Speyer
Großer Bahnhof für Kabs: Speyer feiert die scheidende Bürgermeisterin
Der Alte Stadtsaal ist fast schon überfüllt und auf der Bühne ist alles bereitet für Kabs Finale. Die hat es nicht leicht, in den ersten Stock zu gelangen. Unterwegs wird sie ständig aufgehalten von Weggefährten. Jeder will noch einmal das Wort an sie richten, jeder ihr Glück und eine gute Zukunft im Ruhestand wünschen.
Mit einer halben Stunde Verspätung erklingt schließlich die Eröffnungsfanfare des Orchesters der Städtischen Musikschule unter der Leitung von Tobias Nessel.
Für Kabs heißt es dann, wie oft in ihrer 16-jährigen Amtszeit: zuhören. Sie hat zwischen Ehemann Manfred, den Söhnen und fünf Enkeln Platz genommen. Auf dem Tisch vor ihr liegt eine Unterschriftsmappe, obwohl sie heute gar nichts unterschreiben muss. Wie sich später herausstellt, liegt darin das Manuskript für ihre Abschlussworte am Ende der Veranstaltung. Kabs überlässt eben nichts dem Zufall.
Schineller hält eine launige Rede
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) hebt ihren persönlichen Einsatz für die Menschen hervor. Großen Respekt zollt sie Kabs auch für Verlässlichkeit, Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein in den sehr intensiven acht gemeinsamen Jahren im Stadtvorstand.
Andreas Krüger und Moritz Erbach singen der scheidenden Bürgermeisterin als Duo Möbius mit „Land in Sicht“ ein Rio-Reiser-Ständchen, bevor Linken-Fraktionschef Aurel Popescu das Wort an die CDU-Bürgermeisterin richtet. Er erinnert an lustige Begegnungen, gemeinsame Erfolge und Gründe für die Nähe des Linken zur Christdemokratin.
Vor der Laudatio, gehalten von Alt-OB Werner Schineller, holt das Christian-Straube-Trio den Frühling auch musikalisch in den Alten Stadtsaal. Launig zu reden hat Schineller nicht verlernt. Auch er betont, dass es ihm gar nichts ausmache, zum ersten Mal nach einem Linken zu reden.
22 Vereinsmitgliedschaften
„Der neue Lebensabschnitt hat durchaus Vorteile“, berichtet der Alt-OB aus inzwischen langjähriger Erfahrung. Er kennt Kabs seit einem halben Jahrhundert, hat ihren Ehemann vor der Hochzeit 1979 schon deshalb für gut befunden, weil er als gebürtiger Speyerer die im Schwarzwald geborene Braut zur Hiesigen gemacht habe. In Speyer ein ganz besonderes Privileg, wie er ausführt. Zu sehr will Schineller indes nicht ins Detail gehen, zumal er „honorarfrei“ spreche, erklärt er. 26 Tätigkeiten und 22 Vereinsmitgliedschaften der Bürgermeisterin hat er zusammengezählt. Für die Rückkehr ins häusliche Umfeld wünscht Schineller der „Mama ante portas“ viel Glück.
CDU-Landtagsabgeordneter Michael Wagners Liedbeitrag irritiert Manfred Kabs denn doch leicht. „Hab mich lieb“ singt Wagner in kräftigem Tenor in Kabs Ohr, hält sie dabei an den Händen und legt einen Walzer mit ihr aufs Bühnenparkett.
Erstmal geht es in den Urlaub
Hinter der Saaltür türmen sich Pakete, Briefe und Päckchen auf dem Gabentisch. Ein „Wenn – Du“-Buch ist dabei, Blumen, Wein und sorgfältig Eingepacktes. Im Saal singen Mädchen der Musikschule „Bei mir bisttu shein“. „Schön, dass es Euch gibt“, ruft Kabs ihren Gästen und besonders ihrer Familie zu, die ihr stets den Rücken freigehalten und viel Geduld mit ihr gehabt habe. Lang anhaltender Beifall im Stehen entließ die Bürgermeisterin schließlich in die private Feier, die letzte im Amt.
„Erstmal geht es in den Urlaub“, kündigt Kabs im Gespräch mit der RHEINPFALZ Pläne für den Ruhestand an. Sichtlich berührt und beeindruckt von dem großen Bahnhof, den die Speyerer ihr zum Abschied bereitetet haben, räumt sie neben der Freude auf den neuen Lebensabschnitt auch Wehmut ein. So recht könne sie noch nicht realisieren, dass sie ab sofort nicht mehr arbeiten müsse, aber auch nicht mehr dürfe. „Es kommt mit Alexander Schubert jemand, dem ich sehr vertraue“, sagt sie und trägt sich als erste an diesem Tag ins Goldene Buch der Stadt ein.