Speyer
Grundlos Passanten geschlagen: Junger Gewalttäter muss in Haft
Der 20-Jährige aus Speyer musste sich diese Woche gleich wegen mehrerer Taten vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts verantworten. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, zweimal, im November 2022 und im Januar 2023, in Heidelberg und vor dem Judomaxx in Speyer, jeweils ohne Anlass auf der Straße ihm unbekannte Passanten geschlagen zu haben. In Heidelberg soll er noch dazu die Ehefrau des Verletzten beleidigt haben, die nach Hilfe rief. Beide Male war der Mann stark alkoholisiert.
Angeklagt war er außerdem wegen eines Wohnungseinbruchs in Speyer im März 2022, bei dem die Beute gering, der Schaden aber hoch war. Er wurde zu einer Einheitsjugendstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Darin einbezogen waren noch zwei frühere Verurteilungen.
„Eine Bombe“
Der Angeklagte hatte laut Ergebnis der Beweisaufnahme in den fünf Jahren nach seiner Strafmündigkeit eine bemerkenswerte kriminelle Karriere hingelegt, vor allem mit Diebstählen und Körperverletzungen in rascher Folge. Meist war er bei den Taten noch auf Bewährung. Er sei ein „Gewalttäter von hoher Aggressivität“, „eine Bombe, die jederzeit wieder hochgehen kann“, wie der Vertreter der Staatsanwaltschaft es ausdrückte.
Bei den beiden Straftaten, für die es Zeugen gab, hatte er neben Alkohol Amphetamine im Blut. Beides konsumiere er seit frühester Jugend, Alkohol seit dem zehnten Lebensjahr, Betäubungsmittel, vor allem Amphetamin und Cannabis, seit dem zwölften Lebensjahr. Die Vertreterin der Jugendhilfe gab einen Bericht zu seinen persönlichen Verhältnissen. Es kamen Einweisungen in Heime, weil die Familie nicht mehr mit ihm klarkam, Versuche von Therapien, die nur kurze Besserung brachten, sowie Aufenthalte im Pfalzklinikum vor. In dem Klinikum habe die Polizei einen hochgefährlichen Auftritt des jungen Mannes beenden müssen. Seine Familie sei auseinandergefallen, er leide unter Suizidgedanken und nehme Medikamente, hieß es in dem Bericht.
Erinnerung zum Teil getrübt
Die Taten gab der Angeklagte sofort zu – „soweit ich mich erinnern kann“. Die Zeugen gaben jeweils übereinstimmende Erklärungen ab. Im November 2022 standen demnach ein Ehepaar und der Bruder der Frau gegen Abend in Heidelberg vor dem Haus der Eltern, die sie besucht hatten, und unterhielten sich, als der Angeklagte vorbeilief. Dieser fuhr den Ehemann an – „wieso schaust du mich so an“ – und schlug ihm sofort mit der Faust an den Kopf. Dann trat er mit aller Gewalt an dessen Bein. Die Ehefrau hat er demnach vulgär beleidigt. Er habe sehr langsam gesprochen und auch etwas geschwankt, als er ihr entgegenkam, sagte die Zeugin. Eine später von der Polizei veranlasste Blutprobe ergab 2,32 Promille.
Bei dem Wohnungseinbruch im Januar diesen Jahres, so erzählte der Mieter, der die Tat beim Heimkommen entdeckte, waren etwa 12 Euro an Kleingeld und eine XBox weggekommen, die er zurückerhalten hat. Sachschaden an der eingetretenen Tür und in der Wohnung: 2000 Euro.
Mehrfach Schläge kassiert
Zum Vorfall vor dem Judomaxx sagte das Opfer aus, während eines Telefongesprächs aus heiterem Himmel von dem 20-Jährigen geschlagen worden zu sein. Hier war dieser offenbar an den Falschen geraten: Der Angegriffene konnte sich gut wehren und schlug zurück. Der Täter sei wieder und wieder auf ihn zugestürmt, habe aber jedes Mal Schläge kassiert.
In ihren Anträgen blieb die Staatsanwaltschaft mit drei Jahren dicht beim späteren Urteil, während Verteidiger Steffen Christmann auf eine Bewährungsstrafe plädierte, um dem Angeklagten eine Drogen- und Verhaltenstherapie zu ermöglichen.