Speyer „Großes Angebot und trotzdem familiär“

Vielleicht muss man fremd sein, um entdecken und schätzen zu können, was eine Region alles zu bieten hat. Beate und Bärbel Freund aus Ladenburg waren am Samstag zum ersten Mal in Dudenhofen und fühlten sich bei der kulinarischen Wanderung „SpargelSpitze“ gut aufgehoben. „Frische Luft, gutes Essen, guter Wein, super Atmosphäre. Alles ist liebevoll gemacht“, so fassten die eineiigen Zwillinge ihre Eindrücke während des Rundgangs zusammen.
Ein Bad in Spargelsud, wie es chinesische Ärzte in früherer Zeit als Linderung für müde Füße empfahlen, war nicht unbedingt nötig nach der Tour zwischen Bauhof, Sodabrücke und Wingartsmühle. Es gab ja alle paar Meter Sitzgelegenheiten, Schlückchen, Häppchen. Und natürlich Asparagus, „etwas vom Spargel“: Stücke der weißen und grünen Stangen in Verbindung mit anderen Lebensmitteln, wie es in Omas oder Mutters Kochbüchern nicht vorkommt. Beispiel: Südtiroler Schlutzkrapfen „Waldheim“ mit Spargelfüllung. Zubereitet wurden die Krapfen von Botschaftern der Partnergemeinde Martell. Weitere Angebote aus ihrer mit dem Kirchenchor beriebenen Gemeinschaftsküche: Makkaroni an Spargelragout, Spargelsalat mit Marteller Käse und Südtiroler Speck. Als Nachspeise Erdbeeren mit Sahne/Secco. Auch darauf muss man erst mal kommen: Spargel-Hot-Dog beim Turnverein, Spargelbratwurst bei Fußballverein und Catering Chili’s. Schon eher auf den üblichen Speisekarten von Gaststätten zu finden: Quiche, Garnelenspieß mit grünem Spargel (Sterntaler), Spargelcremesuppe mit Bärlauchpesto im Brotlaib (Straub Catering Artists), Spargel in Pfannkuchen (Rewe), Spargelcrêpes (von Olnhausen und Kilianer AG). Danach Kaffee und Kuchen am Stand der Clemens-Beck-Grundschule. Roni Zürker erntet derzeit „extrem wenig Spargel“, wie er sagt. Dem Edelgemüse sei es trotz dickem Folienmantel zu kalt. Für den Landwirt nicht weiter tragisch: „Der frühe Saisonbeginn gleicht das bislang aus.“ Allerdings sei der Großmarktpreis seit Wochen „unterdurchschnittlich“. Ägyptern, Griechen und Römern waren die Stangen zum Essen zu schade. Sie handelten Asparagus als Heilmittel in Apotheken. Aus den Wurzeln gekochter Sud soll bei Diabetes, Gicht, Blasen- und Herzerkrankungen helfen, die Sprossen als Tee bei Rheuma, Leber- und Milzleiden. Manche schwören auf die kalt getrunkene Brühe aus Schälresten. Hartnäckig hält sich das Gerücht von Spargel als Steigerer der Liebesfähigkeit. Monika Hocke und Petra Alt aus Kaiserslautern mögen Spargel grundsätzlich und reichlich. Ein Bekannter hat sie nach Dudenhofen eingeladen. Beim Spargel- und Gartenbauverein erlebten sie erstmals, wie er gestochen wird. Den Zwillingen Freund aus Ladenburg schauten sie über die Schulter, als sie sich beim Spargelstechen versuchten. Monika Hocke: „Jetzt weiß ich, wie mühsam das ist und warum Spargel so viel kostet.“ Auch sie waren von der Veranstaltung „SpargelSpitze“, dem Ambiente, dem Angebot begeistert, wollen nächstes Jahr wiederkommen. Gudrun und Willi Hoffmann haben es von Speyer nicht weit, sie sind jedes Jahr da. Wegen des familiären Flairs und weil Spargel und Wein gut zusammenpassen: „Man wandert durch die Natur und geht, wenn’s Spaß macht, noch mal retour.“ Gemütlich, angenehm findet die Veranstaltung die Familie Meinhardt aus Schifferstadt. Ihr Loblied: Schöne Plätze, liebevolle Gestaltung, nicht das Übliche, gutes, etwas anderes Essen, kein Massenandrang, soziale Aspekte. Musikalisch garniert wurde das zweitägige Menü von Larry Jo Silver, Drehorgelspieler Heinrich Cuntz, dem Pfälzer Duo Josef Mock und Bert Baumann, den Bands „Simply Swing“ und „Hunting Fox“ sowie der Blaskapelle nach dem ökumenischen Gottesdienst am Sonntagmorgen. Das Künstlerteam „GroßArtig“ verloste Bilder zugunsten der Lebenshilfe, der Turnverein öffnete seine Spielwiese, Friedwald, Wild- und Waldschule, Imkerverein stellten sich vor, Peter Kuntz stellte seine Wurzelschnitzereien aus, die Patchworkgruppe verkaufte ihre Handwerkskunst, Jürgen Stiefel seine Holzartikel, und in Notfällen half das Rote Kreuz. (län)