Speyer
Höhen und Tiefen im Netz: Wie gut kommen Radfahrer durch Speyer?
Im Prinzip reicht schon der Blick in eine von Speyers wichtigsten Straßen. Die Bahnhofstraße verbindet den Speyerer Norden mit dem Zentrum und gehört zu den häufigsten Fahrradrouten. Und hier zeigt sich vieles, was Sophie Etzkorn an der Fahrradinfrastruktur in der Domstadt grundsätzlich beklagt. „Die Radwege sind marode und zu schmal. Sie nehmen Fußgängerinnen und Fußgängern Platz“, sagt die Aktive im Verein Inspeyered, die sich für die Verkehrswende einsetzt. Sie hat auf Anfrage der RHEINPFALZ zusammen mit ihren Mitstreitern neuralgische Punkte aufgelistet – und ist dabei immer wieder bei der Bahnhofstraße gelandet.
Die „unklare Kreuzungssituation“ wird zum Beispiel noch angeführt: Wie vom Radweg in der Bahnhofstraße korrekt nach links in den Hirschgraben abbiegen? Es ist der wenige Platz aufgelistet, der Radfahrern wie Fußgängern bleibt, wenn sich diese den begrenzten Raum vor der Bushaltestelle am Bahnhof teilen müssen, und die Situation vor dem Geschäftshaus neben der Arbeitsagentur. Dort verlaufe der Radweg direkt vor den vermieteten Einheiten. Etzkorn würde sich wünschen, dass die angrenzenden Parkplätze entfernt werden, dann könnte ein breiter Radstreifen angelegt werden. „Parkalternativen gäbe es in Richtung Innenstadt oder am Bahnhof.“ Und eine Gefahrenstelle wäre beseitigt.
Radwege, die einfach enden
Das Problem mit den nicht ausreichenden Radwegen sehen die Inspeyered-Leute auch in der Wormser Landstraße und Dudenhofer Straße. Radwege, die einfach enden, beklagen sie vor der IGS sowie in der Schützen-, Linden- und Iggelheimer Straße. Zumindest auf den Hauptachsen durch die Stadt würden sie sich sichere, breite Radwege wünschen. Das gelte etwa auch für die Kreuzung vor der Gedächtniskirche und die Landauer Straße. Sehr begrüßen würden sie echte Fahrradstraßen ohne Park- und Autoverkehr, eine bessere Trennung von Rad- und Fußwegen zum Beispiel mit weißen Markierungen sowie konsequentes Ahnden von illegalem Gehwegparken.
Viele ihrer Ideen seien nicht neu, betont Etzkorn. „Der Plan liegt in der Schublade.“ Sie meint damit das Radverkehrskonzept von 2017, das eine dreistellige Anzahl konkreter Maßnahmen vorschlug, die aber nur zum Teil umgesetzt wurden. Es gehe nicht alles auf einmal, und manches sei auch schon wieder überholt, hat die Stadtverwaltung das erklärt. Sie betont aber auch: „Die Stadt Speyer investiert stetig in die Fahrradinfrastruktur.“
Die Stadt investiert
Rund 20 Kilometer reine Fahrradwege gibt es demnach in Speyer, daneben existierten etwa 35 Kilometer gemeinsame Rad- und Gehwege sowie 1,5 Kilometer Schutzstreifen auf der Fahrbahn. Zur letztgenannten Kategorie wurde im Hirschgraben, in der Oberen Langgasse, Karl-Leiling-Allee, Industriestraße/Klipfelsau, Linden-, Schützen- und Iggelheimer Straße gegriffen. In diesem Jahr seien keine Änderungen am Radwegenetz geplant, so eine Verwaltungssprecherin auf Anfrage. Es seien aber Verbesserungen bei der Beschilderung denkbar, und es werde die Öffnung weiterer Einbahnstraßen für gegenläufigen Fahrradverkehr geprüft. Außerdem würden weitere Fahrradabstellanlagen installiert. Nach dem Postplatz kämen als Nächstes die Bereiche vor dem Judenhof und dem Bürgerbüro in der Maximilianstraße an die Reihe.
Stimmt das die Kritiker milde? Nicht nur Inspeyered meldet sich immer mit dem Wunsch nach Verbesserungen zu Wort, auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), weitere Initiativen und Privatleute tun ihre Wünsche kund – zu ganz unterschiedlichen Aspekten. Dazu gehören besagte Fahrradabstellanlagen, mit denen Sophie Etzkorn ihre eigenen Erfahrungen gemacht hat: Sie reichten in der Innenstadt oft nicht aus und seien mangelhaft. „Der Verkehrsentwicklungsplan von 2015 fordert bereits diebstahlsichere, standsichere, witterungsgeschützte Anlagen – nichts passiert“, so Etzkorn. Ein weiterer Wunsch auf ihrer Liste: ein Fahrradparkhaus, am liebsten in der Innenstadt oder am Bahnhof.
Kehren Leihfahrräder zurück?
Bliebe noch die Erinnerung an einen besonderen Teil der Fahrradinfrastruktur: das Leihsystem Nextbike, das an mehreren Stationen in der Stadt das Ausleihen von blauen Fahrrädern ermöglichte. Speyer ist Ende 2025 nach rund einem Jahrzehnt ausgestiegen, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht gestimmt habe. „Ein Rückschritt bei der Verkehrswende“, urteilt Etzkorn. „Leihräder schließen Lücken im ÖPNV-Netz.“ Immerhin gebe es mehrere Lastenfahrräder, die man sich kostenlos ausleihen könne. Eines davon ist in Abstimmung mit Inspeyered beim von Etzkorn betriebenen „Kaufladen“ stationiert. „Kaum bekannt und nicht gefördert“, sieht sie aber auch hier Verbesserungspotenzial. Die Stadt betont, das Thema Leihfahrräder nicht endgültig zu den Akten gelegt zu haben: Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) wolle ein neues System etablieren, und wenn es dazu konkrete Angebote gebe, würden diese dem Stadtrat vorgelegt.
Die Serie
Im Frühling starten die Speyerer Fahrradfans durch. In dieser Serie gibt es Tipps, damit dabei alles rund läuft.
