Speyer Großer Auftritt für zwei „Malerfreunde“

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Auf Reisen und an Malwochenenden hielten Johannes Doerr und Gerd Roos seit Ende der 80er Jahre ihre Eindrücke vor Ort mit Zeichenstift und Aquarellfarbe fest. Oft taten die zwei „Malerfreunde“ das gemeinsam. Die Städtische Galerie Speyer zeigt ab morgen 60 ihrer Arbeiten aus drei Jahrzehnten. Die Retrospektive würdigt darüber hinaus das Lebenswerk des im vergangenen Jahr gestorbenen Roos.

1997: Vier befreundete Speyerer Familien fahren in den Urlaub nach Ungarn. Dort machen sie einen gemeinsamen Ausflug in die Hauptstadt Budapest. Die Autos stellen sie vorsichtshalber auf einem bewachten Parkplatz ab. Bei der Rückkehr müssen sie entsetzt erkennen, dass eines der Autos verschwunden ist. Den Rest des Urlaubs verbringt der betroffene Familienvater in stickigen Telefonzellen im Dauergespräch mit Versicherungen und Behörden. Diesem desaströsen Urlaubserlebnis setzten ein Jahr später die damals mitgereisten Künstler Gerd Roos und Johannes Doerr ein Denkmal: Zum Geburtstag des Geschädigten gab es eine aquarellierte Stadtansicht von Budapest mit dem leicht boshaften Untertitel „Blick durch eine Parklücke“. Die Arbeit an dem Bild haben sich Roos und Doerr sichtbar geteilt: Der exakt arbeitende ehemalige technische Zeichner Roos steuerte mit einem Fineliner die Konturen von Gebäuden und Brücke auf der linken Seite des Blattes bei. Derweil aquarellierte der Typograph Doerr mit lockerem Schwung die rechte Hälfte. Diese fast symbiotische Gemeinschaftsarbeit kann als Schlüsselwerk für die jetzige Ausstellung von Doerr und Roos gelten. Über 20 Jahre lang haben die beiden seit den 60er Jahren befreundeten Künstler auf Urlaubsreisen und an Malwochenenden gemeinsam aquarelliert sowie in der Aktzeichengruppe „Aktzent“ nach Modell gezeichnet. Die Ausbildungsjahre hatten den 1953 in Bolanden (Donnersbergkreis) geborenen Doerr nach München und Stuttgart geführt, während sich der sieben Jahre ältere Roos in Landau zum Lehrer ausbilden ließ. Die Hauptphase ihrer gemeinsamen künstlerischen Arbeit begann in den 90er Jahren, als beide in Speyer lebten. Interessant zu vergleichen, wie die beiden Aquarellisten ein und dasselbe Motiv bearbeiteten: Die Ansichten der alten Speyerer Hafenanlagen (1999) und des Industriehofs (2001) sind ein Beispiel dafür. Während Roos immer erst die Linie suchte, bevor er zur Farbe griff, setzte Doerr gern die pastose Aquarellfarbe mit dem Spachtel direkt aufs Papier. Seine Vorzeichnungen mit Bleistift sind nur vage Andeutungen. Nicht nur Speyerer Motive sind in der Städtischen Galerie zu sehen: Auf gemeinsamen wie auch getrennten Reisen nach Afrika (Roos), Skandinavien (Doerr), nach Südfrankreich und immer wieder in die Pfalz entstanden vielfältige Landschaftsansichten. Stillleben und Akte kamen ergänzend hinzu. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der in Breitenbach (Landkreis Kusel) geborene Gerd Roos in ländlicher Umgebung östlich von Berlin. Dort unterhielt er unter anderem eine Straußenfarm und vermietete Ferienwohnungen. Seine Wohnung in Speyer behielt er jedoch und kam regelmäßig zu Besuch in die Stadt. Bei seinem letzten Aufenthalt im Januar vergangenen Jahres entstand die Idee für eine gemeinsame Ausstellung von Doerrs und Roos’ Arbeiten. Der damals schon schwer kranke Künstler habe sich über das Projekt gefreut, erzählt sein Freund – auch wenn er geahnt habe, dass er seine Bilder nicht mehr selbst würde präsentieren können. So entstand dieses besondere, sich etwas eigenartig anfühlende Ausstellungsprojekt zweier „Malerfreunde“, bei dem nur noch einer von der gemeinsamen Zeit berichten kann und der andere als eine Art Legende im Raum schwebt. Sarkastisch, witzig und selbstkritisch sei Roos gewesen – und ein ausgemachter Knoblauchfan, berichtet sein Kompagnon Doerr amüsiert. Eine rohe Zehe habe er locker am Abend verdrücken können. Beschwerden von Kollegen oder seiner Ehefrau über seine Knoblauch-Aura habe er einfach ignoriert. Mit der fiktiven RHEINPFALZ-Schlagzeile „Stinkender Ehemann – Zusammenleben unmöglich!“ machte er sich 1993 in der Zeichnung „Die RHEINPFALZ“ über seine Marotte lustig. Zäh und zeichnerisch unermüdlich sei Roos außerdem gewesen, unterstreicht der Malerfreund Doerr voller Anerkennung. „Gerd hat das Skizzenbuch auch im Krankenhaus dabeigehabt und bis zuletzt gezeichnet“, sagt er. Ausstellung —Zu sehen in der Städtischen Galerie Speyer vom 12. August bis zum 16. September, donnerstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr. —Zur Eröffnung morgen, 12. August, 11 Uhr, spricht der frühere Speyerer Oberbürgermeister Werner Schineller.

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