Speyer
Grillwerkzeug als Türöffner: Geschichten aus der Currysau
„Das war immer super“, „Kindheitserinnerungen“, „Ich habe noch den Geruch von früher in der Nase“: Speyerer verbinden viel mit der Currysau, wie Kommentare in den Sozialen Medien zur aktuellen RHEINPFALZ-Berichterstattung zeigen. Und das belegen auch Erinnerungen von Lesern: Da wäre zum Beispiel Christiane Heim: „Ich erinnere mich, dass ich in den frühen 80er-Jahren mit einer Freundin abends ins ,Old Daddy’ wollte“, schreibt sie an die Redaktion. Die Begleitung habe ihren alten, hellblauen Opel in der Nähe der Currysau geparkt. „Nach dem Aussteigen stellten wir fest, dass das Auto zu war, aber der Schlüssel noch innen steckte – Katastrophe!“ Was also tun? Die Nähe zur Currysau kam da wie gerufen: „Der nette Mann im Imbiss lieh uns daraufhin ein Grillbesteck und so schafften wir es, das hintere Fenstergummi aufzubiegen und das Türknöpfchen hochzuziehen“, erinnert sie sich. „Die Tür ging auf, der Abend war gerettet. Danke, Currysau!“
Udo Heigel verbindet ebenfalls eine Auto-Geschichte mit dem Imbiss am St.-Guido-Stifts-Platz. „Ende 1976 machte ich bei einer Fahrschule in Speyer-Nord den Führerschein“, erzählt er. Er erinnere sich noch sehr gut an den Inhaber der Fahrschule – und besonders an eine Anweisung seines Fahrlehrers. Der habe ihm öfter aufgetragen, vor der Currysau stehen zu bleiben – im Halteverbot. Zurück sei der Fahrerlehrer dann immer mit einem erweiterten Frühstück aus dem Imbiss gekommen.
„Hat mein Überleben gesichert“
„Die Currysau hat mein Überleben gesichert“, sagt Andreas Lutz. Im August 1971 sei er ins damalige Missionskonvikt St. Guido gekommen, kaum 100 Meter vom Imbiss entfernt. Dort gab’s offenbar das bessere Essen, wie seine Anekdote zeigt: Auf dem Weg zur Currysau sei ihnen einmal „Fräulein Liesel“, also Liesel Jester, die legendäre Wirtin des Gasthauses „Weidenberg“, begegnet. „Na, ihr Buwe, wo geht’s dann hie?“, habe sie gefragt. „Pommes hole“, folgte die klare Antwort. „Ei, was hat’s dann zum Owendesse gewwe?“. „Grießbrei mit eigekochte Quetsche“, ging es hin und her. Das Unterfangen der Schüler erntete Zustimmung der Wirtin: „Des ist nix fer junge Kerl. Do habt ihr mol grad recht, wenn er eich was Ordentliches holen.“
Einmal seien sie sehr spät am Imbiss-Ständel gewesen, weiß Lutz noch. Ein Mitschüler sei schon ins Bett gegangen und hatte gebeten: „Bringen ihr mir ä Portion Pommes mit?“ Das war kein Problem: „Bei der Rückkehr drückten wir ihm im Halbschlaf die Pommestüte in die Hand.“ Der Kollege habe sich bedankt, die Portion Pommes aber offenbar nicht mehr gegessen: Er sei eingeschlafen und „wachte am nächsten Morgen eingesalzen inmitten seiner Pommes auf“.
Für Fanny Avril aus Speyer war der Currysau-Besuch stets Familiensache. „In den 1980er-Jahren waren wir, mein Mann und ich, oft am Guido-Stifts-Platz. Später mit unseren Töchtern.“ Man habe meist Pommes mit Schaschliksoße bestellt. „Da wurde dann der Kofferraum unseres Autos geöffnet und als Sitzplatz genutzt. War immer ein kleines Highlight.“
„Doppelte Rind mit Pommes“
Seinen Senf, „oder alternativ Currysau-Pommes-Salz“, kann auch Frank Kröhnert zum Kult-Imbiss abgeben. Erstmals habe er die Currysau während seiner Ausbildung beim Autohaus Klein in Dudenhofen kennengelernt. In der Mittagspause sei es dann oft nach Speyer gegangen. „Ab damals bis plus minus 1991 unzählige Male die ,Doppelte Rind mit Pommes’ verzehrt“, erinnert er sich. Anfang der 1990er-Jahre sei er dann berufsbedingt erst nach Regensburg und später ins Frankenland gezogen. Bei vielen Verwandtschafts- und Freundschaftsbesuchen in der Domstadt sei er regelmäßig „aufgezogen“ worden, erzählt er mit Augenzwinkern: „Und du bist vermutlich satt. Du warst direkt von der Autobahn kommend bestimmt als Erstes bei der Currysau?“, sei er gefragt worden. „Klar, war ich in 99 Prozent der Fälle.“
Egal wo ich eine Currywurst gegessen habe – keine kam auch nur in die Nähe dieser einzig wahren Currysau-Rindscurrywurst – doppelt und mit Pommes.
Bis heute habe er fast alle Entwicklungen zur Currysau weitergeleitet bekommen, sei schlecht gelaunt, wenn er bei Heimatbesuchen vor verschlossener Imbisstüre stehe und habe kürzere Öffnungszeiten mit Ur-Inhaber und Urgestein Robert Schmidt diskutiert, berichtet Kröhnert. Und er habe unter anderem ein Foto von der bisher letzten verzehrten doppelten Rinder-Currywurst. So eine Currysau-„Filiale“ in Nürnberg, die fehle leider. „Denn egal ob im Ruhrpott, in Berlin, weit weg in Neuseeland oder irgendwo sonst ich eine Currywurst gegessen habe – keine kam auch nur in die Nähe dieser einzig wahren Currysau-Rindscurrywurst – doppelt und mit Pommes.“