Speyer
Grundschule Berghausen: Kinder beschäftigen sich mit dem Tod
Was tun, wenn andere traurig sind? Die Kinder der Klasse 4b der Grundschule Berghausen haben dafür eine Menge Ideen. Diese schreiben sie auf grünes Papier in Blatt-Form und kleben es an eine vorgemalte Bohnenstange auf einem großen Banner. Hospiz hat Schule gemacht in der vergangenen Woche und die Themen Tod, Trauer und Trost sind kein Tabu mehr.
Petra Gutekunst ist die Koordinatorin des Unterrichtsbesuchs und kommt vom Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst Speyer. Sie hat sieben Mitstreiterinnen mitgebracht, die sich in die Arbeit in Kleingruppen während des fünftägigen Projekts „Hospiz macht Schule“ eingebracht haben. Am Freitag – dem letzten Tag des Projekts in dieser Klasse – geht es um das Werden und Vergehen.
Sich selbst auf die Schulter zu klopfen, wenn eine Aufgabe erledigt wurde, gehört bei Gutekunst dazu. Der Nachwuchs nimmt das dankbar an. Das kann er auch, denn die Vorschläge, wie andere in ihrer Trauer getröstet werden können, stoßen auf positive Reaktionen bei den Mitschülern. Lara würde trösten, indem sie den anderen umarmt. Liam würde gemeinsam Fotos anschauen, Felix würde zuhören und Christian sogar ein Trostgeschenk basteln. Applaus gibt es für alle.
Über eigenen Verlust sprechen
„Wir wollen den Kindern in der Grundschule einen Rahmen bieten, in dem sie über eigene Verlusterfahrungen sprechen können“, sagt Gutekunst. Sie ist sie mit ihren Helferinnen in der Grundschule bereits im zweiten Jahr und lobt den Mut der Einrichtung, sich dem Thema zuzuwenden.
Verlust kann viele Gesichter haben. Das haben die Viertklässler in den zurückliegenden Tagen gelernt. Kriege, Flucht aus der Heimat, der Tod eines Elternteils, Scheidung – etliches kam zur Sprache. Künstlerisch ausgedrückt haben sich alle in Trost- und Seelenbildern. Die spiegeln die Empfindungen sehr emotional wider.
„Prinzipiell sind die Kinder sehr offen für das Thema, aber in der Woche wachsen auch die Beziehung untereinander, die Wahrnehmung und das Vertrauen“, sagt Gutekunst. Schülerin Verena findet es toll, sich einmal mit Trauer und Tod auseinanderzusetzen. Sie hat es nicht als schwierig empfunden, von eigenen Erfahrungen zu berichten. Auch Elisabeth hat gerne mitgemacht. „Das Projekt hat echt geholfen“, ist die Grundschülerin überzeugt, künftig anders mit Verlusten umgehen zu können.
Eltern mit Bedenken
Lehrerin Petra Wilhelm, die gestern die Klasse von Kollegin Christiane Trapp betreut hat, erinnert sich noch an die Bedenken, die Eltern teilweise im Vorfeld des Projekts geäußert haben. „Sie hatten Angst, dass das Thema zu viel für die Kinder wird“, sagt Wilhelm. Das ist nicht der Fall gewesen. Im Gegenteil. Gemeinsam wurde gearbeitet, gelacht und auch geweint. „Alle haben erfahren, dass sie in einer tragenden Gemeinschaft sind“, macht Gutekunst deutlich.
Zum Abschluss haben die Grundschüler am Freitag einen Wunsch erblühen lassen und die Last der gesamten Woche bei einem Tanz abgeworfen. In den kommenden beiden Wochen sind die Klassen 4a und 4c an der Reihe, dem Hospiz in der Schule einen Platz einzuräumen.