Speyer Halb zermatschte Artgenossen
Das Auto ist mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Für viele Kfz-Eigentümer ist die Blechhülle Symbol individueller Freiheit und emotionales Bezugsobjekt – für manchen sogar Fetisch. In einer Monstertruck-Show gipfelt die Benzin-Liebe dann in einer Art lustvollen Kannibalisierung, wenn stark motorisierte, auf riesige Fahrgestelle gesetzte Pick-up-Trucks über Schrottautos rumpeln. Mit zwei Auftritten auf dem Marktkauf-Parkplatz (Auestraße) hat eine Artistentruppe am Sonntag die Erwartungen ihrer Fans erfüllt.
Da dekonstruiert sich das Fortschrittssymbol am Abend selbst. Inklusive einer gewissen unfreiwilligen Komik, wenn der finale Akt ausfällt, weil der V8-Motor eines Chevy Minivans („Mini“ in diesem Fall ironisch gemeint) streikt und das Schlachtross „Big Danger“ den Sprung über die bereits halb zermatschten Artgenossen verweigert. Für viele Kinder und Erwachsene ist das offenbar ein großes Faszinosum, denn beim übrig gebliebenen fahrbereiten „Red Hunter“, einem von einem Schiffsaggregat angetriebenen Geländewagen mit Ladefläche, bildete sich eine lange Schlange Dreikäsehochs, die einmal hoch auf dem roten Wagen beim Schwager Roselly vorn sitzen wollten. Vor dem Höhepunkt durften die Zuschauer in der ersten Hälfte der laut eigener Angabe „größten Action-Stunt-Show Europas“ die Fahrkünste der Lenk-Künstler des Familienclans und Schaustellerbetriebes Roselly bewundern. Serienfahrzeuge balancieren auf zwei Rädern. Eine 360-Grad-Wende auf zwei Rädern. Formationsfahren auf zwei Rädern. Mit der Motocross-Maschine auf einem Rad fahren, weitspringen, durch einen brennenden Ring springen. Mit Quad-Bikes auf zwei Rädern fahren. Wahlweise seitlich oder auf den Antriebsreifen. Große Unterhaltung für kleine wie auch große Automobilisten. Dazu dröhnte aus Boxen die passende Musikbegleitung. „Eye of the Tiger“, „Highway to Hell“ und neuzeitlicher Hip-Hop untermalten die Vorführungen der Wagemutigen am Steuer. Kleiner Wermutstropfen: Nicht alle vorab angekündigten Gefährte kamen an diesem Abend zum Einsatz. Die Hubraum-Kapitäne gaben sich alle Mühe, mit Altreifen und Gummimatten jegliche Schäden am Parkplatz des Marktkauf-Geländes zu verhindern. Gerade im vorsichtigen Umgang mit den brennbaren Elementen der Show zeigten sich die Stuntprofis, die auch bei der Fernsehserie „Alarm für Cobra 11“ zum Einsatz kommen. Sicherheit geht vor bei den Rosellys. Aus dem Fernseh-Repertoire gab es ebenfalls einen Stunt zu sehen: Ein kleiner Italiener namens Gonzales wurde feuerfest verpackt auf das Dach eines mit Stahlstreben verstärkten Fahrzeugs geschnallt, und ab ging’s mit Karacho durch eine brennende Bretterwand. Aus Umweltschutzgründen verwende man nur Waschbenzin, ließ die Ansage wissen. Der nächste logische Schritt in dieser Hinsicht wären vielleicht zusätzliche Filter für die Dickschiffe, denn deren Abgasfahnen waren wohl bis Phillipsburg zu sehen und zu riechen. Man ahnt es: So ein Blechfetisch muss eben alle Sinne ansprechen. Die Serie Für diese Serie, eine Momentaufnahme aus dem Alltag, sind wir jede Woche gezielt in der Stadt unterwegs.