandname und Programm war) „Mystery“ auf.

Ungewöhnliche Heavy Metal Platte

Label und Eigentümer verschwanden bald danach und so wäre es in Vergessenheit geraten, wenn nicht ein Fan aus Frankenthal, der mittlerweile bei einem Label arbeitet, 20 Jahre lang verzweifelt versucht hätte, hinter die wahre Identität der Musiker dieser ungewöhnlichen Heavy Metal Platte zu kommen. Über die GEMA-Datenbank fand er heraus, das Gert Lange Sänger auf dem Album war und so konnte eine kleine Auflage der „Platte mit dem Auge“ mit dessen Zustimmung neu erscheinen. „Ich unterschreibe die gerne auch als Gerald L.“ kündigt Lange lachend an, der als letzter Überlebender dieser Besetzung Spaß an der Tatsache hat, dass diese Randnotiz seiner Karriere den Pfälzer Andreas „Neudi“ Neuderth so sehr bewegt hat, dass er fast 30 Jahre lang nicht locker ließ, bis er die wahren Namen herausfand und die halb vergessenen Aufnahmen wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen konnte.

Auch er freut sich schon, Gert Lange und die Hamburg Blues Band in Dudenhofen am 15. Februar in der Festhalle zu treffen.

Info

15. Februar, Festhalle Dudenhofen, Einlass 19 Uhr, Beginn 20 Uhr, Karten: www.reservix.de

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